Die Formel 1-Stars als Fußball Elf

Formel 1: Vettel über WM und DFB-Elf

"Frage mich, wer die Tore schießen soll"

Sebastian Vettel spricht mit ABMS über die Fußball WM und die Nationalmannschaft. Der Deutsche zieht den Vergleich zur Formel 1.
Herr Vettel, als Experte: Was trauen Sie der deutschen Mannschaft bei der Fußball-WM zu?
Vettel: Halt: Experte bin ich nicht. Nur ein großer Fan.
Ok, Deutschland hat ja gefühlt 40 Millionen Bundestrainer. Also, was ist Ihre Prognose als einer von diesen?
Grundsätzlich sehr viel. Ich frage mich nur, wer die Tore schiessen soll. Götze ist nicht dabei, Sane auch nicht. Der Bundestrainer weiß aber bestimmt, warum.

Die Formel 1-Stars als Fußball Elf

Was meinen Sie damit?
Bei unseren Jungs habe ich manchmal den Eindruck, dass sie zwar extrem viel Ballbesitz haben, den Gegner dominieren, weil sie technisch so stark sind. Und dann einfach versäumen, Tore zu schiessen. Das erinnert mich manchmal an Hallenhandball. Da spielt man ständig um das Tor herum und vergisst am Ende das Runde im Eckigen zu versenken. Aber ich vertraue auf unsere Jungs. Sie sind ja als Turniermannschaft bekannt. Sie explodieren zum richtigen Zeitpinkt. Thomas Müller ist vielleicht das beste Beispiel dafür. Deshalb bewerte ich die Niederlage im Testspiel gegen Österreich nicht zu hoch. Der Titel ist drin. Aber es gibt auch noch Spanien und Brasilien, die stark werden. Und die Franzosen habe ich auch noch auf der Rechnung. Wahrscheinlich entscheidet im entscheidenden Spiel Tagesform und Nervenstärke.

Vettel bezeichnet sich als emotionalen Fußball-Fan

Hätten Sie Götze mitgenommen?
Ich vielleicht, aber ich kenne die Hintergründe von Jogi Löw eben nicht. Trotzdem ist Götze ein Beispiel wie übrigens ter Stegen auch, wie brutal Sport sein kann, wenn man von aussen als Fan draufschaut.
Erklären Sie das!
Götze schoss das entscheidende Tor im letzten WM-Finale. Das scheint vergessen. Ter Stegen spielte eine Supersaison in Barcelona, trainierte extrem hart und muss jetzt wieder ins zweite Glied, weil Manuel Neuer wieder fit ist. Das ist schon brutal. Wie muss er sich fühlen?
Vielleicht eine kleine Hilfestellung: Wie ein Fahrer, der zu Ferrari wechseln will: Der weiß doch auch, dass er hinter Ihnen nur die zweite Rolle spielen kann...
Vettel grinst und schweigt...
Wie glücklich waren Sie als eingefleischter Eintracht Frankfurt-Fan über den Pokalsieg?
Das war sensationell. Und für mich auch hochverdient. Denn nach dem 1:1 dachte auch ich, jetzt wird es schwierig. Aber die Jungs haben sich gewehrt, gekämpft bis zum Umfallen und gezeigt, was ein extremer Siegeswille bewirken kann. Besonders glücklich war ich, als ich die Bilder am Tag danach in Frankfurt sah. Da war die halbe Stadt auf den Beinen und zeigte, welche Begeisterung die Eintracht bei den Menschen auslösen kann.
Und als Fan der Nationalmannnschaft?
Da bin ich extrem emotional. Ich kann mich noch gut an das Spiel gegen Italien bei der letzten EM erinnern. Da waren wir alle beim GP in Österreich und ich schaute das Spiel mit einigen Leuten aus meinem Team an. Ich schrie und litt richtig mit. Besonders beim Elfmeterschiessen. Klar kam ich am nächsten mit breiter Brust ins Motorhome. Aber die Jungs haben mir gratuliert.
Wie verfolgen Sie de Spiele der Nationalmannschaft und der Eintracht?
Wenn ich die Möglichkeit habe, werde ich alles anschauen. Ich meine alles. Ich bin richtig geil auf die WM und Fußball. Das ist mit der Eintracht in der Bundesliga genauso. Im Notfall schaue ich mir Wiederholungen an.
Und Stadionbesuche?
Geht zeitmässig eher selten. Aber wenn, dann nur auf der Tribüne mitten unter den Fans. Wenn dann Kinder Autogramme von mir haben wollen, ist das völlig ok. Die gebe ich dann gerne.
Was ist anders, ein Spiel live im Stadion zu verfolgen?
Vor dem Fernseher ist man entspannter und muss sich auf den Bildausschnitt verlassen und der Analyse des Kommentators vertrauen. Aber ich bin lieber im Stadion. Die Atmosphäre mit den Gesängen ist einfach anders, man sieht die gesamte Entwicklung des Spiels, man ist viel näher dran. 60.000 rufen die Namen der Spieler, das ist prickelnd. Außerdem liebe ich die Bratwürste zur Halbzeitpause – natürlich die in Frankfurt.
Hatte Sie mal daran gedacht Fußballprofi zu werden?

Am liebsten spielt Vettel im rechten Mittelfeld

Fußball ist die Nummer 1 in Deutschland, der Volkssport überhaupt, da probiert doch jeder Junge zu kicken. Ich war circa sechs, als ich das erste Mal im Verein war. Ich hatte einen Spielerpass, aber irgendwie kam es nie zum richtigen Einsatz. Ich war wohl nicht gut genug, da verlor ich schnell den Spaß. Ich musste irgendwie auch immer den Ball abgeben, da hatte ich wohl zu sehr ein Einzelkind-Syndrom. Mit Abgeben und Teilen hatte ich es damals nicht so. Außerdem war das gerade die Zeit, wo ich intensiver mit dem Kartfahren anfing. Später, ich glaube in der B-Jugend, hatte ich noch einmal einen Spielerpass, den müsste es heute noch geben. Bei der TSV Hambach. Hambach ist ein Vorort von Heppenheim. Aber wieder kam es zu keinem Einsatz. Heute spiele ich in meiner Freizeit aber so oft es geht. Aber ganz ehrlich, das Talent hat mir gefehlt.
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Was ist Ihre Lieblingsposition?
Rechts in der Mittelfeldraute.
Kann man Fußball und Formel 1 in Beziehung Mannschaftssport vergleichen?
Es ist ähnlich. Ein guter Fahrer in einem schlechten Auto kann keine Rennen gewinnen, eine Meisterschaft schon mal gar nicht. Wie im Fußball muss das ganze Paket stimmen, damit du am Ende den Pokal oder die Schale in den Händen halten kannst.  Du musst individuelle Klasse als Pilot haben, du musst ein Ingenieursteam mit dir haben, das dir ein gutes Auto baut und mit dir zusammen das Auto über die Saison verbessert und das mit dir die richtigen Rennstrategien entwickelt. In diesem Sinne ist die Formel 1 ein Mannschaftssport. Nur wenn du auf der Strecke bist, bist du als Fahrer der Einzelkämpfer, der das, was gemeinsam erarbeitet wurde, in Eigenverantwortung zu Erfolgen führen muss. Ich sehe mich auf der Strecke als der Elfmeterschütze – das Team hat den Elfer durch Training und starkes Spiel gemeinsam herausgeholt, aber ich bin dann der, der ihn verwandeln muss.

Die Formel-1-Lackierungen auf Fußball-Trikots

Mit welcher Position im Fußball könnte man ihre Rolle als Pilot vergleichen?
Es ist ein bisschen von allem. Es gibt Phasen, wo du dich fast schon arrogant durchsetzen musst, weil du ganz klar der Meinung bist: Es geht nur so und nicht anders. Dann gibt es Phasen, wo du eine Art Spielführer bist, der auch noch mit Autorität ausgestattet ist. Zum Beispiel wenn es nicht so gut läuft. Dann muss man auch mal auf den Tisch hauen und sagen: „So geht‘s nicht weiter.“ Und manchmal ist man auch der Torwart, der versucht, von hinten das Spiel zu leiten.
Welcher „Torwart-Typ“ sind Sie. Eher ein ruhiger Vertreter oder eine konstruktive Krawallbombe? 
Unser Vorteil ist, dass bei uns viel hinter verschlossenen Türen passiert. Ich kann aber auch schon mal heftig werden.
Wären Sie nicht manchmal auch gerne ein Fußballspieler? Wenn eine Mannschaft verliert, kann sich ein Spieler hinter der Mannschaft verstecken. Das ist bei Ihnen nicht möglich…
Nein. Aber das ist auch egal. Man sollte immer zu sich selbst stehen, ob als Fußballspieler oder Formel-1-Pilot. Wenn man einen Fehler macht, sollte man auch zu ihm stehen.

Autor: Ralf Bach

Fotos: Picture Alliance / Getty Images

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