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Formel 1: Toto Wolff im Interview

— 22.10.2017

Nukleares Fahrerduo besser für Mercedes?

Mercedes-Teamchef Toto Wolff spricht im Exklusivinterview mit ABMS über Lewis Hamiltons Weg zum WM-Titel und den Mythos der Silberpfeile.

Herr Wolff, wie sicher sind Sie, dass Mercedes Weltmeister wird?

Toto Wolff: Für mich ist etwas erst dann sicher, wenn es nicht mehr anders werden kann. Wir sehen einen der härtesten WM-Kämpfe seit langer Zeit und wir müssen weiter alles geben, um diese Saison für uns zum Erfolg zu machen.

Nun mal nicht so zurückhaltend. Nach Ihrem Sieg und Sebastian Vettels Ausfall in Suzuka hat Lewis Hamilton vorm GP in Austin 59 Punkte Vorsprung.

Ja, aber Sebastians Schicksal in den letzten drei Rennen zeigt doch, wie schnell sich die Dinge ändern können. Im Rennsport kann immer das Unvorhergesehene passieren und es sind noch 100 Punkte zu holen. Wir nehmen den Fuß solange nicht vom Gas, bis wir den Titel haben.

So schnell kann es in der Formel 1 gehen. Vor gerade mal zwei Rennen saßen Sie in Singapur nach der Klatsche im Qualifying minutenlang alleine in der Box und wirkten zur Salzsäule erstarrt.

Der Kampf mit Ferrari verlangt Mercedes 2017 alles ab

Ja, weil mir Verlieren extrem nahe geht. Ich versuchte mir rational zu erklären, was gerade zuvor passiert ist. Wo unser Rückstand herrührte. Aber Formel 1 ist manchmal eine Wissenschaft für sich. Ich kann deshalb jetzt auch mit Ferrari mitfühlen.

Es gab Zeiten, da wollten Sie Maurizio Arrivabene sogar mal aufs Maul hauen.

(lacht) Ja, irgendjemand sagte mal, dass sich Arrivabene und ich so gut verstehen. Da sagte ich, aber nicht während des Rennens. Da möchte ich ihm am liebsten eine reinhauen. Wir haben da die Rugby-Mentalität in uns: Kampf bis aufs Blut während des Spiels, danach sind wir aber in der Lage, zusammen ein Bier zu trinken. Vor allen Dingen verstehen wir beide, dass wir uns in der Formel 1 auf einer gemeinsamen Plattform bewegen. Und die können wir nur gemeinsam erfolgreich machen.

Dieses Jahr kommt ihr Feind mit Ferrari von außen. Die letzten drei Jahre konnten nur Ihre eigenen den Titel gewinnen. Was ist schwieriger zu managen?

Mit den Silberfeinden war es nicht einfach für Wolff...

Die Rivalität im eigenen Team zu managen war anstrengend und zeitintensiv. Diese Zeit hätte ich mir oft lieber für die Fahrzeugentwicklung gewünscht. Aber es war am Ende einfacher, weil wir dieses Jahr im Kampf mit Ferrari und Red Bull ja im Gegensatz zu früher auch als Team verlieren können.

Im Vergleich zu den Kampfhähnen Hamilton und Rosberg wirkt die diesjährige Kombination Hamilton/Bottas wie Schüler in einem Priesterseminar. Haben Sie rechtzeitig zum Erstarken von Ferrari ein Traumduo engagiert?

Wenn sich zwei Piloten verstehen, ist das gut für die Teamdynamik. Man muss sich dann nicht ständig mit irgendwelchen Scharmützeln beschäftigen oder irgendwelche Animositäten ausgleichen, die die Stimmung im Team belasteten. Unser Problem früher war, dass immer einer glücklich und einer zu Tode betrübt war. Jetzt haben wir eine völlig neue Dynamik und Zeit für andere Dinge. Die Frage ist, was danach kommt? Wollen wir diese Mischung beibehalten? Oder ist die nukleare Variante besser für uns?

Wie nervig war es denn wirklich?

Zwischen Rosberg und Hamilton herrschte Stallkrieg

Es war aufwändig. Aber am Ende des Tages sind wir ein Sportteam und nicht eine Heile-Welt-Familie. Rivalität zwischen den Fahrern kann gut und wichtig für die Leistung sein, weil sie sich gegenseitig antreiben. Sie kann aber auch schlecht sein, wenn sie sich gegenseitig Punkte wegnehmen.

Kommen wir zu Lewis Hamilton: Inwiefern hat er in dieser Saison noch einmal einen Schritt gemacht - sowohl sportlich als auch menschlich?

Er ist unglaublich. Er wird immer besser, in jeder Beziehung. Das liegt aber auch an Valtteri. Weil er und Lewis weniger kontrovers sind. Das war, wie gesagt, mit Nico Rosberg anders.

Hamilton beherrscht auch die Psychospielchen, hat Vettel zuletzt öfters mit subtilen Sprüchen provoziert. Hat er ihn bewusst unter Druck gesetzt und damit Erfolg gehabt?

Hamilton sieht Wolff dieses Jahr auf einer neuen Stufe

Am Ende gewinnt immer der schnellste Fahrer mit dem schnellsten Auto und den wenigsten Fehlern.

Wir zitieren Niki Lauda: "Hamilton ist der beste Formel-1-Fahrer aller Zeiten!" Glauben Sie das auch?

Lewis ist sicher einer der besten Fahrer der Geschichte. Er würde nicht den Pole-Position-Rekord halten, wenn er das nicht wäre. Jetzt geht es nur noch darum, dass er mit Mercedes weitere Siege und Meisterschaften gewinnt. Er ist auf jeden Fall auf einem sehr guten Weg.

Ist Hamilton auch als Marketing-Tool unbezahlbar oder doch eher gefährlich?

Als Markenbotschafter ist er vor allem authentisch. Er ist ein Freigeist, man kann ihn nicht in einen Goldkäfig sperren. Fundamental ist er der Mann, den wir an einem schwierigen Tag im Auto haben wollen.

Warum ist Ihnen ein deutscher Fahrer im Mercedes nicht so wichtig?

Wolffs Ziel ist es, den Mythos Silberpfeile auszubauen

Wir sind ein globales Unternehmen, deshalb haben wir nicht den Anspruch, dass ein deutscher Fahrer im Auto sitzen muss. Wir wollen den schnellsten Mann haben. Mein Traum ist es, dass lange nach uns der Silberpfeil als Erstes genannt wird. So, wie es früher war oder bei Ferrari ist. Ferrari ist in Italien ein Mythos, der in den letzten 50 Jahren entstanden ist. Da ist es egal, wer im Auto sitzt.

Kann man so einen Mythos planen?

Nein, ein Mythos entsteht durch Performance, durch Leistung. Leistung schafft Helden. Wir sind mit Lewis auf einem guten Weg, und die Ära wird in Zukunft in den Geschichtsbüchern als eine äußerst erfolgreiche Zeit stehen. Ein Mythos entsteht auch nicht, während etwas passiert. Mythen und Heldengeschichten entstehen Jahre danach.

Autoren: Ralf Bach, Bianca Garloff, Andreas Reiners

Fotos: Picture-Alliance

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