Formel 1

Formel 1: Vettel rechnet mit F1 ab

— 11.04.2016

"Peinlich und nervt"

Ferrari-Star Sebastian Vettel holt einmal mehr zum Rundumschlag gegen die Formel 1 aus. Er will mehr Kontinuität und Tradition in der Königsklasse.

Sebastian Vettel geht in die Offensive. Auch eine Woche nachdem das neue, undurchsichtige Qualifyingformat wieder abgeschafft wurde, geht der Vorsitzende der Fahrervereinigung GPDA mit seinem Sport hart ins Gericht.
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"Die Entwicklung der Formel 1 macht mir Sorgen", sagt Vettel im Interview mit der WELT am SONNTAG. Dabei kritisiert der Heppenheimer nach wie vor auch die Hybridmotoren.

Vettel ist frustriert von den Querelen um die Formel 1

Vettel: "Die Regeln sind, ich sag mal, sehr futuristisch. Der komplette Antriebsstrang ist sehr, sehr komplex. Komplex heißt, es ist für viele schlaue Köpfe schwer, den Motor ans Laufen zu bringen. Das kostet sehr viel Geld. Die Autos sind deutlich effizienter geworden, was den Verbrauch angeht. Ob das aber ein modernes Argument ist, das die Zuschauer begeistert oder gar die Fahrer, bezweifele ich." Der Ferrari-Star outet sich nicht zum ersten Mal als Traditionalist. "Ich bin eher ein Petrolhead, alteingesessen und beharre auf meiner Tradition."

Und er glaubt, dass auch die Mehrheit der Formel-1-Fans denkt wie er. "Ein Turbomotor hört sich anders an als ein Saugmotor“, philosophiert der Heppenheimer. "Für uns Fahrer gibt's nix größeres, als wenn das Auto so schnell ist, wie es geht, so laut ist, wie es geht. Und uns an unsere Grenzen bringt. Objektiv gesehen, gibt es Dinge, die der Zuschauer haben möchte. Er möchte, dass es laut ist, er möchte, dass überholt wird, er möchte, dass die Rennen spannend sind." Sehen, wie die Fahrer sich gegenseitig beim Spritsparen übertreffen, das aber will kein Fan – glaubt Vettel.

Der Sport steht in der F1 nicht mehr im Vordergrund

"Seitdem ich dabei bin, seit 2007/2008 hat man sehr viel unternommen, um das Ganze aufzuwerten", räumt er ein. "Mit manchem ist das gelungen, mit manchem nicht. Manches ist eher künstlich gemacht und das mag der Zuschauer auch nicht. Die Autos sind sparsamer, okay, aber ist das attraktiv, wenn ein Rennfahrer, der dafür gebaut ist oder gemacht ist, ein Auto so schnell wie möglich zu bewegen, am Ende der Geraden vom Gas gehen muss, damit der mit seinem Sprit im Auto hinkommt und die Zielflagge sieht? Eigentlich nicht." Vettel poltert: "Ich bin da eher klassisch und konservativ. Zu viel Futurismus nervt."

Und auch zu viel Geheimnistuerei. Vettel: "Die Undurchsichtigkeit aufgrund des Reglements verhindert die Identifikation. Die Teams sind mit Schuld, weil sie alles zunageln im Vergleich zu früher. Das ist logisch, weil so viel Entwicklungsarbeit und Gedankengut in jedes erfolgreiche Auto geflossen sind, dass man das auch schützen will. Damit wird die Technik abstrakt und unsichtbar, das ist selbst für Technikaffine problematisch."

Vettels Meinung über die aktuelle Lage ist nicht positiv

Und so dicht ran, dass sie die Zukunftsgewandheit der Königsklasse überhaupt greifen können, kommen nur die wenigsten Fans. "Der Zuschauer, der das Glück hat, an die Rennstrecke zu kommen und in die Garage zu gehen, der sagt, Wahnsinn", weiß Vettel. "Das gibt es ja gar nicht. Das ist ja wie Raketenwissenschaft. Auch der modernste Supersportwagen ist ein Trabbi dagegen. Aber braucht es diese Raketentechnik? Braucht es das für gesunden Rennsport? Meiner Ansicht nach nicht. Es geht auch viel einfacher, viel billiger, und damit würde es allen unterm Strich vielleicht besser gehen."

Damit nicht genug. Vettel teilt weiter aus in Richtung Chefvermarkter Ecclestone und FIA-Präsident Todt. "Wir müssen einfach aufpassen, dass die Formel 1 nicht ihr Gesicht verliert. Drei Wochen vor Saisonstart das Qualifying-Format zu ändern, ist Quark. Das ist unterm Strich einfach peinlich. Wenn man beim Fußball ständig das Tor vergrößern oder verkleinern würde, das Feld größer oder länger – das ginge doch auch nicht."

Autor: Bianca Garloff

Fotos: Picture-Alliance

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