Formel 1: Die Hinterbänkler

Formel 1: Starkes Debüt

— 27.03.2017

Giovinazzi der 83. Italiener

Mit dem Debüt von Antonio Giovinazzi geht eine fünfjährige Durststrecke von Italien zu Ende. Giovinazzi wird guter Zwölfter. Ein Blick zurück in die Geschichte.

Italien darf jubeln: Ferrari startet erstmals seit 2010 wieder mit einem Sieg in die Formel-1-Saison. Und erstmals seit Brasilien 2011 ist wieder ein Italiener dabei. Damals fuhren Jarno Trulli (Caterham-Renault) und Vitantonio Liuzzi (HRT-Cosworth) ihren letzten Grand Prix. Jetzt sprang Antonio Giovinazzi bei Sauber für Pascal Wehrlein ein.

Giovinazzi ist Testfahrer bei Ferrari, begann seine Kart-Karriere mit indonesischen Sponsorgeldern in Asien. Zuletzt überzeugte er 2015 als Formel-3-Europavizemeister und 2016 als GP2-Vize. Auch im LMP2-Prototypen und in der DTM war er schon unterwegs. Giovinazzi gilt als Fahrer, der sich schnell auf neue Autos einschießen kann, keine lange Vorlauf- und Trainingszeit braucht. Sein Debüt als Zwölfter war überzeugend. Im Qualifying fehlten ihm auch nur 0,183 Sekunden auf seinem erfahreneren (57 GP) und besser vorbereiteten Teamkollegen Marcus Ericsson.

Giuseppe Farina ist der erste Weltmeister der Geschichte

Giovinazzi ist der 757. Formel-1-Pilot in der Geschichte, der 83. Italiener. Nur die USA (152) und Großbritannien (146) stellten mehr Fahrer. Die erste Frau in der Formel 1 (Maria Teresa de Filippis 1958 beim Belgien-GP im Maserati) kam ebenso aus Italien wie der erste Formel-1-Weltmeister Giuseppe Farina. Der furchtlose Farina triumphierte 1950 im Alfa Romeo, sah in den Folgejahren gegen seine Stallgefährten Juan-Manuel Fangio und Alberto Ascari aber kein Land mehr.

Brutale Todesserie

Ascari ist der erfolgreichste Italiener, wurde 1952 und 1953 mit Ferrari Champion. Seine Siegquote von 40,6% kann nur Fangio toppen – weder Jim Clark, noch Ayrton Senna, noch Michael Schumacher kommen da ansatzweise ran. Schon Ascaris Vater Antonio gewann in den 20er Jahren Grand-Prix-Rennen für Alfa Romeo. Beide vereint ein ausgeprägter Hang zum Aberglauben. Und beide starben dem Unfalltod. Alberto Ascari verunglückte 1955 bei Testfahrten für Ferrari – nur wenige Tage, nachdem er zuvor beim Monaco-GP mit seinem Ferrari ins Hafenbecken stürzte.

Mit dem Tod von Ascari begann eine fürchterliche Unfallserie, in der eine ganze Generation an italienischen Zukunftshoffnungen das Leben verlor. Eugenio Castelotti stürzte 1957 beim Testen in den Tod, Luigi Musso wurde beim Frankreich-GP 1958 aus dem Cockpit geschleudert und tödlich verletzt, Lorenzo Bandini verbrannte 1967 in Monaco just in dem Moment, als er bei Ferrari zur Nummer eins wurde.

Doch das Pech ließ Italien nicht los: Elio de Angelis war 1986 ein großes Talent, gewann schon zwei Rennen, stand bei Ferrari hoch im Kurs, verunglückte dann aber bei Testfahrten. Der Bruder der Rocksängerin Gianna Nannini, Alessandro Nannini, siegte im Benetton-Ford, stürzte dann aber 1990 mit dem Hubschrauber ab und zog sich schwere Armverletzungen zu.

Ascari ist der erfolgreichste Italiener aller Zeiten

Unvergessen ist Giancarlo Baghetti, der gleich die ersten drei Formel-1-Rennen in einem privaten Ferrari gewinnen konnte – ein bis heute unerreichter Rekord. Zwei davon zählten nicht zur WM, der Frankreich-GP 1961 aber sehr wohl. 24 Italiener fuhren übrigens auch für Ferrari, der letzte davon war 2009 Giancarlo Fisichella. Michele Alboreto holte sich 1985 den Vizetitel mit Ferrari.

Riccardo Patrese fuhr zwar nie für Ferrari, stand aber in 256 Grand Prix in der Startaufstellung – ein Rekord, der zwölf Jahre Bestand hatte und erst 2008 von Rubens Barrichello gebrochen werden konnte. Talent hatten auch die Brüder Fabi. Teo Fabi peitschte den Benetton-BMW 1986 drei Mal auf Pole-Position. Doch beide fuhren zweigleisig, konnten sich nie zwischen IndyCar und Formel 1 entscheiden.

In den 90er Jahren war das Formel-1-Feld voll von Italienern. Beim Großbritannien- und Ungarn-GP starteten nicht weniger als zwölf Fahrer aus dem südeuropäischen Land! Doch es waren die Jahre, in denen die Italiener eine ganze Reihe von Negativ-Rekorden aufstellten, die eigentlich keiner haben mag: Claudio Langes zum Beispiel trat 14 Mal zum Qualifying an, konnte sich aber im EuroBrun-Judd nie für ein Rennen qualifizieren. Mit 40 Nicht-Qualifikationen ist Gabriele Tarquini der Rekordhalter in diesem Metier. Luca Badoer fuhr 50 Rennen, kam aber nie in die Punkte!

Und dann gibt es auch noch Andrea de Cesaris, der Crashfahrer Nummer eins. 1982 leistete er sich 20 Unfälle in 16 Rennen. 1987 schied er im Brabham-BMW in jedem Rennen der Saison aus – das ist ebenso Rekord wie seine 149 Ausfälle insgesamt!

Autor: Michael Zeitler

Fotos: Getty Images; Picture-alliance

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