Verstappen

Formel 1: Verstappen-Doppelinterview

— 22.04.2016

„Max hat es leichter als Mick Schumacher“

Max Verstappen mischt schon in jungen Jahren die Formel 1 auf. Immer mit dabei: Vater Jos, früher selbst F1-Fahrer. ABMS traf beide zum Interview.

Die Herren Verstappen, wer von Ihnen ist der bessere Rennfahrer?

Jos Verstappen: Also wenn ich das sein sollte, ist das kein gutes Zeichen. Ich bin zu 100 Prozent davon überzeugt, dass Max der Bessere ist. Er hat alles im Griff.  Er ist besser vorbereitet als ich es war. Und seine erste Saison war nicht so schlecht wie meine.

Max Verstappen: Das ist natürlich sehr schön zu hören, denn das war auch der Plan (lacht). Die Leistung muss von mir kommen, aber mein Vater hat mir viel geholfen und viel in meine Karriere investiert.

Hätte es Ihnen zu Ihrer aktiven Motorsportzeit geholfen, wenn Sie einen Vater gehabt hätten, wie Sie es jetzt für Max sind?

'Jos the Boss' fuhr in 106 F1-GP zweimal aufs Podium

Jos: Ich glaube schon, dass das geholfen hätte. Ich kam in die Formel 1 und ich wusste eigentlich gar nichts. Ich musste alles selber herausfinden. Mit Max habe ich schon immer viel über Motorsport gesprochen, wir waren viel unterwegs und er wurde immer begleitet. Seine Vorbereitung war einfach viel besser. Natürlich muss er alles selbst erfahren, spüren und fühlen - aber das macht er auch.

Wie alt waren Sie, als Sie anfingen, sich für die Karriere Ihres Vaters zu interessieren? Er war ja damals in Holland eine Art 'Wunderkind'.

Max: Ich glaube, ich war so fünf oder sechs Jahre alt. Da habe ich selbst angefahren Go-Kart zu fahren.

Wie kam es eigentlich dazu?

Max: Ich kannte einen Jungen, der damals drei Jahre alt war und ein Kart hatte. Und ich war schon vier Jahre alt. Ich habe zu meinem Vater gesagt, dass ich auch anfangen möchte Kart zu fahren. Aber er sagte, ich soll warten bis ich sechs Jahre alt bin. Ich habe dann viel geweint und am Ende hat meine Mutter zu meinem Vater gesagt, er muss jetzt ein Go-Kart kaufen.

Sie haben also schon früh gewusst, wie man etwas bekommt und sich durchsetzt?

Max: Ja, genau.

Jos: Das können die Kinder gut. Er wusste ganz genau, wie er etwas bekommt. Und ich wusste, wie viel Zeit man für den Kart-Sport braucht. Mit zwei Jahren hat Max einen Elektro-Jeep bekommen und ist damit rumgefahren. Als er ein bisschen älter wurde, bekam er ein Quad. Wenn er damit zu schnell war, habe ich das Kabel hinten rausgezogen und dann war das Ding abgestellt. Wichtig war, dass er Spaß hatte und er fahren konnte.

Wären Sie enttäuscht gewesen, wenn Max lieber Fußball gespielt hätte?

Seit 2015 fährt Max Verstappen für Toro Rosso

Jos: Ich bin natürlich froh, dass er Rennen fährt. Aber im Endeffekt muss er glücklich sein und das machen, was er am liebsten mag.

Gab es einen entscheidenden Moment, in dem Sie wussten, dass aus Max ein guter Rennfahrer werden kann?

Jos: Ja, als er ungefähr sechs Jahre alt war. Da fuhr er Mini-Kart und hat immer gegen die älteren Kinder im Alter von neun und zehn Jahren gewonnen. Wenn man so jung ist, dauert das normalerweise eine Weile. Da konnte man schon sehen, wie gut Max fährt, wie er sich zum Überholen positioniert. Er war viel weiter, als die anderen Kinder.

Max, wann haben Sie gewusst, dass sie das Zeug zum Formel-1-Fahrer haben?

Max: Das ist schwierig zu sagen. Im Go-Kart konnte ich natürlich sehen, dass ich schnell bin. Aber ein Go-Kart ist kein Formel-Auto. Als ich anfing internationale Rennen zu fahren, hat alles gut funktioniert und ich habe gute Resultate geholt. Mit neun oder zehn Jahren wusste ich, dass ich in die Formel 1 will.

Für viele Kinder ist es ein Traum, Formel-1-Rennfahrer zu werden. Hilft es, diesen Traum zu verwirklichen, wenn der eigene Vater auch Formel 1 gefahren ist?

Max: Ja, ich glaube schon. Ich bin zwar ein Holländer und da ist das (aufgrund der Sponsorensituation; d. Red.) natürlich nicht so ganz einfach, aber am Ende ist das egal. Wenn du schnell bist, geht alles.

Gar kein Druck von außen durch den berühmten Namen?

Max: Ich habe kaum Druck gespürt. Im Gegenteil: Mein Vater hat viel Erfahrung, die mir geholfen hat.

Jos: Die Resultate passten. Wenn die nicht da gewesen wären, dann wäre er immer mit seinem Vater verglichen worden. So war es aber nicht.

Hat es ein Mick Schumacher schwerer - ohne die Unterstützung seines Vaters?

Die Verstappens im Interview mit den ABMS-Reportern

Jos: Wir sind in Frankreich einmal mit Michael und Mick Schumacher im Doppelsitzer-Kart gefahren. Da waren sie so drei, vier Jahre alt. Mick vermisst natürlich seinen Vater, der viel Erfahrung hat. Jetzt unterstützt ihn Peter Kaiser. Ich glaube Mick ist jemand, der mehr Zeit braucht, um gute Resultate einzufahren. Ich habe ihn ein bisschen beobachtet und glaube schon, dass er Autofahren kann. Man muss ihm aber die Zeit geben, die er braucht. Mit dem Namen Schumacher ist es eine andere Situation als mit dem Namen Verstappen. Ich glaube nicht, dass er so gut ist wie Michael - und dann wird es natürlich schwerer.

War Jos ein strenger Vater?

Max: Ja, aber das war gut. Das hat mich hierher gebracht.

Jos: Wenn er gut gefahren ist, war ich auch zufrieden. Aber ich wollte von ihm immer 100 Prozent Einsatz haben. Wenn er das gemacht hat, war das ok.

Jos, wie viel Ratschläge geben Sie Ihrem Sohn heute noch?

Jos: Immer weniger. Er versteht immer mehr, wie Rennsport funktioniert. Und am Ende muss er es so machen, wie er es selber sieht. Er soll keine Kopie von mir werden. Er muss er selbst bleiben und Selbstvertrauen haben. Aber wir sprechen schon darüber. Ob man das als Ratschläge bezeichnen kann, sei mal dahingestellt. Aber wir sprechen über alles.

Also habt ihr auch darüber gesprochen, was in Australien passiert ist, als Max nach einem misslungenen Boxenstopp via Funk erst Stallorder eingefordert hat und sich dann nach einer Berührung mit seinem Teamkollegen drehte?

Harte Schule: Max sagt, Jos war ein strenger Vater

Jos: Ja, natürlich. Das gehört dazu. Manchmal läuft es gut, manchmal nicht so. Aber wenn man lernt, warum es nicht gut läuft, hat es auch etwas gebracht. In Australien war ich nicht so stolz auf ihn, aber normalerweise bin ich es. Ich habe ihn zwar verstanden, was da vorgeht in einem, wenn man im Auto sitzt und es so läuft. Aber im Endeffekt hat er viel gelernt daraus.

Nehmen Sie dann die Ratschläge auch an?

Max: Am Ende ist es natürlich immer gut, wenn man jemanden wie meinen Vater dabei hat. Das hilft schon und deswegen höre ich auch immer zu.

Würde es Sie reizen, einen Formel-1-Wagen von heute zu fahren?

Jos: Ich bin zufrieden, dass Max fährt. Für mich ist das spannender. Ich glaube schon, dass ich noch um den Kurs kommen würde, aber nicht so schnell wie er.

Max: Ich würde schon gerne mal in den Autos fahren, die er gefahren ist.

Es wird immer wieder darüber diskutiert, dass die Formel 1 nicht mehr so schnell und spannend ist wie früher. Jos, Sie sind damals gefahren, Max, Sie fahren heute. Sehen Sie das auch so?

Max: Es war doch immer so, dass ein Team dominiert hat. Ferrari hat dominiert, Red Bull hat dominiert und Mercedes dominiert jetzt.

Jos: Die Technik geht immer weiter. Die Rennen sind nicht schlecht - nur Mercedes ist gerade sehr schnell. Aber so ist das oft in der Formel 1 gewesen. So schlecht ist die Formel 1 heute also nicht. Aber die Fans vermissen den Lärm.

Hätten Sie auch gerne mehr Lärm?

Sitzt Max bald im Red Bull, wie hier beim Showrun?

Max: Von außen ja, aber wenn du im Auto sitzt, dann ist so, wie es jetzt ist, besser.

Jos: Wenn früher ein Formel-1-Auto an einem vorbei gefahren ist, stellten sich die Haare an den Armen auf. Das ist heute nicht mehr so.

Glauben Sie daran, dass Max eines Tages Weltmeister wird?

Jos: Ja. Ich weiß, wie gut er ist. Max hat das Zeug zum Weltmeister. Wenn er zum richtigen Zeitpunkt im richtigen Auto sitzt, dann wird er das machen.

Dann muss er aber bis 2020 zu Mercedes wechseln...

Jos: Natürlich reden wir über die Zukunft. Wir müssen schauen, was möglich ist. Dr. Helmut Marko will Max nicht gehen lassen, das würde ich auch nicht machen. Ich bin gespannt, was nächstes Jahr sein wird. Aber wir sind zufrieden, wo wir sind. Hier kann er noch viel lernen für seine Karriere.

Haben Sie manchmal Angst um Max?

Jos: Natürlich, habe ich das. Wenn du selber fährst, dann denkst du nicht an die Gefahr. Aber als Vater, wenn dein Junge mitfährt, dann hofft man, dass nichts passiert. Das ist das Allerwichtigste. Ob er Rennen gewinnt oder nicht, ob er Weltmeister wird oder nicht; das Wichtigste ist, dass nichts passiert.

Autoren: Bianca Garloff, Ralf Bach

Fotos: xpb / J. Andre - motorsportpics.de / Getty Images / Picture-Alliance

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