Die besten Bilder aus Monaco

Die besten Bilder aus Monaco Die besten Bilder aus Monaco Die besten Bilder aus Monaco

Formel 1: Stallorder bei Mercedes

— 29.05.2016

Gentleman Rosberg

Nico Rosberg hatte in Monaco mit Problemen zu kämpfen und ließ auf Teamanweisung Lewis Hamilton durch. Dieser bedankte sich - und zwar mit dem Sieg.

Für Nico Rosberg war es ein bitterer Sonntag: Dreimal hatte er zuletzt in Monaco gewonnen, 2016 reichte es nur zu Rang sieben. Ein herber Rückschlag auch im WM-Kampf mit Lewis Hamilton, der nun wieder deutlich offener erscheint. Besonders hart für den WM-Leader: Schon im ersten Renndrittel musste er seinen Stallrivalen auf Anweisung des Teams durchlassen. Doch was war passiert? „Viel schmerzhafter als das Durchlassen war das Gefühl mit dem Auto zu Beginn im Regen. Ich hatte null Vertrauen, musste mich vom Limit fernhalten, um nicht in der Mauer zu hängen“, erklärt Rosberg. Schnell war ihm klar: „Um den Sieg kann ich so nicht fahren.“ Die Teamorder sei anschließend nur die logische Konsequenz gewesen.
So lief das Rennen in Monaco: Hamilton gewinnt vor Ricciardo

Rosberg konnte die Pace der Gegner nicht mitgehen

„Wir haben uns die Situation ein paar Runden lang angeschaut. Nico hat seine Reifen nicht ins Arbeitsfenster gebracht. Als Team waren wir dann zum Handeln gezwungen, um das Rennen nicht zu verlieren“, rechtfertigt Mercedes-Sportchef Toto Wolff die Entscheidung gegen den WM-Führenden. „Ricciardo ist uns vorne weggezogen, wir haben mit jedem Umlauf mehr Zeit verloren. Natürlich haben wir diskutiert, aber es war klar, dass es ein Problem am Auto gibt“, so Wolff. Rosberg bestätigt das: „Die Brems- und Reifentemperatur war ein großes Problem.“ Daher habe er selbst gewusst, was ihm am Funk bald blühen würde. „Es war einfach, denn diese Regel gibt es bei uns intern schon lange“, erklärt der Deutsche. „Das Team hat mich gewarnt, dass ich die Pace erhöhen soll. Das konnte ich nicht.“

„Also mussten wir den Call machen“, ergänzt Wolff – und lobt im gleichen Atemzug: „Es ist wirklich tolles Teamork von Nico, dass er mitgespielt hat. Denn es ist in seiner Situation aus dem Cockpit heraus ja nicht einfach, zu verstehen, was los ist und warum es Sinn macht.“ Trotzdem machte der Deutsche „ohne Nachfragen sofort Platz“, erzählt Wolff. Rosberg selbst räumt ein: „Das war richtig, sonst hätte das Team in Monaco nicht den Sieg geholt.“ Dass er damit in der WM aber auch seinem größten Konkurrenten geholfen hat, tut Rosberg „natürlich weh“. 24 Punkte hat er nach Monaco nur noch Vorsprung – davor waren es 43. „Daran denke ich nicht. Ich weiß nicht mal, wie viele Punkte ich noch vorne bin. Ich war hier, um mein Heimrennen zu gewinnen. Das hat nicht geklappt“, lautet seine nüchterne Einschätzung.

Ungewohntes Bild: Eine Umarmung der Silberfeinde

Hinzu kommt: „Das ist Rennsport, da gibt es immer Höhen und Tiefen – ich war darauf vorbereitet, denn es war ja klar, dass es nicht immer so weitergeht und ich jedes Rennen gewinne“, sagt Rosberg, der die ersten vier Rennen der Saison für sich entscheiden konnte und saisonübergreifend sogar sieben Siege in Serie feierte. Für Lewis Hamilton war der Sieg in Monaco hingegen der erste seit seinem WM-Titel in Austin – das war vor über einem halben Jahr. „Eine Riesenerleichterung“, sagt der Brite, der auch weiß, bei wem er sich zu bedanken hat: „Bei meinem Team und vor allem den Jungs in meiner Garage, die fantastische Arbeit geleistet haben. Mit den ganzen technischen Problemen zuletzt hatten wir sehr zu kämpfen.“ Und bei Rosberg. „Nico hat sich wie ein Gentleman verhalten“, lobte Hamilton seinen Rivalen für das Platzmachen.

„Ich wusste zwar, dass es ein Problem bei ihm geben muss, weil ich viel schneller fahren konnte – aber was es war, das habe ich erst nach dem Rennen erfahren“, sagte der strahlende Sieger vom Sonntag. Bei den Fahrerinterviews nach dem Grand Prix in der Teamunterkunft von Mercedes war Hamilton ungewöhnlicherweise extra früher erschienen und lauschte, wenn auch am Handy spielend, während Rosberg über seine Probleme berichtete. Als der Deutsche das Mikro übergab, bedankte sich Hamilton mit einer Umarmung für den fairen Umgang auf der Strecke zwei Stunden zuvor. Nach dem Crash vor genau zwei Wochen in Barcelona ein ungewohntes Bild, das auch an der scheinbar neugewonnenen Lässigkeit des Lewis Hamilton liegt.

Hamilton ist nach seinem ersten Saisonsieg obenauf

Am Samstag noch hatte ihm ein Problem mit dem Benzindruck, und der daraus resultierende dritte Platz im Qualifying, einen herben Dämpfer versetzt. „Früher wäre ich danach wahrscheinlich die ganze Nacht lang angepisst gewesen. Aber gestern bin ich einfach mit meinen Freunden ausgegangen, habe ein Bier getrunken und hatte eine gute Zeit“, grinste Hamilton unter seiner weinroten Baseballcap. Für Teamchef Toto Wolff ist das Wiedererstarken des Weltmeisters trotz der vielen Rückschläge 2016 ein großer Grund zur Freude. „Die harten letzten Wochen haben ihn und auch unsere Beziehung gestärkt. Er hat diesen Sieg heute gebraucht, das war die beste Medizin“, glaubt Wolff. Doch der Österreicher ist auch Gefangener in „zwei Gefühlswelten“. Wolff: „Ganz schwierig heute: Einerseits fühle ich mit Nico, dass es bei ihm nicht gut lief – andererseits ist es eine Erleichterung, dass nach so viel Pech nun wieder das Glück bei Lewis scheint.“

Autor: Frederik Hackbarth

Fotos: Picture-Alliance

Diesen Beitrag empfehlen

Kommentare

Datenschutz

Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

comments powered by Disqus
Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.