Die besten Bilder aus Hockenheim

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Formel 1: Vettel im Interview

— 30.07.2016

"Ich bin ein Kämpfer!"

Sebastian Vettel spricht im Interview mit AUTO BILD MOTORSPORT über seine Ziele beim Heimrennen und die Erwartungshaltung bei Ferrari.

Herr Vettel, am Sonntag findet in Hockenheim der Große Preis von Deutschland statt. 2015 fiel er aus, weil sich der Veranstalter am Nürburgring den rasenden Zirkus nicht mehr leisten konnten. Wie wichtig ist das Rennen für Sie?

Sebastian Vettel: Extrem wichtig. Der Deutschland GP ist einer der Klassiker, den wir nie vom Kalender streichen sollten. An Hockenheim habe ich zudem extrem positive Erinnerungen. Er findet quasi vor der Haustür meiner Heimatstadt Heppenheim statt. Das Motodrom ist einzigartig. Es vermittelt die Atmosphäre eines Fußballstadions. Ich würde mir wünschen, dass das Rennen ausverkauft ist.

Wird es aber kaum sein: Warum ist die Formel 1 für viele nicht mehr so interessant und warum gibt es die Bilder von leeren Tribünen weltweit?

Vettel freut sich auf sein Heimrennen in Hockenheim

Die Tickets sind zu teuer, das haben wir Fahrer den Veranstaltern und Promotern auch schon mal klar mitgeteilt. Aber es fehlt wohl auch im Moment das Spektakuläre in unserem Sport. Ich hatte mal dazu ein Gespräch mit der Legende Stirling Moss. Der sagte mir, warum er Rennfahrer wurde. Weil es so gefährlich ist. Sonst könnte es ja jeder machen! Die Zutaten für Leidenschaft, Geschwindigkeit, Gefahr und Sound sind ziemlich wichtig. Gleichzeitig müssen wir den Sport sicherer machen. Wir können unsere Augen nicht schließen, bis irgendetwas Schlimmes passiert.

In den vergangenen Jahren haben wir reagiert und machen es immer noch. Der Sport muss aber in gewisser Weise gefährlich bleiben, denn das ist für die Leute anziehend.  Wenn man diese Zutat verliert, dann fühlen die Leute nicht mehr, dass es etwas außerhalb ihrer Welt ist, und das macht es weniger aufregend. Im kommenden Jahr wird zum Glück ein Schritt gemacht, der uns Fahrern wieder mehr Freude bringt. Durch die neuen Aerodynamik-Regeln werden die Autos viel schneller werden, was von uns Fahrern natürlich begrüßt wird.

Kommen wir zu was anderem: Sie reagierten extrem dünnhäutig in letzter Zeit, wenn Sie auf die Leistungen von Ferrari in dieser Saison angesprochen worden sind...

Teamchef Maurizio Arrivabene und Vettel haben Druck

Sehe ich nicht so. Ich habe nur gesagt, man soll die Kirche im Dorf lassen und schauen, wo unsere Leistungskurve wirklich hingeht. Wo stand denn Ferrari Ende 2014? Weiter weg von der Spitze als jetzt. Das ist zum Beispiel eine Hausnummer, nach der man schauen musste. Die Welt heute ist schnelllebig, da zählen oft nur reine Ergebnisse. Akzeptiere ich. Ich weiß auch, dass es in dieser Saison schwierig wird, Mercedes zu besiegen. Aber Fakt ist, dass wir von den Rundenzeiten näher dran sind als im Durchschnitt 2015.  Das heißt, es geht in die richtige Richtung.

Klar haben wir 2015 drei Rennen gewonnen und dieses Jahr noch keins. Aber trotzdem haben wir aufgeholt. Wir haben es nur in diesem Jahr nicht so oft geschafft, das Potential, das da ist, immer abzurufen. Deshalb können Ergebnisse manchmal die Realität verwischen. Ich bin ein Kämpfer und man muss mir glauben, dass ich voll zu Ferrari stehe. Der Weg ist das Ziel und ich liebe den Weg, den wir gerade gehen. Aufgeben, das gibt es nicht.

Es gibt aber Leute, die behaupten, ihre Stimmung wäre schlecht. Das würde man immer während des Rennens über Funk hören, wo sie als Motzki Nummer 1 gelten. Besonders Piloten, die beim Überrunden nicht schnell genug Platz machen, kriegen immer wieder ihr Fett ab.

Vettel hat weiterhin viel Vertrauen in sein Team

Ja, manchmal tut mir das auch leid. Aber man muss das so sehen: Im Rennen steht man voll unter Spannung, unter Adrenalin. Da sagt man manchmal Sachen, die einem später vielleicht leid tun. Ein Fußballspieler, der direkt nach dem Spiel interviewt wird, sagt ja auch Sachen, die er vier Stunden später vielleicht anders formulieren würde. Aber ich denke, die Fans haben das Recht, die spontane Gefühlslage eines Piloten zu bekommen. Natürlich respektiere ich alle meine Kollegen, aber auf dem Platz gibt es halt manchmal Emotionen. Und eigentlich ist das auch gut so. Ich bin halt ein Kämpfer, der nie aufgibt. Meine spontanen Gefühlsausbrüche während eines Rennens sind ein Teil davon.

Glauben Sie immer noch an den Erfolg mit Ferrari?

Ja, ja und Ja! Sonst könnte ich gleich den Helm an den Nagel hängen. Der Spirit im Team ist einzigartig, da arbeitet jeder für jeden. Im Fußball würde man sagen: Jeder läuft für den anderen. Aufzuholen, dann die anderen zu überholen – das ist doch die Motivation und die ist bei mir ausgeprägter denn je. Ich bin ein Kämpfer, der immer das Maximum will. Am Ende des Tages sind das Siege und der Titel, klar. Aber wenn es im Moment nicht möglich ist, um Siege zu fahren, dann ist das realistische Maximum das Ziel. Ich genieße den Kampf auf der Strecke mit unserem tollen Team im Moment jedenfalls total. Geht es um den Sieg, kämpfe ich um den Sieg. Geht es um das Podium, geht es halt darum. Geht es um den fünften Platz, dann versuche ich halt den zu erreichen. Das ist der Antrieb und wird es auch immer sein.

Das klingt sehr romantisch...

Zur Entspannung vorm Heim-GP spielte Vettel Fußball

Das hat mit Romantik nichts zu tun. Sondern mit Realität. Ich weiß, wo wir uns verbessern müssen und zwar mehr als die anderen. Das versuchen wir, auch mit Blick auf die Zukunft. Ich glaube wirklich fest daran.

Sieht das Ihr Präsident Sergio Marchionne genauso? Der forderte schon Siege am Anfang dieser Saison.

Es ist doch gut, dass ein Präsident so leidenschaftlich hinter der Sache steht. Druck machen wir uns selber genug, deshalb ist es egal, ob da von außen noch was kommt. Nochmal: Wir sind ein Team und werden es auch bleiben. Ich jedenfalls kann mich zu hundertprozentig mit allem identifizieren, was wir machen.

Letzte Frage: Was sind Ihre Ziele für den Heim-GP?

Das Maximum herausholen. Sind wir siegfähig, wollen wir gewinnen. Ich glaube, ein Podiumsplatz müsste auf jeden Fall machbar sein. Und dann müssen wir auf dem aufbauen.

Autoren: Ralf Bach, Bianca Garloff

Fotos: Picutre-Alliance

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