Formel 1: Timo Glock exklusiv

Formel 1: Timo Glock exklusiv

— 05.05.2010

Können nicht zufrieden sein

Formel-1-Star Timo Glock über sein schweres Leben im hinteren Teil des Starterfeldes und warum er denoch optimistisch ist.

Der frühzeitige Wechsel von Timo Glock (28) zum neuen britischen Formel-1-Team Virgin hatte 2009 für reichlich Unverständnis in der PS-Szene gesorgt. Nach zwei recht guten Jahren bei Toyota, unter anderem mit den zweiten Plätzen beim Großen Preis von Ungarn (2008) und in Singapur (2009) sowie der schnellsten Rennrunde beim Großen Preis von Europa 2009 in Valencia schien der Hesse nach dem Rückzug der Japaner aus der Königsklasse reif für höhere Aufgaben. Stattdessen leistet er jetzt Aufbauarbeit. Gute Ergebnisse sind in weite Ferne gerückt. Im Gespräch mit AUTO BILD MOTORSPORT erzählt Timo Glock über sein schweres Leben als Formel-1-Pilot im hinteren Teil des Starterfeldes.

Haben mit einem weißen Blatt Papier begonnen

Allzu oft musste Timo Glocks Virgin in der bisherigen Saison in die Box geschoben werden.

"Ganz ehrlich? Ganz so hart hatte ich mir mein Leben bei einem der vier neuen Teams nicht vorgestellt. Ich wusste, dass wir gegen die etablierten Mannschaften nur schwer eine Chance haben. Schließlich sind mein Team Virgin Racing und ich mit einem weißen Blatt Papier in das Abenteuer Formel 1 gestartet. Ohne Zielankunft und als Letzter der Konstrukteurs-WM kann ich nach vier Saisonrennen aber nicht zufrieden sein. Dennoch sehe ich Fortschritte in der Entwicklung des Teams und das ist das Wichtigste. So habe ich das auch von Anfang an betont. Sich als neues Team im Wettbewerb einzuordnen, das ist extrem schwierig. Wir müssen uns Schritt für Schritt weiterentwickeln. Und das braucht eben seine Zeit.

Wollen uns jetzt weiter nach vorn orientieren

Glock (li.) sieht sich als Teamleader, der seine Mannschaft mit Kritik und Lob voranbringen will.

Inzwischen habe ich mich auch  daran gewöhnt überrundet zu werden. Ich muss jetzt halt ab und an mal in den Rückspiegel schauen. Dabei hilft mir auch das Team mit Warnungen per Funk von der Box aus mit. Aber wir wollen uns nach und nach aber natürlich weiter nach vorne orientieren. Dann muss ich hoffentlich nicht mehr so oft nach hinten schauen. Die Hydraulik- und Getriebeprobleme der ersten Rennen haben wir nun im Griff. Die Schwierigkeiten mit der Benzinzufuhr haben wir hoffentlich bis Barcelona gelöst. Jetzt heißt es, so schnell wie möglich weitere Fortschritte zu machen und endlich das erste Mal die Zielflagge zu sehen. Als Teamleader haue ich nach solchen Wochenenden wie in China (kein Start wegen Problemen mit der pneumatischen Ventilsteuerung am Cosworth-Motor , d. Red.)  natürlich auf den Tisch! Da fliegen im Meeting schon auch mal die Fetzen. Letztlich muss aber die Mischung aus konstruktiver Kritik und Motivation stimmen Das Team wie auch ich selbst sind weiterhin hoch motiviert.

Entscheidung für Virgin war richtig

Ende einer Dienstfahrt. Auch der GP Malaysia war für Timo Glock frühzeitig beendet.

Ich stehe zu meiner Entscheidung, für ein neues Team zu fahren. Hinter den offenen Cockpits in etablierten Teams standen Ende 2009 zu viele Fragezeichen und das Risiko am Ende ohne Sitz dazustehen, wollte ich nicht eingehen. Ich glaube: Als Stammpilot bei einem neuen Team kann ich mich immer noch besser in Szene setzen, denn als Testfahrer bei einem etablierten Rennstall. Auch die Zweikämpfe in den hinteren Reihen bleiben ja nicht unbemerkt. Besonders geärgert habe ich mich deshalb nach Malaysia, als ich im Duell mit Jarno Trulli ausfiel. Aber ich wäre kein Rennfahrer, wenn ich in solchen Situationen nicht alles versuchen würde. Zweikämpfe in der Formel 1 machen mir immer Spaß. Schöner sind sie natürlich, wenn sie an der Spitze des Feldes stattfinden.

Abstand zur Spitze wird  bleiben

Beim nächsten Rennen in Barcelona werden wir einige Neuerungen an unserem VR-01 haben. Eines der neuen Monocoques mit einem neuen Tank (der alte war zu klein für 300-km-Rennen; d. Red.) soll bis zum Rennen in Spanien fertig sein. Generell erwarte ich aber nicht, dass sich Abstand zu den großen Teams viel verändern wird. Die entwickeln ja auch und bringen sicher viele neue Teile mit nach Barcelona. Aber ich beiße mich durch."

Autor: Bianca Garloff

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