Formel 1

Formel 1: Silly-Season verrückt

— 23.12.2016

Die spannendsten Transfer-Jahre

Renault bekommt eine Absage nach der anderen. Ein Champion, der überraschend abtritt. Felipe Massa, der doch bleibt. Aber das alles kann noch getoppt werden.

Im Fußball gibt es eine begrenzte Transferzeit. In der Formel 1 wird das ganze Jahr über verhandelt und gefeilt. Die Silly-Season, also die verrückte Saison, war 2016 besonders verrückt: Erst hievte Red Bull mit einem Paukenschlag Max Verstappen nach vier Rennen vorzeitig ins Werksteam. Der Niederländer bedankte sich – mit einem Sieg beim ersten Rennen für Red Bull.

Red Bull beugte damit auch einem drohenden Wechsel Verstappens zu Ferrari vor. Dort stand das Cockpit von Kimi Räikkönen zur Debatte, für das sich diverse Fahrer interessierten. Doch schnell war klar: Räikkönen bleibt auch 2017 bei Ferrari. Renault war dagegen auf der Suche nach einem starken Fahrer. Doch diverse Piloten gaben den Franzosen einen Korb, weil sie unter Vertrag standen: Sergio Pérez, Carlos Sainz, Valtteri Bottas. Den Zuschlag erhielt Nico Hülkenberg, aber für den zweiten Platz musste Renault mit Jolyon Palmer Vorlieb nehmen. Um die Mittelfeld-Cockpits wurde gerangelt, jeder Fahrer mit jedem Team in Verbindung gebracht.

Jetzt, wo die meisten Würfel gefallen waren, kommt unerwartet Schwung in den Transfermarkt: Weltmeister Nico Rosberg, der eigentlich einen neuen Vertrag ausgehandelt und im Sommer unterschrieben hat, tritt überraschend zurück. Anfang Dezember stand plötzlich das beste Cockpit zur Verfügung. Junior Pascal Wehrlein wäre die logische Wahl. Doch Mercedes will lieber auf den erfahreneren Bottas setzen – und reißt bei Williams eine Lücke ins Team. Die füllt Felipe Massa, der damit vom Rücktritt zurück tritt.

Doch auf dem Transfermarkt ging es schon wilder zu. 1994 wurden 33 Plätze neu besetzt, alleine während der Saison kam es zu 24 Cockpitwechseln! Finanziell ausgeblutete Teams wie Lotus und Larrousse setzten bis zu sieben verschiedene Fahrer ein, die Legende Ayrton Senna starb, Michael Schumacher wurde für zwei Rennen gesperrt.

Nigel Mansell wechselte als Weltmeister in die IndyCar

Es gibt Jahre, da treten außerdem viele erfahrene Fahrer ab und ermöglichen einen Generationswechsel. Rechnet man die Grand Prix aller Fahrer zusammen, die in einem Jahr das letzte Rennen bestritten haben, rangiert das Jahr 1994 ebenfalls an vordererster Stelle: 17 Fahrer traten 1994 ab, zusammen kamen sie auf 957 Grand Prix! 2011 kamen die abtretenden Fahrer immerhin auf 952 WM-Rennen, 1993 noch auf 885.

Das sensationelle Schumi-Comeback

Das Jahr 1993 gilt ebenfalls als eines der skurilsten Transfer-Jahre. Weltmeister Nigel Mansell hatte die Nase voll und ging völlig überraschend in die in Amerika boomende IndyCar-Serie. Auch Ayrton Senna überwarf sich mit McLaren und testete für Penske einen IndyCar-Rennwagen. Lange Zeit war nicht klar, ob der Brasilianer fahren würde. Senna hatte dann nur einen Vertrag von Rennen zu Rennen – heute undenkbar.

Auch die Vergabe des Weltmeister-Cockpits war eine Sensation. Damon Hill wurde dem zurückkehrenden Alain Prost an die Seite gestellt. Hill hatte zwar einen bekannten Namen, schließlich wurde sein Vater zwei Mal Weltmeister. Aber in seiner ersten Saison 1992 bei Brabham ging er gegen Eric van de Poele mit 2:5 baden. Und Williams hätte namhafte Fahrer haben können: Mika Häkkinen zum Beispiel. Der Finne hätte es locker mit Prost aufnehmen können. So aber musste Häkkinen bis 1998 zum ersten WM-Titel warten. Auch Martin Brundle, der 1992 bei Benetton neben Michael Schumacher durchaus zu überzeugen wusste, stand auf der Williams-Liste.

Auch im Winter 2009/2010 stand die Formel 1 Kopf: Toyota und BMW stiegen aus der Formel 1 aus, vier neue Teams stiegen ein. Die Weltmeister-Mannschaft Brawn wurde an Mercedes verkauft und die holten neben Nico Rosberg sensationell Michael Schumacher zurück in die Formel 1. Auch andere Top-Cockpits wurden neu besetzt: Fernando Alonso ersetzte Kimi Räikkönen bei Ferrari. Der Finne hatte eigentlich einen Ferrari-Vertrag, wechselte aber lieber in die Rallye-WM.

Völlig verrückt auch die Saison 1954: Mit Mercedes und Lancia kündigten sich zwei neue Teams an. Doch beide ließen lange auf sich warten und wurden zum Auftakt nicht fertig mit der Konstruktion ihrer Wagen. Beide verpflichteten aber die besten Fahrer der Meisterschaft: Weltmeister Alberto Ascari wechselte zu Lancia, Juan-Manuel Fangio zu Mercedes. Bis beide Teams in die Formel 1 kamen, fanden Ascari und Fangio im selben Team Unterschlupf – bei Maserati.
Schumi zu McLaren, Montoya zu Red Bull - Diese Transfers sind geplatzt

Auch der Transfermarkt 2018 könnte spannend werden: Bei Ferrari laufen beide Fahrer-Verträge aus und Sebastian Vettel könnte die Fühler Richtung Mercedes und Red Bull ausstrecken.

Autor: Michael Zeitler

Fotos: Picture-alliance

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