Prema

Formel 1: Stroll der 13. Kanadier

— 07.12.2016

Der langsamste Fahrer aller Zeiten

Mit Lance Stroll gibt 2017 ein Kanadier sein Formel-1-Debüt. Abgesehen von der Villeneuve-Familie haben sich Kanadier nicht mit Ruhm bekleckert.

Erstmals seit elf Jahren fährt 2017 wieder ein Fahrer aus Kanada in der Formel 1 mit. Lance Stroll steigt als reichster Bezahlfahrer aller Zeiten in den Williams-Mercedes. Rund 80 Millionen Euro soll seine Rennkarriere bisher verschlungen haben. Und der Teenie ist erst 18 Jahre alt.

Aber Stroll wird auch Talent nachgesagt. Damit waren die meisten der zwölf Kanadier, die bisher in der Formel 1 unterwegs waren, nicht unbedingt gesegnet. Viele von ihnen waren auch nur Gaststarter bei nordamerikanischen Rennen in den 60er und 70er Jahren. Wie Bill Bräck, John Cannon oder John Cordts. Sie sind nichts weiter als eine Fußnote in der Geschichte der Weltmeisterschaft.

Dann gab es noch Fahrer, die versucht haben, sich dauerhaft zu etablieren, aber gescheitert sind: George Eaton 1970 bei BRM oder Allen Berg 1986 bei Osella. Peter Broeker startete 1963 beim USA-GP sogar mit einem Rennwagen aus Kanada: Der Stebro-Ford war aber viel zu schwer, der Vierzylinder-Motor viel zu schwach. Broeker war hoffnungslos unterlegen.

Disqualifiziert wegen 23 Runden Rückstands!

Er wird der nächste Formel-1-Kanadier: Lance Stroll

Aus Kanada kommt aber auch der langsamste Fahrer aller Zeiten: Al Pease. Mehr als 30 nationale und regionale Titel hat er in Kanada abgeräumt, doch die Formel 1 war eine Nummer zu groß für ihn. Mit einem in die Jahre gekommenen Eagle-Climax startete er im Alter von 47 Jahren 1969 beim Kanada-GP und war für die Spitzenstars eine rollende Schikane. Als er Jackie Stewart bei einer Überrundung einmal mehr stark behinderte, hatte Stewarts Teamchef Ken Tyrrell die Faxen dicke und beschwerte sich bei der Rennleitung. Die reagierte: Als bisher einziger Fahrer in der F1-Geschichte wurde Pease aus dem Rennen genommen, weil er zu langsam war! Als für Pease in der 22. Runde das Rennen beendet war, lag die Spitz schon in Runde 45!

Peinlich auch ein Formel-1-Auftritt von Eppie Wietzes: 1967 und 1974 mischte er den Kanada-GP auf, kam aber nie ins Ziel. Besonders war sein Einsatz 1973: Da fuhr er nicht mit einem Formel-1-Flitzer, sondern mit dem ersten Safety-Car in der Formel-1-Geschichte. Doch weil er sich beim Einsatz wegen Regens nicht vor der Spitze platzierte, sondern mitten im Feld gab es nach dem Rennen stundenlange Diskussionen, weil fünf Fahrer den Sieg für sich beanspruchten...

Natürlich hat aber auch Kanada erfolgreiche Rennfahrer vorzuweisen – dank der Familie Villeneuve. Jacques Villeneuve wurde 1997 Formel-1-Weltmeister, aber er selbst sagt: „Selbst wenn ich alle Rennen und Titel gewinne: Meinen Dad kann ich niemals überholen.“

Die Rede ist von Gilles Villeneuve. Auf den ersten Blick war kaum vorstellbar, was für ein draufgängerischer Fahrer sich hinter dem bubenhaften Gesicht verbarg. So charmant sein Auftreten im Fahrerlager war, sobald sich Gilles Villeneuve in seinen Ferrari klemmte, ging er aufs Ganze. Ronnie Peterson, einer seiner Kontrahenten, sagte einmal: „Immer, wenn ich Villeneuve im Rückspiegel sehe, bekomme ich Gänsehaut.“  Zwei Mal war Peterson in schwere Unfälle mit Villeneuve verwickelt. In Japan 1977 krachte ihm der Kanadier ins Heck und wurde zum Fluggeschoss, dass zwei Menschen tötete, die sich in einer Sperrzone aufhielten.

Die Saison 1977 war Villeneuves erstes Formel-1-Jahr. Erst mit 17 Jahren bestritt er überhaupt sein erstes Rennen – mit einem Schneemobil. Illegale Autorennen, die er auf öffentlichen Straßen bestritten haben soll, mal außen vor gelassen. Seine Statistik von 67 Rennen und sechs Siegen klingt weniger beeindruckend, als seine F1-Karriere war. Schon 1979 kämpfte Villeneuve um den WM-Titel gegen seinen Teamkollegen Jody Scheckter. Ohne Streichresultate wäre Villeneuve Champion gewesen, doch am Ende hieß der Weltmeister Scheckter. Der gestand: „Vom Können her hätte er locker Weltmeister werden können, aber das war ihm nicht wichtig. Sondern nur, dass er immer der Schnellste von uns war.“ Dafür nahm er jedes Risiko in Kauf.

„Villeneuve hinter mir heißt Gänsehaut“

Der einzige kanadische F1-Weltmeister: Jacques Villeneuve

Villeneuve selbst äußerte sich zu dem Thema so: „Ich fahre lieber schonungslos auf Sieg, statt um sichere WM-Punkte. Ich will gewinnen – am liebsten mit einer Runde Vorsprung.“ 1982 kämpfte er wieder um die WM. Doch beim Belgien-GP passierte das, was Ehefrau Joanne immer befürchtet hatte: Im Quali trifft er das Heck von Jochen Mass, überschlug sich mehrfach und zog sich dabei tödliche Verletzungen zu.

Sein Bruder Jacques Villeneuve Senior konnte 1983 bei Arrows nicht in seine Fußstapfen treten. Er konnte sich nicht einmal für ein Rennen qualifizieren. Aber Gilles’ Sohn Jacques Villeneuve Junior schon. Nach dem Indy-500-Sieg 1995 wechselte er in die Formel 1, wo er 1997 den Titel gewann – in einem eigenartigen Duell mit Michael Schumacher. In keinem Rennen der Saison standen die beiden zusammen auf dem Podest, die WM entschied Villeneuve nach einem Schumi-Foul für sich.

Jacques Villeneuve pfeift auf politische Korrektheit, nimmt kein Blatt vor dem Mund, kritisiert Gegner nach Belieben. Das macht ihn nicht immer und überall beliebt. Dass er nach dem Titel 1997 bei BAR, Renault und Sauber nur noch hinterher fuhr, half seinem Ruf nicht. Rivale David Coulthard riet ihm: „Hör auf – sonst vergessen die Leute, wie gut du warst.“ Villeneuve fuhr noch NASCAR, IndyCar, Formel E – konnte aber nirgends mehr Fuß fassen. 2011 plante er zusammen mit dem GP2-Rennstall Durango ein eigenes Formel-1-Team, bekam aber keinen Startplatz. Es war eines von zahlreichen Comeback-Versuchen des Kanadiers.

Es gab sogar noch einen vierten Villeneuve in der Formel 1: Louis Villeneuve, der 1946 zwei Rennen für Delahaye bestritt, war aber Franzose und nicht mit der Villeneuve-Renndynastie aus Kanada verwandt. Kanadas Zukunft soll nun Lance Stroll heißen. 

Autor: Michael Zeitler

Fotos: Hersteller / picture-alliance

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