Mercedes

Formel 1: Tracktest Danner

— 19.07.2016

"Silberpfeil ist ein Wunderwerk"

Ex-F1-Pilot und RTL-Experte Christian Danner durfte den Silberpfeil von 2014 fahren. Hier schreibt er über seine erste Ausfahrt in einem Formel-1-Hybrid.

Es ist einfach ein geiles Gefühl. Wenn der Mechaniker die Reifen-decken abmacht, du die Kupplung ziehst und im ersten Gang losfährst. Dann denkst du dir, endlich mal wieder nur ich, mein Auto, meine Strecke, mein Gaspedal.

Es gibt Rennautos, und es gibt Autos, mit denen du Rennen fährst. Renn-autos sind für mich nur die Wagen mit freistehenden Rädern. So wie der Silberpfeil von 2014, das Weltmeisterauto von
Lewis Hamilton, das ich beim Mercedes-Medientag in Hockenheim exklusiv fahren durfte.

Meine wichtigste Erkenntnis: Dieses Auto macht extrem viel Laune! Als ich das erste Mal den Pinsel runtergedrückt hab, dachte ich: Wahnsinn, da will mich einer umbringen! Ich kann jetzt alle Vorurteile, die modernen Formel-1-Autos seien nicht mehr schwierig genug zu fahren, entkräften.

Los geht's: Ex-Formel-1-Pilot und RTL-Experte Christian Danner freut sich

Der Hybridmotor ist extrem stark. Die haben fast 1000 PS Systemleistung, nur sagt das leider keiner. Wenn die Fans auch nur ansatzweise wüssten, wie schnell diese Dinger sind, dann würden sie jeden Tag einen Kniefall machen und sagen: Diese Formel-1-Fahrer, das sind echte Helden!

Die beiden Elektromotoren spürst du nicht, die laufen parallel mit. Der Antrieb ist eine Einheit. Auch beim Bremsen merkst du nicht, dass Energie rückgewonnen wird. Was mir aber auffiel: Du kannst die Bremse sehr gut dosieren. Dieser Silberpfeil ist einfach nur extrem harmonisch.

Aber nur, weil etwas harmonisch ist, heißt es noch lange nicht, dass es damit auch einfach ist, am Limit zu fahren.Diese Autos sind schnell, richtig schnell. Auch im Vergleich zum Achtzylinder-Saugmotor, der heute ja immer verherrlicht wird. Ich sage: Der Achtzylinder war eine Luftpumpe! Da ging nichts vorwärts, nichts. Die Piloten müssten heute jedes Mal vorm Schlafengehen ein Wachgebet schicken.

Nach der Ausfahrt im 2014er Mercedes ist Danner hellauf begeistert

Der größte Unterschied zu früher: Die Autos sind leicht zu bedienen. Die ganzen Parameter – dass du zu hoch drehst beim Runterschalten, der Motor nicht fahrbar ist oder die Aerodynamik beim Einlenken noch eine ganz andere ist als in der Kurvenmitte –, die sind weg. Das Auto fährt sich unglaublich stabil und vorhersehbar. Aber richtig schnell zu fahren, das ist damit immer noch genauso kompliziert wie früher.

Ja, der Silberpfeil hat ordentlich Abtrieb, aber es ist nicht so, dass ein 90er-Jahre-Formel-1-Auto nicht mindestens genauso viel Anpressdruck hatte. Der Unterschied: Du hast ihn in der Kurve oder beim Bremsen auch ganz schnell wieder verloren. Das ist hier nicht der Fall. Die Fahrbarkeit ist einfach sagenhaft. Der Kurvenspeed widerspricht den Grenzen der Physik. Ein normaler Mensch denkt immer, das ist wie Playstation fahren. Ist es aber nicht, weil in so einem Auto immer sehr viel gleichzeitig abläuft.

Egal was du in diesem Auto machst, nichts wirkt komisch oder unnormal. Selbst das Anfahren ist unkompliziert. Das, worauf es hier ankommt, sind ganz andere Kriterien: Der Pilot muss das Maximale aus seinen Fähigkeiten am Lenkrad machen.

In meinem Arrows hatte ich auch einen Turbomotor. Aber das Ding hatte eine völlig unzivilisierte Leistungsentfaltung, die Mut gebraucht hat. Die körperliche Fitness musste extrem hoch sein, auch wegen der Handschaltung. Das gibt es jetzt nicht mehr. Das Besondere ist, dass du dich jetzt aufs Rennfahren konzentrieren kannst. Aufs Bremsen, aufs Lenken, aufs Reifenmanagement. Dabei habe ich gemerkt: Wenn du ein bisschen rutscht, das mag der Pirelli-Reifen gar nicht ...

Am Ende bleibt das Gefühl, das Weltmeisterauto gesteuert zu haben. Dieser Silberpfeil hat keine Macken. Es ist mit großem Abstand das beste Auto, das ich je gefahren bin. (Christian Danner)

Autor: ABMS

Fotos: Hersteller

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