Formel 1

Formel 1: Strafe nach Funk-Zoff

— 10.07.2016

Rosberg verliert Platz zwei!

Bitteres Nachspiel für Nico Rosberg: Im Heimatland seines Rivalen Lewis Hamilton verliert er seinen zweiten Platz, der Vorsprung in der WM schmilzt dahin.

Max Verstappen gegen Nico Rosberg lautete das Duell des Tages in Silverstone: Am Ende hatte der deutsche WM-Spitzenreiter die Nase auf der Strecke vorne - und musste sich dreieinhalb Stunden nach Rennende doch dem Red-Bull-Piloten geschlagen geben: Strafe für Rosberg!

Rosberg machte klar, was er von der Sache hielt...

Die Regelhüter beim Großbritannien GP sahen es als erwiesen an, dass Rosberg in der Schlussphase des Grand Prix von seinem Team am Funk eine laut Reglement verbotene Anweisung erhielt. Dafür belegten sie den Deutschen mit zehn Strafsekunden, wodurch Rosberg im Rennergebnis vom zweiten auf den dritten Platz hinter Verstappen abrutscht. Statt vier Punkte hat Rosberg in der WM damit nur noch einen Zähler Vorsprung auf Rivale Lewis Hamilton. Das letzte Wort in der Causa scheint allerdings noch nicht gesprochen, denn Mercedes behielt sich vor, Einspruch gegen die Strafe einzulegen.

Rosbergs Renningenieur hatte ihm beim Auftreten eines Getriebeproblems wenige Runden vor Schluss am Funk die helfende Anweisungen gegeben, nicht mehr in den siebten Gang zu schalten. „Der Fahrer muss das Auto allein und ohne Hilfe fahren“, heißt es in Paragraf 27.1 des sportlichen Regelwerks, das dieses Jahr verschärft wurde, um den Einfluss des Kommandostandes auf die Piloten zu verringern.

Christian Horners Team erbte P2 am grünen Tisch

„Wir wissen noch nicht, worum es sich bei dem Problem genau handelte“, sagte Mercedes-F1-Aufsichtsrat Niki Lauda, der mit Blick auf die Funk-Untersuchung zunächst angefügt hatte: „Natürlich gab es Diskussionen, aber ich glaube, es war gerade noch im Rahmen des Erlaubten.“ Ganz anders sah man das natürlich bei der Konkurrenz. Red-Bull-Teamchef Christian Horner erklärte: „Die große Frage ist doch, was passiert wäre, wenn Mercedes Nico nicht gesagt hätte, was zu tun ist.“

Der Brite: „Es sah so aus, als hätte er das Problem nach der Ansage bereinigt. Nach aktuellem Stand der Regeln ist das aber nicht richtig.“ Dabei wollte Horner differenzieren. Er sei selbst kein Freund des Regelwerks. „Die Regeln sind kompletter Müll. Vielleicht muss man sie für die Zukunft wieder abschaffen. Aber im Moment sind sie eben so und damit ist es nicht erlaubt“, meinte der Red-Bull-Teamchef. „Es gibt auch viele Dinge, die wir unseren Fahrern im Rennen gerne sagen würden und wir dürfen es nicht. Mercedes darf sich da keinen Vorteil verschaffen, denn alle müssen sich daran halten.“

Funk-Ungemach für Toto Wolffs Mannen in England

Mercedes-Teamchef Toto Wolff konterte indes Horners Kritik. Mit den Aussagen seines Red-Bull-Pendants konfrontiert, sagte der Österreicher nach dem Rennen: „Ich denke, dann hat er die Regeln falsch gelesen. Wenn man eine schwerwiegende Störung am Auto hat, kann man natürlich agieren. Von unserer Seite sollte daher alles in Ordnung sein.“ Auch Nico Rosberg zeigte sich bezüglich einer möglichen Strafe zunächst wenig besorgt. „Das Team hat die Regeln in- und auswendig gelernt. Die wissen schon, was sie mir sagen dürfen“, war der Deutsche überzeugt.

Rosberg unterstrich: „Das Problem am Getriebe war sehr kritisch und hätte definitiv mein Rennen beendet. Also haben sie mir geholfen und gesagt, was ich machen kann. Nur so konnte ich Platz zwei und ein paar Punkte retten.“ Für die meisten Experten im Fahrerlager die richtige Entscheidung. „Das fühlt sich nicht an wie Rennsport. Ich hoffe sie geben keine Strafe“, hatte direkt nach dem Rennen Ex-Pilot Johnny Herbert in Bezug auf das strikte Funk-Verbot geurteilt und auch der ehemalige Weltmeister Damon Hill fand: „Man stelle sich einmal vor, so etwas passiert beim letzten Rennen um die WM. Dann stehen wir hier zwei Stunden und müssen auf das Ergebnis warten.“

Rosberg hatte sich vor Verstappen ins Ziel gerettet

Doch die Regelhüter hatten kein Erbarmen, nahmen Rosberg den zweiten Platz wieder ab. Toto Wolff wünscht sich für die Zukunft eine Lockerung des Reglements. „Die Grundidee, dass die Fahrer nicht mehr bevormundet werden, ist ja gut. Aber mit der ganzen Technologie im Auto und der vielen Elektronik, sollte man ihnen schon helfen können, wenn es ein ernsteres Problem gibt.“ Auch Wolff war klar: „Die Frage ist natürlich, wo es anfängt und wo es aufhört. Die FIA wollte es weniger vorhersehbar machen und das hat sie geschafft. Nun aber sollte man meiner Meinung nach wieder ein bisschen zurückrudern.“ Wolff: „Fahrer-Coaching nein, Hilfe bei technischen Problemen ja.“

Wie auch immer die FIA nun reagiert – für Rosberg kommt diese Reaktion wohl zu spät...

Autor: Frederik Hackbarth

Fotos: Picture-Alliance

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