Formel-1-Test in Valencia

Formel-1-Test in Valencia

— 01.02.2010

Schumi gibt Gas

Saisonauftakt der Formel 1. Beim Test in Valencia waren sieben Teams im Einsatz. Im Mittelpunkt natürlich das Debüt des neuen Mercedes-Werksteams sowie das Comeback von Michael Schumacher.

Für Formel-1-Legende Niki Lauda (60) war es aufregend, was heute um 10:35 Uhr in Valencia (Spanien) geschah. Nico Rosberg (24) fuhr den Mercedes GP-Petronas W01 getauften ersten echten "Silberpfeil" seit dem Ausstieg von Mercedes 1955 zur Jungfernfahrt aus der Box - um sich herum eine Traube von Fotografen. Sein Teamkollege Michael Schumacher (41) starrte dem Auto gebannt von der Boxenmauer hinterher. "Schon in diesem Moment waren bei Schumacher alle Sensoren und Antennen auf Empfang gestellt," analysiert Lauda für AUTO BILD MOTORSPORT,  "denn so komisch es klingt:  Schumacher, der siebenfache Weltmeister, muss jetzt erstmal lernen und auch von den Erfahrungen des jungen Rosbergs mit den Autos der neuen Generation profitieren."

Lauda sicher: Schumacher brennt vor Ehrgeiz

Mercedes präsentierte den GP W01 sowie die Fahrer Schumacher (l.) und Rosberg.

Der Grund: Schumacher kenne seit seinem Ausstieg Ende 2006 weder die neue Aerodynamik noch die neue Generation der Slickreifen. Doch Lauda ist sich sicher: "Lange wird er nicht brauchen. Schumacher brennt vor Ehrgeiz, er ist fit, wissbegierig und seine Schwämme im Kopf sind bereit, jedes kleine Detail, das ihn weiterbringt, aufzusaugen." Drei Saisonrennen wird Michael Schumacher wohl brauchen, bis er wirklich wieder um Siege mifahren kann, glaubt der Österreicher, der selber drei Mal Formel-1-Weltmeister war und zwischendurch - wie jetzt Schumi - eine dreijährige Rennpause eingelegt hatte.

Mercedes mit Design-Überraschungen

Das Recht der ersten Ausfahrt im Mercedes gehörte in Valencia Nico Rosberg.

Vor einigen sehr interessanten Details strotzt auch der neue Mercedes GP W01. Anders als bei den hochnasigen McLaren und Ferrari ist die Front des neuen Silberpfeils wie ein Haken nach unten gezogen. Wie beim Red Bull 2009 weist sie eine Furche zur besseren Luftführung auf. Die Airbox ist wie eine Triangel geformt. Die Motorabdeckung fällt hinter der Airbox steil nach unten Richtung Hinterachse ab und ist, anders als beim McLaren, nicht mit dem Heckflügel verbunden. Gemeinsam mit seinen größten Gegnern hat der neue Silberfpeil nur das wegen des 240-Liter-Tanks lang und klobig wirkende Heck. Ross Brawns neuer Renner für die Saison 2010 konnte mit den größten Design-Überraschungen aufwarten.

Faszinierendes Fahrerpaar 

Auch Schumacher und Rosberg sind für Lauda das faszinierendste Fahrerpaar in der Formel 1. Lauda glaubt: "Schumacher wird das tun, was er immer gemacht hat: Alles daran setzen, um so schnell wie möglich Rennen zu gewinnen, das heißt mit dem Ingenieuren zusammen das Auto verbessern, verbessern, verbessern." Um dafür jede Minute zu nutzen, campierte Schumacher beim Testauftakt in Valencia sogar in einem Wohnmobil im Fahrerlager der Rennstrecke. Weil er kein eigenes "rolling home" mehr besitzt, hat er sich dafür kurzerhand den Wohntruck seines Bruders Ralf ausgeliehen, den der jüngere Schumacher im vergangenen Jahr bei seinen DTM-Einsätzen für Mercedes genutzt hat.

Am Nachmittag ist das Schumi-Comeback perfekt

Felipe Massa übernahm die Arbeit zum Testauftakt bei Ferrari.

Immerhin 280 Medienvertreter hatten sich für den Formel-1-Test in Valencia akkreditiert. Vor allem natürlich, um das Schumacher-Comeback live zu sehen. Sie mussten sich allerdings bis zum Nachmittag gedulden. Um genau 15.29,27 Uhr rückte Michael Schumacher zu seinen ersten Runden im nagelneuen Mercedes MGP W01 aus. Mehr als 39 Monate nach seiner letzten Runde in einem aktuellen Formel-Rennwagen war damit das Comeback des Rekord-Weltmeisters perfekt.

Michael Schumacher muss das Auto kennenlernen

Vormittags musste sich Michael Schumacher in Valencia noch mit der Rolle des Zuschauers begnügen.

Anders als Teamkollege Nico Rosberg, der beim Debüt des neuen Silberpfeil nach einer Installationsrunde zurück an die Box kam, legte Michael Schumacher bei seinem Einstand gleich mal vier Runden zurück. Nach einem kurzen Check vor der Mercedes-Garage begann die eigentliche Arbeit Schumachers. Dass dabei seine Rundenzeiten immer besser wurden, war diesmal nichts anderes als ein netter Nebeneffekt. Primär ging es darum, das Auto kennenzulernen. Wie funktioniert das Lenkrad, wie reagiert das Auto auf Brems- und Beschleunigungsmanöver, wie ist der Grip in schnellen Kurven – das alles interessierte Schumi an diesem Montag in Valencia ganz sicher viel mehr als die Rundenzeiten.

Rat an Rosberg: Gas geben und schauen ob es reicht

Sébastien Buemi eröffnete den Testag im aktuellen Toro Rosso.

Spätestens mit der Ausfahrt von Michael Schumacher sank das Interesse am ersten Arbeitstag von Nico Rosberg bei Mercedes. Dem jungen Deutschen rät Lauda ob der zu erwartetenden Schumi-Lastigkeit im Mercedes-Team deshalb: "Nico muss kooperativ sein. Das heißt, er darf nicht sein eigenes Süppchen kochen, Details vorenthalten, die ihm auffallen und den Eindruck erwecken, er baue seine eigene Mannschaft innerhalb des Teams auf. Er sollte vielmehr ganz eng mit Schumacher zusammenarbeiten; sich anschauen, wie er arbeitet und mit total offenem Visier die Entwicklung gemeinsam nach vorne treiben." Und dann, wenn es zähle, im Qualifying und anschließendem Rennen, "das Auto für seine Fahrweise abstimmen und das Maximum geben. Mit anderen Worten:  Gas geben und schauen, ob es reicht."  Denn, so Lauda, "wenn Rosberg  schneller ist als Schumacher, hat er alles richtig gemacht; wenn nicht, muss er analysieren warum und versuchen, es das nächste Mal besser zu machen. Das wird Schumacher genauso machen."

Sébastien Buemi eröffnete den Testreigen

Lauda glaubt an den Erfolg des "Silberpfeil-Teams". Der Grund: "Nico ist nicht nur sauschnell, er ist auch ein richtig intelligenter Bursche. Er wird genau das alles tun." Dann wäre auch die Reihenfolge bei den Tests in Valencia schnell korrigiert. Denn Mercedes war nur Siebter, als es darum ging, wer als erster aus der Box fuhr: Vor Rosberg lagen sechs andere Teams. Den Anfang machte Sébastien Buemi im Toro Rosso. Es folgten Felipe Massa im Ferrari, Testfahrer Gary Paffett im McLaren, Rubens Barrichello im Williams, Pedro de la Rosa im Sauber sowie Robert Kubica im Renault.

Autoren: Bianca Garloff, Thomas Arndt

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