Formel-1-Spionage-Affäre

Formel-1-Spionage-Affäre

— 14.09.2007

Mercedes muss Silberpfeil vorführen

McLaren-Mercedes muss in der Spionage-Affäre 100 Millionen Dollar Geldstrafe zahlen und verliert als Team alle Punkte in der Konstrukteurs-WM 2007. Außerdem muss Mercedes im Dezember den neuen Silberpfeil überprüfen lassen.

In der Spionage-Affäre um McLaren-Mercedes hat der Internationalen Automobilverband (FIA) dem Formel-1-Rennstall alle Punkte der Konstrukteurs-Weltmeisterschaft aberkannt. Zudem wurde dem Team eine Strafe von 100 Millionen Dollar auferlegt. Das entspricht rund 72 Millionen Euro. Die Fahrer Lewis Hamilton und Fernando Alonso, die derzeit die Fahrer-Weltmeisterschaft anführen, wurden bleiben ungeschoren. Über einen möglichen Einspruch gegen die Entscheidung will McLaren-Mercedes beraten, wenn alle Details der Urteilsbegündung vorliegen. "Das Urteil ist ein Schock für alle im Team und, wie Reaktionen beim Publikum zeigen, auch für weite Teile draußen.", sagte Norbert Haug in einer ersten Reaktion. Der Mercedes-Sportchef war sichtlich betroffen, obwohl das Team der Höchststrafe, einem WM-Ausschluss, entgangen war.

"McLaren verliert alle Punkte und kann in dieser Saison auch keine mehr holen", sagte FIA-Präsident Max Mosley wenige Minuten nach der Urteilsverkündung. Das Fahrer-Duo werde aufgrund "außergewöhnlicher Umstände" nicht bestraft, meinte der gelernte Jurist und erläuterte: "Sie haben mit uns zusammengearbeitet und wertvolle Informationen gegeben. Deshalb dürfen sie ihre Punkte behalten." Wenn die Rennautos von McLaren-Mercedes für 2008 in Ordnung seien, so Mosley, werde nichts weiter passieren: "Aber das wissen wir erst im Dezember." Der FIA-Weltrat behält sich vor, im Dezember einen vollen technischen Report des neuen Silberpfeils für die nächste Saison zu verlangen. Geht daraus hervor, dass Ferrari-Eigentum verwendet wurde, könnte das Team auch 2008 bestraft werden.

Die Chronologie der Affäre

Eine Formel-1-Saison im Schatten des Spionage-Skandals: Auch mit der Entscheidung des FIA-Weltrats am 13. September 2007 in Paris wird die Affäre um geheime Ferrari-Dokumente wohl noch nicht beendet sein. Hier die Chronologie der wichtigsten Ereignisse um den ehemaligen McLaren-Chefdesigner Mike Coughlan und den Ex-Ferrari-Chefmechaniker Nigel Stepney.
18. März: Ferrari-Fahrer Kimi Räikkönen gewinnt den Saisonauftakt. Anschließend weist McLaren-Mercedes den Weltverband FIA angeblich auf Stepneys Geheiß auf einen irregulären Unterboden bei den Roten hin. Dieser wird anschließend verboten.
Im Juni: Ein Mitarbeiter eines Copy-Shops nahe der McLaren-Fabrik in Woking informiert Ferrari, dass Coughlans Ehefrau Trudy Ferrari-Dokumente auf zwei CD-Roms kopieren ließ.
3. Juli: Ferrari erstattet in Modena Anzeige gegen Coughlan. McLaren-Mercedes gibt bekannt: Ein ranghohes Mitglied aus dertechnischen Crew wurde mittlerweile bis auf Weiteres suspendiert.
4. Juli: Der Automobil-Weltverband FIA leitet Ermittlungen ein.
10. Juli: Eine Anhörung vor dem Londoner High Court wird vertagt. Coughlan will sich über Konsequenzen im Falle einer eidesstattlichen Erklärung informieren.
11. Juli: Coughlan und Ferrari einigen sich außergerichtlich.
26. Juli: Der Weltrat in Paris spricht McLaren-Mercedes aus Mangel an Beweisen frei, behält sich aber sich vor, eine neue Entscheidung im Falle neuer Beweise zu treffen.
31. Juli: FIA-Präsident Max Mosley stimmt auf Drängen des Präsidenten des italienischen Automobilverbandes, Luigi Macaluso, einer Berufungsverhandlung zu.
1. August: Offener Brief von McLaren-Teamchef Ron Dennis an Macaluso. McLaren wirft Ferrari "eine absolut irreführende Pressekampagne" vor.
5. September: Die FIA wandelt die Berufungsverhandlung am 13. September 2007 in eine zweite Anhörung um. Grund: neue Beweise.
7. September: Die FIA veröffentlicht den Brief, den Mosley an Fernando Alonso, Lewis Hamilton und den Ersatzfahrer Pedro de la Rosa schrieb. Sie sollen Kopien des ihnen möglicherweise zugegangenen, geheimen Materials über den neuen Ferrari an die FIA schicken.
9. September: Die Staatsanwaltschaft in Modena ermittelt auch gegen McLaren-Teamchef Ron Dennis und zwei weitere Mitglieder des Formel-1-Teams. Der Vorwurf: Sportbetrug und die Weitergabe von Betriebsgeheimnissen.
13. September: Die FIA verurteilt McLaren-Mercedes zu einer Geldstrafe von 100 Millionen Dollar und erkennt dem Team alle Punkte der WM-Saison 2007 ab.

Autor: Sven-Jörg Buslau

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