Formel 1: Bilder - Hamilton vs. Rosberg 2014

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Formel 1: Toto Wolff im Interview

— 03.10.2014

Sie dürfen sich nicht in die Kiste fahren

Mercedes-Sportchef Toto Wolff spricht im Interview mit AUTO BILD MOTORSPORT über den Titelkampf seiner Fahrer Nico Rosberg und Lewis Hamilton.

Herr Wolff, beide Piloten wurden in dieser Saison öfters von Technikdefekten heimgesucht. Das letzte Mal Nico Rosberg in Singapur. Haben Sie Angst, dass die WM durch stotternde Silberpfeile entschieden wird?

Toto Wolff (42): Das wäre nicht nur ärgerlich, sondern würde einen Schatten auf die Meisterschaft werfen. Wir wollen nicht, dass ein Fahrer die WM verliert, weil ihn die Technik im Stich gelassen hat. Deshalb arbeiten wir hart an der Zuverlässigkeit. Die Qualitätsabteilung ist mit wirklichen Top-Leuten besetzt, aber die Dinge brauchen manchmal, bis sie greifen.

Fünf Rennen vor Schluss herrscht fast Gleichstand zwischen Ihren beiden Piloten. Was bedeutet das für Sie?

Das macht die Sache für uns noch schwieriger. Der Kampf wird noch intensiver werden. Die Konsequenz sind wohl weniger Haare auf meinem Kopf (lächelt).

Nico Rosbergs Lauf wurde ausgerechnet in der entscheidenden zweiten Saisonhälfte gestoppt. Die letzten zwei Rennen hat Hamilton gewonnen. War Rosbergs Ausfall in Singapur schon WM-entscheidend?

Nein. Nico ist mental sehr stark, ein Alphatier wie Lewis. Beide hatten ihre Tiefs und beide sind immer wieder zurückgekommen. Wenn man Weltmeister werden will, muss man auch durch solche Phasen durch.

Haben die Fahrer freie Fahrt, wenn der Konstrukteurs-Titel gesichert ist?

Kollisionen wie zuletzt in Spa (Bild) dürfen zwischen den Mercedes-Piloten nicht mehr passieren

Wenn es je zu der Luxusposition kommen sollte, dass wir auch in Sachen Fahrer-WM abgesichert sind, dann kann ich mir vorstellen, dass es ein bisschen schärfer zur Sache gehen kann. Was trotzdem ein No-Go ist: Dass sie sich in die Kiste fahren.

Was ist anstrengender: Wie letztes Jahr einen Rückstand auf Red Bull wettmachen zu müssen oder wie in diesem Jahr zwei wilde Fahrer bändigen zu müssen, die nach dem Rennen in Singapur auch nur drei Punkte auseinanderliegen?

Schwieriger ist nicht die Messlatte, nicht das Team mit dem besten Auto zu sein. Einen Rückstand aufholen zu müssen ist um ein Vielfaches schwieriger als zwei Fahrer zu managen. Die beiden sind nach außen unsere Botschafter und unsere Helden. Es ist wichtig, dass wir das nie vergessen. Sie müssen sich aber auch stets bewusst sein, dass sie Bestandteil einer großen Gruppe sind.

Nach der Kollision in Spa wurde Ihnen Missmanagement vorgeworfen. Ihre Antwort auf die Kritiker?

Das war doch hauptsächlich Eddie Jordan. Und der Eddie muss immer mal einen raushauen. Das ist auch sein Auftrag. Man kann’s nie allen Recht machen. Im Endeffekt muss man sich die Kritik anhören und selbstkritisch hinterfragen: Was können wir besser machen? Aber intern ist alles gut und das ist das Wichtigste.

Wie kritisch hat der Vorstand nach dem Verhalten des Teams in und nach Spa reagiert?

Toto Wolff und der Mercedes-Kommandostand haben 2014 eine Menge damit zu tun, beide Fahrer zu managen

Die Vorstände haben etwas anderes zu tun, als ein Formel-1-Team zu managen. Die Formel 1 ist nur ein winziger Bestandteil des Konzerns. Wir haben das Glück, dass uns die Vorstände mit Rat und Tat zur Seite stehen, wenn wir das brauchen. In diesem Fall war das ansatzweise so. Den Vorständen hat das, was in Spa auf der Strecke passiert ist, sehr missfallen. Und unsere Reaktion war im absoluten Konsenz mit den Vorständen.

Warum haben Sie nur Nico Rosberg öffentlich an den Pranger gestellt?

Ich habe ihn nicht an den Pranger gestellt sondern gesagt, dass ein Crash in Runde 2 nicht akzeptabel ist. Trotzdem: Das war gleich nach dem Rennen ein emotionaler Moment, weil gerade so viel weggeworfen worden ist. Und vielleicht würden wir das nächste Mal 20 Prozent weniger emotional reagieren.

Aber eine Woche später musste Rosberg die Schuld in einer Pressemitteilung auch auf sich nehmen.

Wir sind jetzt eben grundsätzlich offener und emotionaler, als Mercedes das früher war. Wir sind weniger politisch korrekt, sondern sprechen die Dinge aus. Das ist manchmal gut und manchmal schlecht. Andererseits wurde uns in England vorgeworfen, dass die Strafe – wie auch immer sie aussah – nicht groß genug war, weil Lewis immerhin 18 Punkte verloren hatte. Das heißt: Wie man es macht, man macht es falsch. Nico hat ein ernsthaftes Foul begangen und eine gelbe Karte dafür bekommen.

Was haben Sie aus der ganzen Situation für nächstes Jahr gelernt?

Das ist ja kein statischer Prozess sondern eine dynamische Entwicklung. Im letzten Jahr gab es keine Probleme. Aber da waren wir auch nur Zweiter und einfach nicht gut genug. Das ist natürlich eine andere Situation für die Fahrer, als wenn sie jetzt die Messlatte sind. Beide sind ihr ganzes Leben lang drauf kalibriert gewesen Weltmeister zu werden und jetzt wird das natürlich intensiv. Und im nächsten Jahr wird es wieder anders sein.

Wie wird Hamilton denn reagieren, wenn Rosberg Weltmeister wird und umgekehrt?

Das WM-Duell der Silberpfeile beschert eine Menge Gesprächsstoff - besonders für Mercedes' Toto Wolff

Einer wird verlieren und natürlich hoffe ich, dass der andere dann Weltmeister ist – und kein Ricciardo. Die Chance dazu beträgt 75 Prozent, aber nicht mehr. Der eine wird dann over the moon sein, total glücklich. Und der andere wird einige Zeit brauchen, bis er das verdaut hat.

Wie wichtig ist es dann sich zunächst um den Verlierer zu kümmern?

Sehr wichtig. Weil wir mit beiden Fahrern die nächsten Jahre weiterarbeiten wollen. Deshalb ist es wichtig, da das Gleichgewicht zu halten. Und dabei darf man vor allem den Verlierer nicht vergessen.

Sie wollen beide Fahrer langfristig binden. Warum wurden die Vertragsverhandlungen mit Lewis dann abgebrochen?

Wir haben beide den Wunsch gehabt und beschlossen das Thema zu vertagen, weil die Meisterschaft so intensiv ist. Statt über kaufmännische Themen zu beraten wollen wir die Saison zu Ende fahren. Und dann ist das Erste, was wir machen, uns mit Lewis hinzusetzen und hoffentlich alles für die Jahre nach 2015 einzutüten.

Wie sehr können Sie denn garantieren, dass beide Fahrer nächstes Jahr noch bei Mercedes fahren?

Zu 99 Prozent. Weil man sich immer eine Restchance für außergewöhnliche Situationen zurückhalten muss. Im Leben ist nie alles hundertprozentig. Ich werde für gar nichts eine hundertprozentige Zusicherung geben.

Auch, weil auf dem Transfermarkt gerade extrem viel los ist. Alonso will offenbar von Ferrari weg. Das könnte zu einer Reihe von Folgetransfers führen. Interessieren Sie sich für solche Bewegungen?

Das muss man. Wenn du als Team versuchst die besten Rahmenbedingungen für dich zu haben, musst du verstehen, was rund um dich passiert. Da geht es nicht nur um den Fahrermarkt, sondern auch die Ingenieure. Und es ist meine Aufgabe von diesem Gesamtbild ausgehend unsere eigene Strategie möglicherweise zu verändern.

Die Konkurrenz fürchtet sich schon vor 2015. Es spricht nichts dagegen, dass Ihre Dominanz weitergeht. Man spricht von 60 PS mehr als dieses Jahr.

Das Bild trügt: Wolff (l.) stellt klar, dass es keine Bevorzugung für Lewis Hamilton (r.) gibt

Dann müssen die ihre Nase aber weit drin gehabt haben in unserem neuen Motor (lächelt)! Im Rahmen des Reglements darf man ziemlich umfangreich entwickeln. Und das versuchen wir natürlich. Auch auf der Chassis-Seite ist uns dieses Jahr ein Wurf gelungen – und das versuchen wir natürlich fortzusetzen. Wenn du erst einmal einen gewissen Vorsprung hast – und es gibt keinen großen technologischen Umbruch – dann ist es einfacher diesen Vorteil über Jahre hinaus zu halten. Das ist unser Ziel und wir sind in einer guten Position, aber wir lehnen uns nicht komfortabel zurück.

Also kann es ja gar nicht in Ihrem Interesse sein, die Motorregeln zu lockern – wie Ferrari es sich wünscht.

Wir haben deshalb kein Interesse, weil dann mehr Geld ausgegeben wird. Außerdem muss man sich die Frage stellen: Warum glauben die anderen, dass sie es plötzlich besser machen als das letzte Mal?

Wie sehr freuen Sie sich persönlich schon auf Ihren ersten WM-Titel?

Ich bin generell Pessimist mit einem Quäntchen Optimismus. Und es fühlt sich für mich so an, als wären noch viele, viele Kilometer zwischen uns und dem vermeintlichen Sieg. Ich habe schon Pferde vor der Apotheke kotzen sehen. Gerade im Sport kann alles passieren. Du musst nur zweimal blöd ausscheiden, dann kommt es aufs letzte Rennen mit doppelten Punkten an. Wir dürfen uns nicht in Sicherheit wiegen.

Trotzdem: Ihr WM-Tipp 2014?

Ein Mercedes-Fahrer wird Weltmeister (lacht).

Frage: als Außenstehender kann man den Eindruck gewinnen Nico Rosberg werde benachteiligt. Können Sie diesen Eindruck entkräften?

Völliger Schwachsinn. Wer so etwas denkt, versteht nichts von unserer Racing-Philosophie. Wir haben sie seit Anfang der Saison gegeneinander fahren lassen und versuchen bestmöglich ihnen gleichwichtige Voraussetzungen zu schaffen.

Mehr zu Toto Wolff und dem spannenden WM-Kampf zwischen den Silberpfeil-Stars Nico Rosberg und Lewis Hamilton lesen Sie in AUTO BILD MOTORSPORT - die neue Ausgabe ist ab heute als Heft im Heft in AUTO BILD überall am Kiosk erhältlich.

Autoren: Bianca Garloff, Ralf Bach

Fotos: Getty Images

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