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Formel 1: Sebastian Vettel im Interview

— 04.10.2014

Eine neue Herausforderung

Sebastian Vettel spricht im großen Interview nach der Bekanntgabe seiner Trennung von Red Bull über die Beweggründe für seine Entscheidung.

Herr Vettel, das war ein aufregender Tag. Können Sie erklären, wie Sie ihn erlebt haben und wie es zu ihrer Entscheidung gekommen ist, Red Bull zu verlassen?

Sebastian Vettel (27): So eine Entscheidung reift logischerweise nicht über Nacht. Wie ich bereits gesagt habe, ist es immer ein großer Schritt, wenn eine Beziehung wie diese zu einem Ende kommt. Man muss aber verstehen, dass es nichts Negatives gibt, wegen dem ich gehe. Es ist nicht so, dass ich das Team verlasse, weil es mir hier nicht mehr gefällt oder ich die Leute nicht mehr mag. Das hat die Entscheidung für mich auch so schwer gemacht, besonders nach so einer langen und erfolgreichen gemeinsamen Zeit. Mit der Zeit ist dieser Entschluss aber gereift, da es auch nicht das erste Mal in den vergangen Jahren war, dass ich die Option hatte, etwas anderes auszuprobieren. Nun hatte ich das Gefühl, dass es der richtige Zeitpunkt für eine Veränderung ist. Es ist ein großer Schritt, aber ich habe eine neue Herausforderung gesucht.
Alles zum Sensationswechsel: Vettel ab 2015 im Ferrari!

Wie haben Sie denn die Abläufe der letzten Stunden erlebt?

Der Medienandrang auf Sebastian Vettel war am Tag der Verkündung seines Aus bei Red Bull riesig

Zuerst einmal habe ich mit dem Team und Dietrich (Mateschitz; d. Red.) gesprochen. Natürlich ist so etwas nicht einfach. Weder ist die Entscheidung einfach, noch sind es die Konsequenzen. Aber wenn es nur darum gegangen wäre, hätte ich bei Red Bull bleiben und nichts tun können. Ich habe den Entschluss aber gefasst, weil er sich richtig angefühlt hat. Die Konsequenzen mögen nun hart sein, am Ende steht mit etwas neuem aber auch etwas Positives zu Buche. Das überwiegt und daher freue ich mich auf den nächsten Schritt.

Warum war genau jetzt der richtige Zeitpunkt?

Es kamen nun einfach viele Dinge zusammen. Man kann es natürlich auch so betrachten: Wir waren dieses Jahr nicht erfolgreich, deswegen fühlt es wie der richtige Zeitpunkt an. So war es aber nicht, denn es gibt wie gesagt nichts Negatives, weswegen es auch schwer für mich ist, das Team zu verlassen. Im Leben kommt man, wenn man aufwächst, aber auch an den Punkt, an dem man irgendwann von daheim auszieht. Und nach 15 Jahren hier bei Red Bull, sechs bei Red Bull Racing und davor bei Toro Rosso, fühlt es sich genau so an: Wie wenn man sein zu Hause verlässt. Aber es gibt eben auch den Wunsch und den Hunger, etwas Neues zu machen. Das war am Ende der Grund, die eine Tür zuzumachen, damit aber auch eine andere zu öffnen.

Ihr Teamchef Christian Horner hatte kürzlich noch erklärt, dass sie beide sich bereits über die Planungen bei Red Bull im anstehenden Winter unterhalten haben. Woher der plötzliche Sinneswandel?

Im normalen Tagesgeschäft guckt man immer von Tag zu Tag. Deswegen bin ich auch heute nicht ganz zufrieden, weil das Qualifying nicht so gut war. Ich wäre gerne viel näher dran an der Spitze und auch die Lücke nach vorne ist groß, wenngleich ich mir sicher bin, dass das heute wahrscheinlich keinen interessiert (schmunzelt). Jedenfalls ist es natürlich nicht einfach, so eine große Entscheidung wie diese für sich zu behalten. Aber der beste Umgang damit ist trotzdem, konzentriert zu bleiben und nur von Tag zu Tag zu schauen.

Ihr Teamchef hat auch gesagt, dass Ferrari ihnen wohl ein sehr gutes Angebot gemacht hat...

Noch fünf Rennen, dann ist dieses Bild Geschichte: Sebastian Vettel im Red Bull

Wie bereits erwähnt, ist es nicht das erste Mal, dass ich Angebote von anderen Teams bekomme. Unglücklicherweise muss ich allerdings erneut die Antwort geben, dass ich offiziell noch nichts bekanntgeben darf. Sehr bald wird das aber der Fall sein. Ich glaube an die Entscheidung, die ich getroffen habe. Und ich glaube, dass sie mich sehr zufrieden machen wird.

Was würden Sie ihrem Freund Bernie Ecclestone in Bezug auf ihre Entscheidung sagen?

Ich würde sagen: Es geht dich nichts an! (lacht)

Sie haben keinen Manager, anders als viele andere Fahrer. Wie sind ihre Verhandlungen abgelaufen?

Ich bin natürlich nicht ganz allein, habe viele Freunde um mich herum und Leute, die mich beraten können. Im Sinne des Papierkrams, ist es natürlich so, dass ich kein Anwalt bin – dafür habe ich schon Leute. Ich denke aber, dass ich alt genug bin und auch erwachsen. Ich habe einen Mund, ein Gehirn... und ich versuche es so gut zu nutzen, wie ich kann. Ich bin nicht scheu und rede auch gerne mit Leuten.

War ihr Vater involviert?

So sehr, wie Väter bei solchen Sachen manchmal eben involviert sind. Aber ich habe ihn jetzt nicht vorgeschickt.

Wäre ihre Entscheidung auch so ausgefallen, wenn Sie mit den Mercedes noch um den Titel kämpfen würden?

Schwer das zu sagen. Hätte, wäre, wenn... wie bereits erwähnt, ist die Entscheidung aber weniger durch aktuelle Resultate beeinflusst, als mehr durch die innere Stimme in mir, die immer lauter geworden ist. Ich freue mich sehr auf das Kommende und der Zeitpunkt hat einfach gepasst. Nur das war ausschlaggebend.

Hat Sie denn die aktuelle Form Ferraris nicht abgeschreckt – dieses Jahr waren dort sogar selten Podestplätze drin?

Vettel lässt bei Red Bull viele Weggefährten zurück - wie etwa Helmut Marko (im Bild rechts)

(lacht) Wie gesagt: In Kürze sollte ich in der Lage sein, etwas mehr zu sagen. Im Moment ist es einfach nur eine große Entscheidung, die auf der einen Seite auch wehtut. Das ist nicht einfach. Gerade wenn man dann vor den Leuten steht, mit denen man so lange zusammengearbeitet hat und ihnen erzählt, dass man geht. Es ist keine Entscheidung, die jemand anders trifft – wie wenn man beim Arzt ist und der einem erzählt, dass man sich das Bein gebrochen hat. Dann kann man nichts machen. Ich habe diese Entscheidung aber selbst und aktiv getroffen. Die Sehnsucht nach etwas neuem war schlussendlich einfach größer.

Hat ihr Teamchef noch versucht Sie umzustimmen, damit Sie nicht gehen?

Nach so langer Zeit kennt man sich sehr gut. Was Christian (Horner; d. Red.) aber auch die anderen Leute im Team betrifft, so haben wir größten Respekt voreinander. Wir haben es von Angesicht zu Angesicht besprochen und leicht war das sicher nicht. Es waren jetzt aber auch nicht so viele Worte nötig, um ihm mitzuteilen, was ich machen werde.

War es ausschlaggebend für den Wechsel, dass die Leute immer sagen, dass ein großer Fahrer nicht nur mit einem, sondern mit mehreren Teams Titel gewinnen muss?

Es gibt viel, was die Leute sagen und vielleicht mag es auch wahr sein. Aber darauf habe ich nicht gehört und schlussendlich bin ich meinem Herzen gefolgt und habe die Entscheidung getroffen, die meiner Meinung nach richtig ist. Was ich nun auch mache, die Ambition ist ja die gleiche geblieben. Ich bin hier, um erfolgreich zu sein. Nur hier zu sein, um Geld zu machen, interessiert vielleicht andere - ich bin hier, um zu gewinnen.

Sie sagen, Sie wollen eine neue Herausforderung. Aber diese Saison hat Sie ihr Teamkollege Daniel Ricciardo in Sachen Siege 3-0 geschlagen. So will man das Team ja eigentlich nicht verlassen, oder?

Ja, das ist eine Sichtweise, die man haben kann. Ich habe aber nicht das Gefühl, dass ich hier noch irgendetwas beweisen müsste. All unsere Erfolge haben wir zusammen erzielt. Mit Sicherheit lief diese Saison nicht wie gewünscht. Besonders die erste Hälfte war für mich enttäuschend. Wir haben uns gesteigert, aber es ist immer noch schwierig alles zusammenzubringen, wie man auch heute wieder sieht. Wenn man aber gewinnen will, darf man sowieso vor niemandem Angst haben, denn wenn man den Titel gewinnen möchte, muss man die Besten schlagen. Insofern ist das nicht wirklich der Punkt gewesen.
Die Stimmen zum Vettel-Abgang hier: Vettel verlässt Red Bull!

Autor: Frederik Hackbarth

Fotos: Getty Images

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