Die Sieger des Ungarn GP 2007

Formel 1: Ungarn GP 2007

— 06.08.2007

Triumph des Ausgebremsten

Nachdem ihm der Weltverband FIA in der Nacht zu Sonntag die Pole Position von Fernando Alonso zugesprochen hatte, nutzte Shootingstar Lewis Hamilton die Chance und gewann den Großen Preis von Ungarn.

Aus Lewis Hamiltons Worten klang Erleichterung und Genugtuung zugleich. "Es war ein ereignisreiches Wochenende – und eine sehr emotionale Sache für alle Teams", resümierte gestern der Gewinner des Großen Preises von Ungarn mit einem breiten Lächeln. Die Einschätzung des Führenden in der Fahrer-WM betraf dabei weniger den Verlauf des Rennens, das Ferrari-Pilot Kimi Räikkönen (Ferrari) als Zweit- und Nick Heidfeld (BMW-Sauber) als Drittplatzierter beendeten, als vielmehr die brisanten Vorkommnisse abseits der Strecke. Im Mittelpunkt standen Hamiltons McLaren-Mercedes-Team und Fernando Alonso. Die Rennkommissare des Weltverbands FIA hatten den Formel-1-Weltmeister am Samstag (4. August 2007) gegen Mitternacht um fünf Startplätze von Rang eins auf Position sechs strafversetzt, weil er in der Qualifikation seinen Teamkollegen Hamilton per Parkblockade behindert hatte. Anstatt nach seinem Boxenstopp loszufahren, verzögerte Alonso seine Weiterfahrt um knapp zehn Sekunden und verhinderte so, dass Hamilton noch auf die Pole Position vorfahren konnte. Es sei "ein bisschen komisch gewesen, was da gelaufen ist", sagte Alonso gestern. Die Juryentscheidung "zu verstehen, ist echt schwierig". Im Rennen blieb Alonso dann chancenlos.

Start-Ziel-Sieg für Lewis Hamilton. Kimi Räikkönen nutzt die saubere Seite und verdrängt Nick Heidfeld von Platz zwei.

Während sich an der Spitze von Beginn an Hamilton und Räikkönen ein enges Rad-an-Rad-Duell lieferten, das der Brite wegen eines Lenkungsschadens mit Glück und Mühe für sich entschied, verlor Alonso den Kampf um Rang drei gegen den geschickt verteidigenden Heidfeld. Alonsos Rückstand auf WM-Spitzenreiter Hamilton beträgt nun sechs Rennen vor Saisonende sieben Punkte. Ralf Schumacher (Toyota) und Nico Rosberg (Williams) belegten die Plätze sechs und sieben. "Bei normalem Rennverlauf konnte ich nicht gewinnen", maulte der Viertplatzierte Alonso nach seiner Schadensbegrenzung und stichelte: "Am Samstag hat man mein Potenzial gesehen."

Kein tolles Wochenende für McLaren-Mercedes

Auch Ron Dennis sah am Sonntag nicht eben wie ein Sieger aus. "Unsere Fahrer sind gut gefahren, und ich bin sehr zufrieden mit dem Ergebnis. Aber ein tolles Wochenende war es nicht", sagte der Teamchef von McLaren-Mercedes freudlos. Kein Wunder, denn die FIA-Kommissare hatten außerdem entschieden, Dennis' Rennstall nach dem Eklat um Alonso in Ungarn keine Punkte in der Konstrukteurs-WM gutzuschreiben. Die Jury sah zur Begründung des Urteils "die Aktionen des Teams in den finalen Minuten der Qualifikation als schädlich für das Interesse des Wettbewerbs und des Motorsports" an. Der Rennstall legte Einspruch ein, eine endgültige Entscheidung soll in den nächsten Wochen fallen.

Kimi Räikkönen und die Scuderia hoffen auf die nächsten schnellen Strecken, Istanbul und Monza.

Zudem forderte Renault-Teamchef Briatore offen den Ausschluss von McLaren-Mercedes, weil er im Zuge der Spionageaffäre vermutet, McLaren-Mercedes habe schon lange Einblick in Ferrari-Akten gehabt.  "Angesichts des ganzen Dramas an diesem Wochenende hätte man sagen können, dass jemand wie ich leicht mal die Konzentration verlieren könnte", feixte Hamilton. Seinen dritten Saisonerfolg stellte er mit 0,7 Sekunden Vorsprung auf Räikkönen sicher, auf den er nun 20 Punkte Vorsprung in der Fahrer-Weltmeisterschaft hat. Hamilton: "Uns kann nichts stoppen, nichts aufhalten. Mit dieser Einstellung habe ich mich ins Auto gesetzt."

Spannend wird nun sein, zu beobachten, ob McLaren-Mercedes in den nächsten beiden Rennen in drei Wochen in der Türkei und zwei Wochen später in Italien seine derzeitige Vormachtstellung verteidigen kann. Denn Ferrari setzt seine Hoffnung auf diese schnelleren Strecken, ganz ohne Chance auf den WM-Titel sind Räikkönen und dessen Teamkollege Felipe Massa (Sonntag 13.) nicht. Ron Dennis hingegen wird sich in den restlichen Saisonrennen mit dem Problem herumschlagen müssen, wie er seine ehrgeizigen Topfahrer unter Kontrolle behält, die mit harten Bandagen und unter Missachtung seiner Ordern gegeneinander um die Weltmeisterschaft kämpfen. "Der Wettkampf", grantelte Dennis, "sollte auf der Strecke stattfinden, meine ich." Fernando Alonso tat Fragen nach der Rivalität zu dem als "Wunderkind" gefeierten Lewis Hamilton mit der Antwort ab: "Jeder von uns versucht seinen Job zu machen, mit seinem Auto gut umzugehen, seine Leistung zu bringen. Solche Sachen passieren eben mal."

Ergebnis Formel 1 GP Ungarn 2007

Fahrer Team Zeit Punkte
1. Lewis Hamilton Mc Laren-Mercedes 1:35.52,991 Std. 10
2. Kimi Räikkönen Ferrari + 0,715 Sek. 8
3. Nick Heidfeld BMW-Sauber + 43,129 Sek. 6
4. Fernando Alonso McLaren-Mercedes + 44,858 Sek. 5
5. Robert Kubica BMW-Sauber + 47,616 Sek. 4
6. Ralf Schumacher Toyota + 50,669 Sek. 3
7. Nico Rosberg Williams + 59,139 Sek. 2
8. Heikki Kovalainen Renault + 1.08,104 Min 1

Autor: Burkhard Nuppeney

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