F1-Test in Valencia

Formel-1-Test in Valencia

— 03.02.2010

Warten auf Vettel

Der erste Test des Jahres ist gemacht. Ferrari, Mercedes und McLaren sind schnell. Sauber überrascht ebenfalls mit Top-Zeiten. Doch mit Red Bull fehlte den Teams eine wichtige Messlatte.

Insgesamt 7797 Kilometer haben 15 Fahrer an drei Tagen im spanischen Valencia absolviert. Doch ein Team schwebte wie ein Schatten über dem ersten Test des Jahres 2010: Red Bull. Weil das beste Auto der vergangenen Saison bei den ersten Probefahrten fehlte, weiß keine Mannschaft wirklich, wo sie steht. Mercedes-Teamchef Ross Brawn formulierte es so: "Gibt es etwas, von dem wir nichts wissen? Wer weiß? Wir haben ja noch nicht alle Autos gesehen. Der Red Bull wird erst in der kommenden Woche vorgestellt und Adrian (Newey, d. Red.) denkt für gewöhnlich immer um die Ecke, wenn er etwas anpackt. Wir müssen abwarten."

Überblick: Alle News und Tests zur Marke Mercedes

Lokalmatador lässt Fans jubeln: Ferrari-Neuzugang Fernando Alonso fährt im spanischen Valencia Bestzeit.

Solange macht Brawns Top-Pilot Michael Schumacher ausgerechnet sein Ex-Team als Favoriten aus. "Ferrari scheint stark zu sein", anaylsiert Schumacher. Tatsächlich absolvierten die Italiener mit 1414 Testkilometern nicht nur die meisten Runden, an jedem der drei Testtage lag außerdem ein Ferrari in Front. Die Bestzeit setzte ausgerechnet Neuzugang Fernando Alonso vor seinem Heimpublikum in Spanien. Rund zwei Zehntelsekunden war der Spanier am letzten Testtag schneller als sein brasilianischer Teamkollege Felipe Massa an den zwei Tagen zuvor. Und: Ferrari blieb als einziges Team unter der Marke von 1.12 Minuten. Doch Alonso tritt auf die Euphoriebremse: "Wenn wir vorne lagen, dann vielleicht wegen der Benzinmengen, vielleicht waren wir aber auch tatsächlich konkurrenzfähig. Der erste Eindruck ist immer gut. Das dachte ich im Vorjahr mit dem Renault aber auch, und dann kamen wir oft nicht ins dritte Qualifying. Daher bin ich vorsichtig." Ein Formel-1-Insider vermutet: "Es sah nicht so aus, als wäre Ferrari mit vollen Tanks gefahren. Könnte gut sein, dass das Vorstandszeiten waren." AUTO BILD MOTORSPORT beobachtete dennoch: Der F10 liegt gut in schnellen und langsamen Kurven. Der Reifenverschleiß ist gering.

Mercedes GP findet sich im Mittelfeld wieder

Enges Teamduell: Rosberg mit vollem Tank und Sitzproblemen nur vier Zehntel hinter Schumi.

Ganz im Gegensatz zu Ferrari stapelt Mercedes tief. Nach 1121 Testkilometern belegten Michael Schumacher und Nico Rosberg mit mehr als einer Sekunde Rückstand nur die Plätze sieben und neun. Schumacher gab sich nach einem Hydraulikschaden am Mittwoch skeptisch: "Ich gehe davon aus, dass wir nicht unbedingt gleich die ersten Rennen gewinnen können und es ist möglich, dass wir ein bisschen Zeit dafür brauchen." Der Rekordweltmeister mahnte sogar, Mercedes sei noch "leicht im Hintertreffen". Dagegen spricht: Am Dienstag, als Nico Rosberg mit vollem Tank unterwegs war, fuhr der Mercedes GP W01 wie auf Schienen. Ross Brawn bestätigt: "Mit vollen Tanks sahen wir nicht schlecht aus, aber wir sind ein bisschen von der Pace weg. Das Handling ist nicht ideal, aber das kriegen wir bis zum nächsten Test hin." Gut fürs teaminterne Duell: Trotz schwerem Auto und schlechterer Sitzposition war Nico Rosberg nur vier Zehntelsekunden langsamer als sein neuer Teamkollege Michael Schumacher.

Weltmeister hinter Teamkollege

Das dritte Top-Team, McLaren-Mercedes, ist schwerer einzuschätzen. Aus Mercedes-Kreisen, immerhin noch Motorenlieferant, ist zu hören: Der neue MP4-25 ist nach 1105 Kilometern noch kein Siegerauto. Weltmeister Jenson Button hatte auf Platz zehn rund 1,5 Sekunden Rückstand auf Alonso. Ex-Champion Lewis Hamilton lag auf Gesamtrang fünf zwar nur acht Zehntelsekunden zurück. Doch nach ABMS-Informationen fuhr er im Gegensatz zu seinem britischen Weltmeister-Teamkollegen mit wenig Sprit. Hamiltons Fazit: "Ich stieg ins Auto und es fühlte sich auf Anhieb gut an. Ich hatte ein Lächeln im Gesicht, als ich ausstieg und ich habe ein viel besseres Gefühl als mit dem alten Auto. Es gibt aber noch viele Bereiche, die wir verbessern können."

Hülkenberg und de la Rosa kommen sich nahe

Kurios: Sauber-Mann de la Rosa kollidiert mit Williams-Pilot Hülkenberg.

Überraschend belegte BMW-Sauber mit Pedro de la Rosa und Kamui Kobayashi an allen drei Testtagen den zweiten Platz. Doch Experten munkeln: Sauber fuhr mit extrem wenig Benzin, um mit guten Testzeiten weitere Sponsoren anzulocken. Als dritter Deutscher belegte Nico Hülkenberg im Williams-Cosworth FW32 nach einem Unfall mit Sauber-Pilot Pedro de la Rosa am Mittwoch den 13. Rang. Hülkenberg: "Mein erster Eindruck ist positiv. Wir absolvierten viele Longruns, jeweils mit viel Benzin an Bord. Das gab uns eine gute Basis, aber wir müssen weiter hart arbeiten." Auffallend positiv: Nur zwei technische Defekte (Hydraulikschaden bei Schumacher, Getriebedefekt bei Buemi) haben die Tests bisher unterbochen.

Dann testen die anderen deutschen Formel-1-Piloten

Premiere: Als erstes neues Team präsentiert Virgin Racing Auto und Fahrer.

Timo Glock und Adrian Sutil fahren ihre neuen Autos erstmals heute (Donnerstag, 4. Februar) in Silverstone. Auch Nick Heidfeld tritt seinen Dienst an. Der angehende Mercedes-GP-Testpilot ist heute zur Sitzanpassung im Formel-1-Werk in Brackley (GB). Erst beim nächsten Test vom 10. bis 12. Februar in Jerez greift auch Vizeweltmeister Sebastian Vettel wieder ins Lenkrad. Trotz verpasster erster Testwoche ist sein Chef Christian Horner zuversichtlich: "Wir sind das einzige Top-Team, bei dem Fahrer und Techniker gleich geblieben sind", betont Vettels Chef gegenüber AUTO BILD MOTORSPORT. "Deshalb haben wir zumindest solange, bis sich alle anderen Mannschaften eingespielt haben, einen Vorteil bei der Weiterentwicklung des Autos." Einziger Nachteil: der im Vergleich zum Mercedes zwar verbrauchsgünstigere aber auch schwächere Renault-Motor. Deshalb fordert Horner Schützenhilfe vom Automobilweltverband FIA: "Wir brauchen eine faire und gerechte Basis. Gerade weil die Motorenentwicklung eingefroren ist, sollten die Triebwerke bezüglich ihrer Leistung nicht mehr als zwei Prozent auseinander liegen." Vettels Teamchef droht sogar: "Die FIA hat alle Daten vorliegen, um sich für eine Angleichung der Motoren zu entscheiden. Es wäre ein Desaster am Ende des Jahres einen weiteren Motorenhersteller zu verlieren, weil er nicht gegen die anderen Hersteller bestehen kann." Hintergrund von Horners Sorgen : "Die Regeln für die Entwicklung des Chassis sind so streng, dass der Motor eine immer wichtigere Rolle spielt."
Rundenzeiten F1-Test in Valencia, kommuliert
Pos. Fahrer Zeit Abstand Rdn. Distanz
1 Fernando Alonso 1:11.470 -.--- 127 508.635
Ferrari
2 Felipe Massa 1:11.722 +0.252 226 905.130
Ferrari
3 Kamui Kobayashi 1:12.056 +0.586 96 384.480
BMW Sauber
4 Pedro de la Rosa 1:12.094 +0.624 154 616.770
BMW Sauber
5 Lewis Hamilton 1:12.256 +0.786 108 432.540
McLaren-Mercedes
6 Robert Kubica 1:12.426 +0.956 188 752.940
Renault
7 Michael Schumacher 1:12.438 +0.968 122 488.610
Mercedes GP
8 Jaime Alguersuari 1:12.576 +1.106 97 388.485
Toro Rosso
9 Nico Rosberg 1:12.899 +1.429 158 632.790
Mercedes GP
10 Jenson Button 1:12.951 +1.481 82 328.410
McLaren-Mercedes
11 Vitaly Petrov 1:13.097 +1.627 75 300.375
Renault
12 Rubens Barrichello 1:13.377 +1.907 177 708.885
Williams
13 Nico Hülkenberg 1:13.669 +2.199 126 504.630
Williams
14 Sebastien Buemi 1:13.823 +2.353 125 500.625
Toro Rosso
15 Gary Paffett 1:13.846 +2.376 86 344.430
McLaren-Mercedes
Testkilometer Teams
Pos. Teams Test-km
1 Ferrari 1.414
2 Williams 1.214
3 Mercedes GP 1.121
4 McLaren-Mercedes 1.105
5 Renault 1.053
6 BMW Sauber 1.001
7 Toro Rosso 889
Rundenzeiten F1-Test in Valencia, Tag 3
Pos. Fahrer Zeit Abstand Rdn. Distanz
1 Fernando Alonso 1:11.470 -.--- 127 508.635
Ferrari
2 Pedro de la Rosa 1:12.094 +0.624 80 320.400
BMW Sauber
3 Michael Schumacher 1:12.438 +0.968 82 328.410
Mercedes GP
4 Jaime Alguersuari 1:12.576 +1.106 97 388.485
Toro Rosso
5 Jenson Button 1:12.951 +1.481 82 328.410
McLaren-Mercedes
6 Vitaly Petrov 1:13.097 +1.627 75 300.375
Renault
7 Nico Hülkenberg 1:13.669 +2.199 126 504.630
Williams
Rundenzeiten F1-Test in Valencia, Tag 2
Pos. Fahrer Zeit Abstand Rdn. Distanz
1 Felipe Massa 1:11.722 -.--- 124 496.620
Ferrari
2 Kamui Kobayashi 1:12.056 +0.334 96 384.480
BMW Sauber
3 Lewis Hamilton 1:12.256 +0.534 108 432.540
McLaren-Mercedes
4 Robert Kubica 1:12.426 +0.704 119 476.595
Renault
5 Nico Rosberg 1:12.899 +1.177 119 476.595
Mercedes GP
6 Rubens Barrichello 1:13.377 +1.655 102 408.510
Williams
7 Sebastien Buemi 1:13.823 +2.101 107 428.535
Toro Rosso
Rundenzeiten F1-Test in Valencia, Tag 1
Pos. Fahrer Zeit Abstand Rdn. Distanz
1 Felipe Massa 1:12.574 -.--- 102 408.510
Ferrari
2 Pedro de la Rosa 1:12.784 +0.210 74 296.370
BMW Sauber
3 Michael Schumacher 1:12.947 +0.373 40 160.200
Mercedes GP
4 Nico Rosberg 1:13.543 +0.969 39 156.195
Mercedes GP
5 Gary Paffett 1:13.846 +1.272 86 344.430
McLaren-Mercedes
6 Rubens Barrichello 1:14.449 +1.875 75 300.375
Williams
7 Sebastien Buemi 1:14.762 +2.188 18 72.090
Toro Rosso
8 Robert Kubica 1:15.000 +2.426 69 276.345
Renault

Autor: Bianca Garloff

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