Sebastian Vettel: Sein Leben in Bildern

Sebastian Vettel Sebastian Vettel Sebastian Vettel

Formel 1: Vettel im Exklusivinterview

— 20.11.2014

Das Herz hat den Ausschlag gegeben!

Im Exklusivinterview mit AUTO BILD MOTORSPORT spricht Sebastian Vettel erstmals über seinen Wechsel zu Ferrari und die Beweggründe dahinter.

Herr Vettel, jetzt fahren Sie in dem Auto, das als Poster in ihrem Kinderzimmer an der Wand hing. Ist der Wechsel nur die Erfüllung eines Traums oder steckt mehr dahinter?

Sebastian Vettel: Ja, es stimmt. Ein Kindheitstraum geht für mich in Erfüllung. Es gibt wenige Menschen, die sich ihren Traum von damals erfüllen können. Der Reiz war also schon immer da – in Verbindung mit Michael Schumacher in seinem roten Auto. Als kleiner Junge habe ich ihn einmal beim Test in Fiorano gesehen. Da war sein Ferrari noch nicht lackiert, also schwarz! Es war damals Tradition von uns, im Winter nach Italien zu fahren, um in der Wärme zu trainieren. Da haben wir uns auch nicht die Gelegenheit nehmen lassen einmal in Maranello vorbeizufahren. Ich saß auf den Schultern meines Vaters, um einen Blick zu erhaschen und man konnte das Heulen des V10-Motors hören. Im Jahr 2000 saß ich dann erstmals auf der Tribüne an der Start-Ziel-Gerade in Hockenheim. Michaels Rennen war in der ersten Kurve direkt zu Ende. Trotzdem war es etwas ganz Besonderes, erstmals alle Autos am Start zu sehen. Unheimlich! Ferrari hat für mich eine große Faszination.
Offiziell bestätigt: Vettel wechselt 2015 zu Ferrari

Was verbinden Sie speziell mit der Marke Ferrari?

Erst einmal das ganze Land Italien. Denn für die Italiener ist Ferrari eine Herzensangelegenheit. Dann natürlich das, was Michael nach fünf Jahren harter Arbeit am Anfang dort erreicht hat. Den Leidensweg vor dem ersten WM-Titel habe ich noch im Kopf. Ansonsten den Mythos und die Geschichte rund um Enzo Ferrari.

Haben Sie als Fan Ferrari-Artikel gekauft?

Ja, ich habe mir damals in Maranello einen Team-Truck als Modellauto gekauft. Außerdem habe ich noch ein paar Modellautos von Michael.

Also hat der Wechsel zu Ferrari hauptsächlich romantische Gründe?

Auf den Spuren seines Kindheitsidols: Vettel (re.) neben Michael Schumacher (li.), der fünf Ferrari-Titel holte

Nein, es ist keine Entscheidung, die ich quasi über Nacht getroffen habe. Das war eher ein Prozess und ein großer Schritt für mich. Nüchtern betrachtet fühlt es sich aber auch so an, als sei dies jetzt der richtige Zeitpunkt, ein neues Kapitel in meiner Karriere aufzuschlagen. Aber es war nicht einfach. Gerade eben weil mich so viel mit Red Bull verbindet. So viel Positives. Da einen Strich zu ziehen, war sehr schwer, zumal ich auch ein sehr gutes Verhältnis habe zu dem ganzen Team. Aber der Reiz Ferrari zu fahren war größer. Irgendwann wurde die innere Stimme immer größer, die nach einem Tapetenwechsel verlangt. Man macht sich darüber dann seine Gedanken, schreibt viel auf. Es gibt dann Punkte dafür und dagegen. Letzten Endes haben das Herz und der Bauch den Ausschlag gegeben. Ich hoffe, dass mich mein Gefühl da nicht täuscht. Mein Ziel ist, mit Ferrari ganz nach vorne zu kommen!

Hört sich so einfach ein. Die Realität aber ist: Ferrari liegt am Boden. Der letzte Sieg ist über ein Jahr her, den letzten Titel gab es 2007. Es scheint, dass Ihre Aufgabe alles andere als einfach wird...

... die Herausforderung ist riesig! Wegen Mercedes. Die sind ganz weit vorne. Das heißt, für alle, nicht nur für Ferrari, ist es eine Mammutaufgabe Mercedes einzuholen. Ich glaube aber, die Vorzeichen stehen gut. Der Wille ist da und ganz Italien sehnt sich schließlich nach dem Erfolg. Das Ziel also ist ganz klar: an die Spitze zurückkommen und dem Team helfen, wieder erfolgreich zu sein.

Ferrari größter Rückstand liegt im Motorenbereich. Bereitet Ihnen das Sorgen?

Nein. Die Referenz ist Mercedes. Alle anderen, also Renault und Ferrari haben die Regeln im ersten Moment verschlafen. Aber ich glaube, man weiß, wo die Schwächen liegen, und versucht nun diese zu beheben. Schumacher hat fünf Jahre gebraucht, um Weltmeister zu werden. In welchem Zeitraum denken Sie?

2015 fährt Vettel (vorne) nicht mehr gegen das rote Ferrari-Auto, sondern sitzt selbst darin...

Die Ferrari-Fangemeinde ist die größte in der Formel 1. Am Anfang möchte ich einfach beweisen, dass es der richtige Schritt war – fürs Team und für mich. Das wird eine gewisse Zeit dauern. Ich erwarte also nicht, dass die Leute von Anfang an Feuer und Flamme sind. So etwas muss man sich erarbeiten. Das ist das Ziel. Umso schöner ist es dann, wenn man die Liebe irgendwann auch gezeigt bekommt. Die Aufgabe ist sehr groß, aber ich schaue einfach nach vorne. Wichtig ist: Ich freue mich auf die neue Aufgabe zusammen mit dem Team in einem neuen Umfeld. Wir werden alle versuchen etwas Tolles zu schaffen, wovon wir hoffentlich lange zehren können.

Bei Ferrari ist der Druck noch mal größer. Wie werden Sie damit umgehen?

Ich weiß das noch nicht, werde es dann aber nächstes Jahr erfahren. Aber eigentlich hat man immer Druck, wenn man um die WM fährt. Das ist ganz normal. Ich hoffe, dass wir viel Druck haben werden. Das würde nämlich bedeuten, dass wir mit vorne dabei sind. Trotzdem sollte die Freude immer überwiegen.

Haben Sie mit Michael Schumacher früher mal über einen möglichen Wechsel zu Ferrari gesprochen?

Ganz früher nicht. In den letzten Jahren haben wir natürlich auch darüber gesprochen. Er kennt ja das Team wie kein anderer. Konkret geworden sind wir aber nicht. Leider ist es im Moment ja auch so, dass ich meine Begeisterung und Freude nicht mit ihm teilen kann. Aber ich wünsche mir natürlich, dass es ihm bald wieder besser geht – und dass ich ihm die Nachricht dann auch persönlich überbringen kann.

Einen halben Ferrari-Sieg haben Sie ja schon. Stichwort Monza 2008...

Bei der Scuderia in Maranello trifft Vettel (re.) auf Kimi Räikkönen (li.) - den Finnen schätzt er sehr

... mein Toro Rosso hatte bei meinem ersten Sieg einen Ferrari-Motor und war damit ein halber Ferrari! Und ich wünsche mir natürlich, dass ich bald auch ein echter Ferrari-Sieger bin. Aber es stimmt: Ich konnte schon mal ein bisschen Ferrari-Luft schnuppern in Monza. In den Jahren danach, als ich im Red Bull siegte, war die Begeisterung deutlich anders. Aber das kann sich in Zukunft ja nur bessern. Und es wäre das Highlight schlechthin, wenn man es schafft auf der Hausstrecke erfolgreich zu sein.

Lernen Sie schon italienisch?

Ein paar Brocken kenne ich noch von Toro Rosso. Aber ich lerne grundsätzlich schnell zu verstehen, sprechen ist dann noch etwas schwieriger. Ihr Teamkollege wird Ihr Freund Kimi Räikkönen. War das auch ein Pluspunkt für Ferrari?

Er ist deshalb ein Pluspunkt, weil er sehr neutral ist. Und egal in welcher Situation wir uns wiederfinden, erwarte ich mit ihm keine Schwierigkeiten. Er ist sehr fair, sehr offen, sehr direkt. Wenn ihn etwas stört, dann sagt er das. Das hilft der Atmosphäre im Team.

Mehr zu Sebastian Vettels Wechsel zu Ferrari erfahren Sie im Video unten:

Autoren: Ralf Bach, Bianca Garloff

Fotos: Picture-Alliance

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