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Formel 1: Vettel mit Reifen-Vorteil

— 23.10.2016

So fleißig testet er

Sebastian Vettel beendete das Qualifying in Austin nur als Sechster. Trotzdem hatte der Deutsche anschließend gute Laune. ABMS kennt die Gründe dafür.

"Du bist entspannt wie nie, extrem gut gelaunt, und verbreitest überall Optimismus und gute Stimmung. Wie machst Du das?" Das war die Frage, die ich Sebastian Vettel nach dem Qualifying in Austin am Samstag stellte. "Ja warum denn nicht?", stellte er lächelnd die Gegenfrage: "Schlechte Laune macht einen nicht besser."
So lief der Samstag in Austin: Ferrari nur dritte Kraft

Ferrari hatte am Samstag in den USA keine gute Form

Allein: Vettel strahlt ganz bewusst die Sonnenscheinstimmung aus, damit die Ferrari-Leute motiviert bleiben. Denn das Ergebnis vom Qualifying selbst konnte kaum zu guter Laune beitragen. Vettel konnte sich kurz zuvor nur als Sechster qualifizieren, wurde im letzten Moment noch von Teamkollege Kimi Räikkönen geschlagen, der Fünfter wurde. Das ganze Ferrari-Team hat gegenüber dem letzten Rennen in Suzuka wieder an Zeit verloren. Besonders gegenüber Red Bull und Mercedes.

"Ja, der Abstand war größer als ich dachte", gab Vettel zu, "aber das Auto war auch nicht so gut wie noch in Japan. Das Problem kam aber nicht aus einem Bereich des Autos, sondern ist die Summe aus vielem. Dennoch denke ich, dass wir beim Rennen morgen näher dran sein werden."

Vettel wurde im Qualifying von Räikkönen geschlagen

Auch die allgemeine Stimmung bei der Scuderia sorgt nicht für Lächeln in den Gesichtern. Besonders von außen wird immer wieder Druck auf die Teamführung gemacht und für Unruhe gesorgt. Jüngstes Beispiel war ein Interview des ehemaligen Technikers Luca Baldisseri, der ein "Terror-Klima" im Rennstall festgestellt haben will. Teamchef Maurizio Arrivabene sagte offiziell nur dazu: "Ferrari ist in Italien wie die Fußball-Nationalmannschaft." Der Rennleiter: "Druck ist normal und Spannungen sind normal, auch Kritik gehört dazu. Damit muss man leben."

Intern nahm man die Aussagen des Ingenieurs nicht so ernst. Weil, so behaupten Ferrari Insider, Baldisseri diese Aussagen auf Bitte von Ex-Präsident Luca di Montezemolo gemacht hätte. Als Art Racheakt des von Fiat-Chef Sergio Marchionne gefeuerten Landadeligen. Hintergrund: Baldisseri und di Montezemolo sollen sich immer noch sehr nahe stehen.
Alle Ergebnisse hier im Überblick: Das Qualifying in Austin

Das alles weiß auch Vettel. Aber er strahlt nicht nur aus Motivationsgründen die gute Laune aus, sondern er hat eine realistische Chance erkannt, mit Ferrari 2017 wieder zurück auf die Siegerstrasse zu kommen. Sein Optimismus hat mit den Pirelli-Reifen zu tun, die nächstes Jahr breiter werden und von den neuen Autos andere Fahreigenschaften verlangen. Schon zu Zeiten von Michael Schumacher war eines der Erfolgsgeheimnisse, dass die Ferraris damals nicht nur optimal mit den Bridgestone-Reifen harmonierten. Mehr noch: Bridgestone baute die Reifen nach Ferrari-Wunsch.

Für jeden Spaß zu haben: Sebastian Vettel in Austin

Genau das versucht Vettel jetzt mit Pirelli auch zu tun. Keiner fährt mehr Reifentests für die Italiener, keiner gibt den Pirelli-Entwicklern mehr Input als der Deutsche. Zum Vergleich: Während Vettel schon 1100 Test-Kilometer für Pirelli abspulte, kommt WM-Spitzenreiter Nico Rosberg im Mercedes erst auf ca. 300 Kilometer. Für Insider wie Ex-Ferrari-Pilot Stefan Johansson könnte das der Schlüssel zum Sieg sein: "Er wird definitv einen Vorteil haben. Wenn Vettel sich einen Reifen herausfährt, der optimal zu seinem Fahrstil passt, kann er am Limit viel schneller reagieren. Und er kann von Anfang an voll attackieren."

"Sebastian war schon immer so", weiß sein ehemaliger Chef bei Red Bull Helmut Marko. "Wenn er ein Mittel gefunden hat, sich einen Vorteil zu verschaffen, tut er alles dafür. Auch deshalb ist er ein viermaliger Weltmeister."

Die gute Laune ist also nicht nur gespielt. Deshalb gibt er auch weiter auf und neben der Strecke Vollgas. Ein Beispiel: Unter VIPrize.org/Vettel können Fans für einen guten Zweck einen Tag mit dem Ferrari-Star gewinnen.

Autor: Ralf Bach

Fotos: Picture-Alliance

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