Flavio Briatore, ehemaliger F1-Renault-Teamchef

Formel 1: Urteil im "Crashgate"

— 22.09.2009

Ausschluss von Briatore

Harte Strafe für Ex-Teamchef Flavio Briatore und den ehemaligen Chefingenieur Pat Symonds im größten Skandal der Formel-1-Geschichte. Mosley glaubt, dass Renault nun in der Formel 1 bleiben wird.

Der größte Skandal der Formel 1 ist mit dem Urteil des Weltrates des Internationalen Automobil Verbandes (FIA) zu Ende gegangen. In der sogenannten "Crashgate"-Affäre kam nur Renault mit einem blauen Auge davon. Der französische Hersteller wurde bis ende 2011 für alle Formel-1-Rennen gesperrt – allerdings auf  Bewährung. Zwar wurde Renault für schuldig befunden gegen fünf Artikel des FIA-Regelwerks verstoßen zu haben, weil man sich aber tatkräftig an der Aufklärung beteiligt und zudem die Hauptverantwortlichen Flavio Briatore (59) und Pat Symonds (46) bereits gefeuert hatte, ließ die FIA Gnade walten. Wohl auch, weil man sich sonst der Gefahr ausgesetzt hätte, nach BMW einen weiteren namhaften Hersteller in der Königsklasse des Automobilrennsports zu verlieren.

Keine Funktionen mehr unter Hoheit des Weltverbandes erlaubt

Lebemann: Schöne Frauen, hier das Top-Model Naomi Campbell, gehörten zum Leben von Flavio Briatore.

Im Skandal um den offenbar absichtlichen Unfall von Nelson Piquet jr. beim Formel 1 Grand Prix von Singapur 2008 ging die FIA gegen die ihrer Meinung nach Hauptverantwortlichen Briatore und Symonds  mit voller Härte vor. Ex-Renault-Teamchef Briatore wurde lebenslänglich von allen Funktionen unter FIA-Hoheit ausgeschlossen. Der Italiener darf künftig auch nicht mehr als Fahrermanager arbeiten. Pat Symonds, ehemaliger Chefingenieur des Renault F1-Teams, bekam die gleiche Strafe – allerdings nur für fünf Jahre. Ein Schreiben an FIA-Weltrat, in dem der Brite sein "unendliches Bedauern und seine große Scham" zum Ausdruck brachte, wirkte strafmildernd.

Selbst der Zutritt zu allen FIA-Veranstaltungen ist künftig verboten

Das Spiel ist aus: Flavio Briatore wurde von der FIA lebenslänglich für alle Motorsportfunktionen gesperrt.

Nun ist die FIA aber kein Gericht und kann gegen Privatpersonen mithin auch nicht tätig werden. Also ließen sich die Regelhüter einen Kniff einfallen, um Ihre Strafe durchzusetzen. Künftig wird der bestraft, der sich mit Briatore oder Symonds einlässt. Alle Teams, Fahrer oder Rennserien für die Briatore und/oder Symonds aktiv werden sollten sind vom Lizenzentzug bedroht. Selbst der Zutritt zu FIA-Veranstaltungen wie ein Formel-1-Rennen oder ein Lauf zur Tourenwagen-WM bzw. Rallye-WM ist beiden künftig untersagt.

Alonso profitiert

Mit diesem Urteil findet der größte Skandal in der 60-jährigen Geschichte der Formel 1 sein vorläufiges Ende. Beim Großen Preis von Singapur 2008 war Nelson Piquet jr (24) in der 13. Runde in eine Mauer gekracht und hatte damit eine Safetycar-Phase ausgelöst. Weil just in dieser Zeit die führenden Fahrer ihre ersten Boxenstopps zum Nachtanken absolvieren mussten, wurde Piquets Renault-Teamkollege Fernando Alonso an die Spitze des Feldes gespült. Der Spanier, nach einem verpatzten Qualifying nur von Startplatz 15. ins Rennen gegangen war, hatte unmittelbar vor dem Unfall getankt und das Rennen später gewonnen.

Niko Rosberg: "Fühle mich jetzt als moralischer Sieger"

Befohlener Crash: In der 13. Runde des Grand Prix von Singapur 2008 setzte Nelson Piquet jr. seinen Renault in die Wand.

Einer der leidtragenden war damals der am Ende zweitplatzierte Nico Rosberg (24). "Ich musste zum tanken an die Box fahren, obwohl die Boxengasse wegen des Safetycar-Einsatzes noch geschlossen war (war 2008 so Regel, d. Red.). Ich wäre sonst ohne Sprit auf der Strecke liegen geblieben. Dafür erhielt ich eine Durchfahrtsstrafe, die mich zurückgeworfen hat. Klar fühle ich mich jetzt als moralischer Sieger, aber dafür kann ich mir auch nichts kaufen", sagt der deutsche Williams-Pilot in einem Interview mit sportbild.de.

Datenaufzeichnungen belegten die Behauptungen von Piquet jr.

Beweis: Die Telemtrie-Daten von Piquet jr. beweisen, dass er vor dem Crash früher und heftiger aufs Gas tritt als in den Runden zuvor.

Nach seinem Rauswurf aus dem Renault-F1-Team vor dem GP von Europa in Valencia Mitte August 2009 hatte Nelson Piquet jr. Mittels einer eidesstattlichen Erklärung öffentlich gemacht gemacht, dass er damals von Briatore und Symonds genötigt worden sei, im Interesse des Teams für ein gutes Alonso-Ergebnis diesen Unfall zu provozieren. Die Datenaufzeichnung bewiesen letztlich, dass er in einer Linkskurve deutlich früher und heftiger aufs Gaspedal trat als in den Runden zuvor. Auch als die Hinterräder bereits durchdrehten und das Heck des Renault ausbracht, ging Piquet jr. nicht vom Gas und sorgte so dafür, dass sein Auto in der Mauer landete.

FIA wusste bereits frühzeitig von Manipulationsvorwürfen

Sie schrieben F1-Geschichte: Nelson Piquet jr. (r.) im größten F1-Skandal, Vater Nelson als dreimaliger Weltmeister (1981, 1983, 1987).

Keine Rolle spielte bei der Verhandlung übrigens die Rolle der FIA in diesem Skandal. Der dreimalige F1-Weltmeister Nelson Piquet sen. (1981, 1983, 1987)  und Vater des Unfallfahrer hatte nach eigener Aussage bereits unmittelbar nach dem Rennen in Singapur den Formel-1-Renndirektor und FIA-Sicherheitsbeauftragten Charlie Whiting über den Vorfall informiert. Auch Formel-1-Promoter Bernie Ecclestone hat eingeräumt, bereits seit Mai von dem Vorfall gewusst zu haben. "Gerüchte über mögliche Manipulationen gab es schon lange, aber keine Beweise. Die lagen uns erst mit der eidesstattlichen Erklärung von Piquet jr. vor", begründete FIA-Präsident Max Mosley (69), warum der Weltverband erst mit acht Monaten Verspätung eine Untersuchung eingeleitet hatte. Das Ergebnis des Rennens und damit auch der Ausgang der WM 2008 bleiben von dem Urteil unberührt, haben damit also Bestand.

Autor: Thomas Arndt

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