Formel 1: Die besten Bilder vom China GP

Formel 1: Vettel stellt Ferrari auf Pole

Mercedes extrem unter Druck

Sebastian Vettel auf Siegkurs: Warum es für Mercedes aktuell so schwer ist, mit Ferrari mitzuhalten. Das China-Qualifying in der großen Analyse.
Wenn es läuft, dann läuft es. Zwei Rennsiege für Sebastian Vettel in zwei Rennen, zwei Pole-Positions in drei Qualifyings. Auch beim China GP (Rennstart 8:10 Uhr/RTL) ist der deutsche Formel-1-Superstar mit seinem Ferrari auf Sieg- und damit auch auf WM-Kurs. Wichtiger aber ist noch: Der Trend, der konstant von den Testfahrten in Barcelona über den Saisonauftakt in Melbourne nach oben zeigt.
So lief das Qualifying: Vettel-Pole in letzter Sekunde

Mercedes verblasen: Vettel packt den Finger aus

Der Plan von Ferrari-Technikchef Mattia Binotto scheint voll aufzugehen. Der in der Schweiz geborene Italiener hatte ABMS seinen Masterplan schon in Australien erklärt. Der neue Ferrari sei ein völlig neues Auto, das Vettel und das Team erst noch richtig kennenlernen müssen. Erst im vierten Rennen in Baku, so die Prognose des Ferraris-Technikers, der selbst im hektischsten Treiben noch Ruhe ausstrahlt wie ein Fels in der stürmischen Brandung, könne der SF 71H sein ganzes Potential zeigen.
Allein: Jetzt in China scheint das Paket aus Fahrer und Auto schon fast perfekt geschnürt. In der letzten Runde war Vettel in Shanghai schneller als sein Teamkollege Kimi Räikkönen - eben genau dann, wenn es zählt.
Im Moment erleben wir den besten Vettel aller Zeiten mit dem vermutlich besten Ferrari seit den Zeiten, als Michael Schumacher dominierte. Ex-Weltmeister Nico Rosberg war fast fassungslos vor Ehrfurcht. Der Ex-Teamkollege vom scheinbar unverwundbaren Lewis Hamilton: "Es ist unglaublich, welche mentale Stärke Sebastian hat. Das nervt Kimi. Ich weiß, wovon ich rede. Mercedes hat keine Chance im Moment."

Mercedes setzt, wie hier am Heckflügel, voll auf Abtrieb

Was macht Ferrari aber so stark und führt dazu, dass Mercedes selbst auf ihrer Paradestrecke in China im Moment hinterherfährt? Das fängt beim Auto an. Mercedes hat ein Auto gebaut, das ganz auf Abtrieb gebaut ist - besonders auf der Hinterachse. Mercedes hat ganz auf seinen Motorvorteil gebaut und deshalb dieses Konzept gewählt. Soll heißen: Auch mit viel Abtrieb und dementsprechend größeren Luftwiderstand auf der Geraden glaubten die Techniker in Brackley das schnellste Paket zu haben.
Technik unter der Lupe: Deshalb ist Ferrari so schnell
Das Motto: Die Schnellsten in den Kurven und schnell genug auf den Geraden. Die Weltmeister der vergangenen vier Jahre haben die Rechnung ohne Pirelli und Ferrari gemacht. Grund: Der Mercedes produziert so viel Abtrieb auf der Hinterachse, dass er nur mit den drei härtesten Mischungen von Pirelli ohne Probleme klarkommt.
Ab den Supersofts ist jede schnelle Runde ein Kompromiss. Beispiel China: Fuhren Hamilton und Bottas mit den Ultrasofts gleich die ersten Kurven am Limit, verloren sie viel Zeit im letzten Sektor, weil die Hinterreifen überhitzten. Teilten sie sich die Runde ein, verloren sie zu viel Zeit am Anfang der Runde. Ferrari ist flexibler bei der Abstimmung, kann durch verschiedene Flügeleinstellungen auf die jeweiligen Streckencharakteristiken reagieren.

Ferrari-Star Vettel hat derzeit Grund zu guter Laune

Mercedes ist auf Grund der DNA des Autos da beschränkt. Fazit: Mercedes ist gerade in einer Negativspirale, aus der sie so schnell wie möglich rauskommen müssen. Einschließlich Lewis Hamilton. Der Brite macht plötzlich kleine Fehler im Qualifying, eigentlich seiner Paradedisziplin, deshalb war Teamkollege Bottas in China auch vor ihm.
Dazu kommt, wie Nico Rosberg beobachtete: Mercedes wirkt verunsichert. "Sie wissen wahrscheinlich selbst nicht ganz genau, warum Ferrari im Moment besser ist", stellt der Ex-Mercedes-Fahrer fest.
Letztes Beispiel: Gestern prognostizierte Teamchef Toto Wolff noch: "Je kälter, desto besser für uns." Problem: Beim Qualifying war es kühl, die Asphalttemperaturen lagen konstant unter 20 Grad. Was eigentlich für Mercedes sprach und gegen Ferrari, deren Auto angeblich heißere Temperaturen braucht, um optimal zu funktionieren. Trotzdem aber war der Ferrari im Qualifying über eine halbe Sekunde schneller. Die ratlosen Gesichter von Toto Wolff und Niki Lauda nach dem Qualifying sprachen deshalb Bände.

Defekt im Training: Motorwechsel bei Red Bull

Was ist vom Rennen zu erwarten? "Wenn es morgen wie prognostiziert über 30 Grad Asphalttemperaturen geben wird, wird es wohl ein Zwei-Stopp-Rennen geben. Bei Temperaturen wie beim Qualifying wäre ein Einstopper möglich", analysiert Red-Bull-Chefberater Helmut Marko.
Der Österreicher lobte erst mal seine Mechaniker. "Wie schnell sie den Motor von Ricciardo zwischen drittem Training und Qualifying wechselten, war fast ein Wunder. Normalerweise schafft man das nicht in drei Stunden." Was das Rennen betrifft ist der studierte Jurist realistisch. Max Verstappen startet als Fünfter, Teamkollege Daniel Ricciardo direkt dahinter. Marko: "Ich glaube, wir können Mercedes schlagen. Ferrari scheint außer Reichweite."
Red Bull und Mercedes können beim Rennen nur auf eins hoffen: Dass Ferrari einen schlechten Start erwischt oder Pech hat. Und dass Ferrari besonders in der Phase mit den weichen Reifen mehr einbricht als man selbst. Vom Speed her aber scheinen Vettel und Räikkönen unschlagbar im Moment.

Autor: Ralf Bach

Fotos: Picture-Alliance / Paolo Filisetti

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