Alonso

Formel 1: Verlässt Alonso Ferrari?

— 02.10.2014

Kein klares Bekenntnis zur Scuderia

Ferraris Fernando Alonso wird in der Presserunde vor dem Japan GP von den Medienvertretern regelrecht gegrillt - der O-Ton des Spaniers zum Nachlesen.

Fernando Alonso und Ferrari; diese Liebesbeziehung ist am Ende. AUTO BILD MOTORSPORT weiß: Der Spanier will die Scuderia verlassen. Und auch die Italiener wollen ihn schnellstens loswerden. Doch was bislang nur hinter den Kulissen brodelte, wurde in Alonsos Presserunde in Suzuka erstmals öffentlich. Lesen und urteilen Sie selbst: Geht Alonso oder bleibt er?

Herr Alonso, woran liegt es, dass es im Moment noch keine klare Ansage oder ein Bekenntnis ihrerseits gibt, dass Sie auch im nächsten Jahr sicher für Ferrari fahren werden?

Fernando Alonso (33): Ich lebe für meinen Job. Ich bereite mich vom 1. Januar bis zum 31. Dezember auf das Fahren vor. Und hier war das immer speziell, denn es ist ein besonderes Team – das beste der Welt. Die letzten fünf Jahre habe ich auf der Strecke alles gegeben und die Zahlen sprechen für sich selbst. Aber neben der Piste lebe ich auch nicht hinter dem Mond. Ich bin mir der Gerüchte, die es so gibt, schon bewusst. Diese helfen nicht, wie ich in Singapur bereits gesagt habe. Wir befinden uns in der Konstrukteurs-WM im Kampf mit Williams und wir wollen da das Maximum erreichen. Das hat für mich erste Priorität: Der Teil an der Strecke und dem Team zu helfen. Meine Zukunft hat, wenn es denn überhaupt etwas darüber zu reden gibt, nur zweite Priorität. Es gibt dazu seit letztem Jahr, seit diesem Jahr, seit Juli, August, September keine Neuigkeiten. Nun sind wir im Oktober und es gibt immer noch nichts Neues. Trotzdem gibt es nach jedem Rennen Gerüchte...

Die Gerüchte einmal außen vor gelassen – aber hat sich ihre persönliche Situation denn geändert, durch die jüngsten Veränderungen bei Ferrari?

Er wirkt traurig und angeschlagen: Fernando Alonso stellt sich den bohrenden Fragen der Reporter

Nein. Vor dem Singapur GP war ich Mittwochabend zum Beispiel essen mit den Mechanikern und Ingenieuren, wie ich das manchmal mache. Weil ich nahe am Team dran sein will. Wir haben da immer noch die großartige Atmosphäre wie immer – Ferrari ist eine große Familie. Aber natürlich fragen sie mich dann auch ab und zu, ob es stimmt, was in den Medien steht. Und ich bin traurig, dass so großartige Freunde solche Gerüchte lesen müssen. Das hilft uns allen nicht. Ich weiß nicht, wo diese Gerüchte herkommen oder warum sie intensiviert werden. Ich stelle das Interesse des Teams und der Tifosi immer an erste Stelle, denn Ferrari ist größer als wir alle. Daher stehen meine eigenen Interessen auch nicht an erster Stelle. Wenn es also um die Zukunft geht und es etwas gibt, das gut für Ferrari ist, werde ich das machen – was auch immer das bedeutet...

Was ist denn wichtiger für Sie: Dass jeder in der Formel 1 denkt, dass Sie der beste Fahrer sind und Sie im berühmtesten Team fahren... oder dass Sie in Zukunft wieder Titel gewinnen?

Wenn man Titel gewinnt, denken die Leute, dass man der Beste ist. Wenn nicht, werden die Leute das auch nie denken. Ich bin eine Person, die den Wettbewerb liebt und ich will gewinnen, seit ich zehn Jahre alt bin und im Kart mit dem Rennfahren auf professionellem Niveau angefangen habe. Ich bin bereit, die Leistung dieser besten Phase meiner Karriere in zählbare Erfolge umzumünzen. Ich fühle mich gut, fit und zuversichtlich. Ich gewöhne mich mit meinen Fahrstil jedes Jahr schnell an die neuen Regeln. Und ich habe das Gefühl, dass ich auf dem Höhepunkt meiner Karriere bin. Davon will ich in den nächsten Jahren profitieren und weitere Titel einfahren, um nicht nur mit zwei (2005 & 2006; d. Red.) aufzuhören. Aber es ist immer noch Sport. Manchmal gewinnt man und manchmal verliert man eben.

Können Sie denn ausschließen, dass Sie 2015 bei McLaren oder Red Bull oder sonst wo fahren?

Ungewiss: Fährt der Star-Pilot Ferraris auch nächste Saison noch für die Mythosmarke aus Italien?

Das ist eine ziemlich schwere Frage. Meine Antwort dazu lautet daher: Ich werde das Beste für Ferrari tun.

Können Sie denn nicht sagen, dass Sie nicht bei einem dieser Teams sein werden?
 
So geht das nicht (lacht). Sie können fragen, dann antworte ich. Aber Sie können nicht die Frage stellen und die Antwort gleich mitgeben.

Ihr Teamchef Marco Mattiacci hat bestätigt, dass es Gedanken und Gespräche zu ihrer Zukunft gibt. Können Sie dazu etwas sagen?
 
Seit Singapur hat sich auch da nichts verändert. Es gibt einige Optionen auf dem Tisch, da wird offen drüber geredet, wie das schon immer war. Im Moment geht es aber wirklich nur darum, auf der Strecke Taten sprechen zu lassen und dem Team zu helfen.

Sie sagen aber ja selbst, wie störend all die Gerüchte für Ferrari sind. Warum sagen Sie dann nicht einfach, dass Sie für Ferrari fahren werden. Dann müssten die Gerüchte doch vom Tisch sein? Und Zweitens: Alle Optionen sind mit Risiken verbunden. Ist das ihre Schwierigkeit im Moment - abzuschätzen, welche Option das größte Risiko birgt?

Am Ende des Tages hat man im Kopf schon eine Vorstellung und das habe ich. Ich habe das Glück, mir aussuchen zu können, wo ich fahre. Das ist nicht normal in der Formel 1. Am Anfang kann man das nicht und selbst später, das sehen wir dieses Jahr, gibt es viele Fahrer, die einen sehr guten Job machen und nächstes Jahr trotzdem nicht mehr hier sein werden. Da habe ich sehr viel Glück, denn ich kann mir meine Zukunft selbst gestalten und dabei werde ich mein Bestes geben, um das Beste für Ferrari zu tun und das geringste Risiko einzugehen.

Sie sind ja schon einmal bei McLaren gefahren 2007. Könnten Sie sich eine Rückkehr dorthin denn überhaupt vorstellen, so lange Ron Dennis noch da ist?

Bei diesem japanischen Fan hat Alonso schon unterschrieben. Bei McLaren, Red Bull oder Lotus auch?

Es gab mit ihnen bisher keine Gespräche, soweit ich weiß. Im Moment sitze ich hier, an einem Rennwochenende mit Ferrari. Da wäre es nicht sehr respektvoll über andere Teams zu sprechen.

Welche Rolle spielt denn ihr Freund Flavio Briatore, der die Gerüchte ja auch eher anheizt?

Das weiß ich nicht. Ich habe seit einigen Tagen nicht mit ihm gesprochen. Ich weiß aber, dass er nicht viel gesagt oder getan hat.

Er hat gesagt, dass Sie gehen werden... und dass Sie die Nase voll von Ferrari haben.

Das weiß ich nicht und wusste ich nicht. Flavio ist ein sehr cleverer Kerl und ich denke auch immer noch, dass er ein guter Mann ist. Ich weiß nicht genau, was er gesagt hat, aber ich werde versuchen, es zu verstehen...

Autoren: Frederik Hackbarth, Bianca Garloff, Ralf Bach

Fotos: Getty Images / BG

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