200. GP für Nico Rosberg

Formel 1: Vettel oder Wehrlein

Wer ist der Richtige für Mercedes?

Mercedes sucht den Nachfolger für Weltmeister Nico Rosberg. Unsere Reporter streiten sich in Gas und Bremse, ob Vettel oder Wehrlein die Lösung ist.

Gas: Mercedes muss Vettel nehmen! (ABMS-Reporter Michael Zeitler)

Das begehrteste aller Formel-1-Cockpits ist plötzlich freigeworden. Jetzt, Anfang Dezember, als die meisten Würfel auf dem Transfermarkt schon gefallen sind. Trotzdem werden einige Fahrer mit der Nachfolge Nico Rosbergs in Verbindung gebracht. Die wahrscheinlichste und auch naheliegendste Variante ist Mercedes-Junior Pascal Wehrlein. Wäre ich allerdings der Boss bei Mercedes – ich würde Sebastian Vettel verpflichten.
Lewis Hamilton und Sebastian Vettel; das wäre eine der legendärsten Fahrerpaarungen aller Zeiten! Zwei Platzhirsche in einem Team – das würde nicht gut gehen. Hamilton und Vettel würden  sich in die Kiste fahren. Und wahrscheinlich auch den WM-Titel verlieren. Mit den neuen Aerodynamik-Regeln 2017 nämlich dürfte Red Bull zu einem ernsten Herausforderer werden.
Mit Hamilton und Vettel würde Mercedes also die WM verlieren. Aber: Die Marke mit dem Stern würde gleichzeitig Geschichte schreiben. Wie oft werden heute Wiederholungen des beeindruckenden Kampfes zwischen Ayrton Senna und Alain Prost gezeigt? Wie oft ist dabei die Marke Honda zu sehen, die damals groß auf den McLaren-Rennwagen von Senna und Prost prangte? Das ist Werbung für die Ewigkeit.
Was ist da im Gegenzug ein vierter Titel in Folge Wert? Man war Weltmeister, man ist Weltmeister. Was ist, wenn man wieder Weltmeister wird? Im schlimmsten Fall dominiert Mercedes auch 2017 erneut. Wenn sich dann nicht wenigstens die Fahrer einen so eindrucksvollen Kampf liefern wie Hamilton und Rosberg 2014 und 2016, dann wird Mercedes stattdessen wieder ausgebuht – weil sie die Formel 1 langweilig machen.
Leider habe ich die Befürchtung, dass Mercedes anders denken wird. Das Mega-Duell zwischen Hamilton und Rosberg hat den Weltmeister in die Formel-1-Rente getrieben und bei Mercedes-Sportchef Toto Wolff vereinzelt für graue Haare gesorgt. Das wird er sich angesichts bestimmt nicht noch einmal antun.

Bremse: Auch Wehrlein hat Champions-Gene (Bianca Garloff, ABMS-Redaktionsleiterin)

Vettel und Wehrlein werden als heißeste Kandidaten gehandelt

Vettel an der Seite von Hamilton bei Mercedes? Ein reizvoller Gedanke, klar. Aber wer sagt denn, dass Vettel überhaupt will? Ich saß im Mai neben ihm auf einer Tribüne an der Ferrari-Haus-und-Hofstrecke in Fiorano, da sagte er mir: „Wenn ich wechseln würde, müsste ich mir ja eingestehen, dass ich es mit Ferrari nicht geschafft habe.“ Und das will Vettel nicht. Der ist genauso Kämpfer wie Nico Rosberg. Überhaupt: Den Heppenheimer aus seinem bestehenden Kontrakt loszueisen wäre viel zu kompliziert. Außerdem will Mercedes es sich mit Ferrari bestimmt nicht verscherzen.
Davon mal abgesehen, besteht für Toto Wolff überhaupt keine Notwendigkeit in die Ferne zu schweifen. Mit Pascal Wehrlein hat er eines der vielversprechensten Formel-1-Talente in den eigenen Reihen. Wehrlein hat alles, was Mercedes braucht: einen Mega-Ehrgeiz, fahrerisches Können, keine Angst vor Hamilton, Kenntnis des Teams – und er ist wie Vettel Deutscher. Mehr noch: Er ist Schwabe! Stellen Sie sich vor, was es bedeutet, wenn der Formel-1-Pilot ans Band nach Sindelfingen kommt und mit der Belegschaft schwäbisch spricht!?
Wenn Mercedes jetzt nicht Wehrlein nimmt, macht das ganze Juniorprogramm keinen Sinn. Wehrlein ist DTM-Meister. Er hat ein Jahr Ausbildung im kleinen Manor-Team hinter sich. Wenn man da nicht mental reift, lernt mit Niederlagen umzugehen und ein Auto zu verbessern – wo denn bitte dann? Ich bin sicher, die Mercedes-Ingenieure haben sich längst für Wehrlein ausgesprochen. Denn mit mehr als 2600 Kilometern bei den Pirelli-Reifentests für 2017 hat er auch mehr Erfahrung mit den neuen, dicken Walzen als jeder andere Fahrer.
Wehrlein hat jetzt schon alles, was man zum Champion braucht. Und wer sagt denn, dass das Duell Wehrlein-Hamilton nicht auch episch wird? Wehrlein ähnelt in seiner Herangehensweise an den Motorsport nämlich viel mehr Hamilton, als das Rosberg je tat. Der wird sich nicht vom Altmeister verprügeln wollen und dürfte sich jetzt schon den Plan zurechtlegen, wie er den vierten Hamilton-Titel verhindern kann. Das hat ein Neuling ja schon mal geschafft. 2007 war es Hamilton selbst, der Fernando Alonso bei McLaren in die Verzweiflung trieb. Ich freue mich schon auf die neue Saison!
In der Bildergalerie können Sie sich noch einmal durch Nico Rosbergs besten Rennen in der Formel 1 klicken.

200. GP für Nico Rosberg

Autoren: Michael Zeitler, Bianca Garloff

Fotos: Picture-alliance

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