Die besten Bilder aus Spielberg

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Formel 1: Strafe für Rosberg

— 03.07.2016

Krieg der Sterne neu entfacht

Nach dem Silberfeil-Crash in Österreich gehen bei Mercedes die Wogen hoch: Wolff ist es leid, Rosberg will eine Erklärung, Hamilton sieht keinen Redebedarf.

Die Anwesenheit von Star-Wars-Regisseur George Lucas im Spielberg-Fahrerlager war wohl ein Vorzeichen: Der Österreich GP 2016 hat den Krieg der Sterne in der Formel 1 neu entfacht. Und wie: Runde 61 von 61 in Spielberg, Rosberg und Hamilton kollidieren im Kampf um die Führung in Kurve zwei. Der Brite gewinnt das Rennen, WM-Spitzenreiter Rosberg schleppt seinen beschädigten Silberpfeil als Vierter ins Ziel. Während Hamilton auf dem Podium feiert und vom Publikum ausgebuht wird, ist Rosberg stinksauer. Und auch beim Team überwiegt der Ärger statt der Freude über den Sieg.
So lief das Rennen in Spielberg: Silberpfeile crashen wieder

Toto Wolff zeigte sich unzufrieden mit dem Ausgang

„Ich bin es leid, solche Vorfälle diskutieren zu müssen. Egal, ob es die letzte oder erste Runde ist. Ich will nicht, dass sie sich berühren“, machte Mercedes-Sportchef Toto Wolff seinem Ärger Luft: „Ich muss meinen Kopf jetzt erstmal in einen Kübel mit Eiswasser stecken, um mich abzuregen“, sagte Wolff, der aber auch ernste Töne anstimmte: „Eine Kollision unter Teamkollegen ist ein absolutes No-go! Das geht in keinem Team.“ Bereits in Barcelona waren die Silberpfeile aneinander geraten. „Dort fiel mir der Umgang damit deutlich leichter. Davor hatten wir 30 Rennen keine Kollision. Es war klar, dass es passieren könnte“, so Wolff. „Dann sind beide Autos rausgeflogen und ich habe in meiner Naivität gedacht: 'Gut, daraus haben wir jetzt gelernt, es wird nicht mehr passieren.' Und jetzt stehen wir hier und es ist wieder geschehen...“

Mögliche Konsequenzen, bis hin zur Teamorder, will Wolff nun „mit allen Beteiligten“ diskutieren. „Wir schauen uns alle Optionen an, die auf dem Tisch liegen. Dabei gibt es keine heilige Kuh“, bestätigte Wolff, dass es in Zukunft durchaus möglich ist, dass Mercedes „die Reihenfolge ab einem gewissen Punkt im Rennen einfriert“. „Heute hat ein hartes Manöver das nächste nach sich gezogen. Es hätte wieder mit einem Doppelausfall enden können, der unser schlimmster Albtraum ist“, erklärte Wolff, der jedoch nichts von Schuldzuweisungen hält. „Ich will niemandem die Schuld geben. Zu einer Kollision gehören immer zwei. Aber wir haben zwei der besten Fahrer in der Formel 1 und ein Kontakt muss unter allen Umständen vermieden werden.“
Frust auch bei Ferrari: Vettel platzt in Führung der Reifen

Bedient: Rosberg nach dem Rennen in Österreich

Bei WM-Spitzenreiter Nico Rosberg saß der Frust nach dem Rennen tief. „Den Sieg auf diese Art und Weise in der letzten Runde zu verlieren, ist unglaublich hart“, erklärte der Deutsche. Von den Rennstewards bekam Rosberg zudem eine Strafe aufgebrummt: Für die Kollision mit Hamilton wurden zehn Sekunden auf sein Rennergebnis addiert, was jedoch nichts an seiner Platzierung änderte. Zusätzlich gab es zwei Strafpunkte und eine Verwarnung, weil Rosberg nach dem Unfall mit dem Silberpfeil ohne intakten Frontflügel weitergefahren war.

„Ich habe das Rennen verloren, er hat gewonnen. Ich bin der, der unter der Kollision gelitten hat und er nicht. Ich hatte Pech und er Glück“, ärgerte sich Rosberg über Hamilton. Das Pech des Deutschen bestand auch darin, dass bei ihm am Ende der vorletzten Runde das System zur elektronischen Unterstützung der Bremsen ausfiel. Hamilton nutze diese Chance und setzte sich nach einer von Rosberg „nicht ideal“ durchfahrenen ersten Kurve in den Windschatten des Deutschen. Was dann allerdings passierte erzürnte Rosberg. „Ich war innen in der besseren Position und habe das Recht mich zu verteidigen. Dafür muss ich auch nicht die Ideallinie wählen“, so der Deutsche.

Glück gehabt: Hamilton ging als Sieger hervor

„Lewis war außen und da wollte ich ihn halten – auch wenn die Intention war, ihm immer genug Platz auf der Strecke zu lassen. Und das habe ich. Es ist ein Fakt, dass er immer genug Platz hatte.“ Dabei gab Rosberg zu bedenken: „Natürlich: Nach der Kollision sieht es vielleicht so aus, als wäre das anders – weil ich ausgehebelt werde, Grip verliere und nach außen rutsche.“ Für den Deutschen ist der Grund für den Crash aber sein Teamkollege. „Ich bin niemandem reingefahren, hatte mein Auto immer unter Kontrolle. Die Kollision hat mich komplett überrascht. Ich habe nicht erwartet, dass Lewis einlenkt.“ Eine mögliche Erklärung für Rosberg: „Lewis hat in den TV-Interviews gesagt, dass ich in seinem toten Winkel war und er mich nicht gesehen hat.“

Der Deutsche suchte anschließend selbst das Gespräch mit dem Briten, bekam aber offenbar eine Abfuhr. „Ich wollte von ihm wissen, warum er eingelenkt hat. Er hatte aber nicht das Bedürfnis darüber zu reden“, stellte Rosberg fest. Sein Fazit am Sonntag fiel entsprechend ernüchternd aus: „Heute gibt es nichts Positives. Es war eines meiner besten Rennen und ein toller Tag – bis zur letzten Runde“, sagte der 31-Jährige, der sich von Startplatz sieben aus nach ganz vorne gekämpft hatte. Doch die 25 Punkte für den Sieg nahm am Ende Hamilton mit nach Hause – in der WM reduzierte er den Rückstand auf Rosberg auf elf Zähler.

Am Ende konnte in Spielberg nur ein Mercedes feiern

„Es gibt von meiner Seite aus nicht viel dazu zu sagen oder zu diskutieren“, wollte Hamilton auch den fragenden Journalisten seine Sicht der Kollision nicht erklären. „Ich will mich damit nicht befassen, mich nicht davon runterziehen lassen. Ich genieße lieber meinen Sieg heute.“ Nur eines wollte Hamilton klarstellen: „Ich wollte nicht in eine Kollision verwickelt werden. Ich habe Nico sehr viel Platz gelassen, bin so weit außen gefahren wie möglich. Drei Autos hätten innen noch neben mich gepasst“, fand Hamilton, der anmerkte: „Nicos Fehler in Kurve eins hat ihn heute viel gekostet. Er hat zu früh eingelenkt, innen den Kerb getroffen und dadurch Schwung verloren. Ich bin besser durch die Kurve und habe deshalb glücklicherweise die Chance bekommen, in der nächsten Kurve an ihm vorbeizugehen.“

Dass dies mit Lackaustausch verbunden war, wollte Hamilton nicht überbewerten. „Es gibt nicht immer nur Sonnenschein und es läuft nicht immer perfekt. Das ist Motorsport“, merkte der Weltmeister an. „Wir fahren weit über 300. Man kann nicht erwarten, dass immer alles ohne Probleme abläuft.“ Im Großen und Ganzen fand Hamilton aber: „Es war ein tolles Rennen! Für solches Racing lebe ich. Und ich bin mir sicher, es war nicht nur aus dem Auto sondern auch von außen spannend zuzusehen.“ Die Pfiffe der Fans gegen ihn auf dem Podium konnte Hamilton nicht verstehen. „Aber ich verzeihe ihnen. Außerdem weiß ich, dass ich auch meine Fans da draußen haben: Ich konnte ihre Flaggen und Kappen sehen. Es ist also alles gut.“

Autor: Frederik Hackbarth

Fotos: Picture-Alliance / FH

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