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Formel 1: Toto Wolff im Interview

— 15.05.2016

„Verkettung unglücklicher Umstände“

Toto Wolff erlebte nach dem Crash von Lewis Hamilton und Nico Rosberg beim Spanien GP keinen einfachen Tag. Der Mercedes-Sportchef im Interview.

Herr Wolff, in einem Satz – wie lautet ihr Fazit nach dem Spanien GP?

Toto Wolff: Dass es sehr schmerzhaft ist, zu sehen, wie wir heute etwas verloren haben, das ein tolles Resultat hätte sein können.

Wie sehen Sie den Unfall zwischen Lewis Hamilton und Nico Rosberg?

Am Ausgang von Kurve drei hatte Lewis mehr Speed als Nico. Nico hat dann innen zugemacht, Lewis sich aber auch für diese Seite entschieden, ist auf das Gras gekommen und hat das Auto verloren.
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Wie bewerten Sie den Crash?

Als Rennunfall. Allerdings sehr unglücklich mit der Verkettung aller Umstände, die mit reingespielt haben. Und auch als sehr schwierig zu beurteilen.
Silberpfeile kollidieren in Barcelona: Lauda gibt Hamilton die Schuld

Welche Umstände meinen Sie genau?

Toto Wolff hatte keinen leichten Arbeitstag in Spanien

Nico hatte die falsche Motoreinstellung, deswegen hat er Power verloren und hatte nicht so viel Energie wie Lewis. Das erklärt, warum alles so schnell ging: weil es eine hohe Diskrepanz beim Speed gab. Deswegen mussten beide Fahrer in einer Zehntelsekunde eine Entscheidung treffen und das hat damit geendet, dass Lewis Nico getroffen hat.

Ist der Vorfall mit dem in Spa 2014 vergleichbar?

Wir sind aus Spa gestärkt hervorgegangen, es war aber damals im Team davor auch eine komplett andere Situation. Dadurch, dass wir danach mit der Devise weitergemacht haben, dass wir sie Rennen fahren lassen, war klar, dass so etwas passieren kann. Damit machen wir auch weiterhin weiter. Heute sind einfach ein paar unglückliche Umstände zusammengekommen, die dazu geführt haben, dass wir als Team verloren haben. Aber für mich war es anders als damals in Spa.

Sind im Team in Bezug auf die Schuldfrage alle einer Meinung?

Silber-Schrott: Mercedes' Stars crashten in Runde eins

Es gibt einige Leute im Team mit sehr viel Erfahrung im Rennsport. Trotzdem haben sich, als wir den Vorfall angeschaut haben, die Meinungen interessanterweise stark unterschieden. Was ich davon aber mit nach Hause nehme, ist die Tatsache, dass es ein Vorfall war, der von beiden Seiten aus hätte vermieden werden können. Jetzt aber Prozentzahlen zu nennen, wer wie viel Schuld trägt, ist sehr schwer.

Wie fiel die Reaktion der Fahrer aus, haben sie sich entschuldigt?

Ja, Lewis hat sich entschuldigt. Beide waren natürlich mit der Situation ziemlich unzufrieden und sauer, dass sie das Team hängen gelassen haben. Was aber noch wichtiger ist: Wie wir als Team jetzt damit umgehen. Wir hatten gerade in den letzten Rennen wirklich einen tollen Spirit im Team. Jetzt ist es an der Zeit, auch dieser Herausforderung gewachsen zu sein und zu demonstrieren, dass wir als Team aus solch schweren Situationen gestärkt hervorgehen.
Glauben Sie, dass beim Crash auch mit reingespielt hat, dass Hamilton im Moment viel zu verlieren hat – und Rosberg nicht?


Rosberg und Hamilton sind nicht leicht zu managen

Ich bin nicht Dr. Freud. Es ist schwer zu beurteilen, ob so etwas eine Rolle gespielt hat. Aber man kann das vielleicht eher auf den Start zurückbeziehen, der hat sicher für Emotionen unter dem Helm gesorgt. Und wenige Kurven später dann einen Einfluss gehabt. Wenn man in Barcelona zwischen gleichen Autos überholen will, ist Runde eins wahrscheinlich die beste Möglichkeit. Als Lewis dann nach Kurve drei mehr Speed hatte, hat er also diese Entscheidung gefällt. Als Rennfahrer muss man das in Millisekunden machen und entweder liegt man dann richtig oder falsch.

Was haben Sie den Fahrern jetzt für die nächsten Wochen mitgegeben?

Beide sind sehr gut in unser Team integriert und sie wissen auch, was für uns als Team wichtig ist. Das hat man in den Diskussionen danach gesehen. Man kann nicht erwarten dass es ihnen gleichgültig ist, jeder hat seine Meinung. So funktionieren Rennfahrer eben. Aber ich bin zu einhundert Prozent sicher, dass es ihre Beziehung mit Blick in die Zukunft nicht negativ beeinflusst.

Was haben Sie ihren Fahrern denn direkt nach dem Unfall gesagt?

Das kann Wolff nicht gefallen: Silberpfeil am Haken

Dass sie im Auto sitzen und dafür verantwortlich sind, das Auto in einem Stück nach Hause zu bringen. Darin haben sie heute versagt. Punkt. Aber weiter brauchen wir auch nicht gehen. Wir haben Lewis zum Beispiel in den letzten Rennen mit der Technik im Stich gelassen – und uns dafür entschuldigt. Das ist der Umgang, den wir in diesem Team pflegen. Wir gewinnen und verlieren zusammen.

Hat Rosberg sich auch entschuldigt?

Nico hat danach gesagt, dass er versteht, dass es für das Team schwierig ist. Und keiner von beiden hat das Gefühl, dass er komplett unschuldig an der ganzen Situation ist.

Hamilton hat nach dem Crash sein Lenkrad weggeworfen. Dabei handelt es sich um ein ziemlich teures Teil. Haben Sie mit ihm darüber schon gesprochen?

Lewis Hamilton entschuldigte sich bei seinem Team

Und ich habe glaube ich meine Kopfhörer zerbrochen. Ich kann die Emotionen also verstehen...

Abschließend: Das Rennen heute hat Max Verstappen gewonnen. Was sagen Sie dazu?

Max als jüngsten Sieger aller Zeiten dort oben stehen zu sehen, ist toll für ihn und den Sport. Er ist ein Fahrer, der das verdient. Nachdem beide Mercedes in Runde eins draußen waren, war es ein spannendes Rennen. Ein neuer Star wurde geboren. Und Ferrari hat viele Punkte gemacht und aufgeholt. Nur: All das lässt mich persönlich natürlich sehr unzufrieden hier abreisen. Aber solche Tage gibt es im Rennsport eben.

Autor: Frederik Hackbarth

Fotos: Picture-Alliance

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