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Formel 1: Vettels Lobeshymne auf Ferrari

— 22.06.2017

Keine Angst vor Mercedes

Sebastian Vettel als Motivationskünstler: Ob Mercedes wiedererstarkt ist, interessiert den Deutschen nicht. Sehr wohl aber Ferraris Entwicklungstempo.

Diese Antwort sagte mehr als tausend Worte: „Welche Überlegenheit?“, wollte Sebastian Vettel in ernstem Ton von einem Reporter wissen. Dieser hatte ihn zuvor gefragt, wie Ferrari auf Mercedes' Überlegenheit beim Sieg von Lewis Hamilton zuletzt in Kanada reagiert hat. Der Deutsche ist sich jedoch sicher: Die Scuderia und die Silberpfeile waren und sind auch weiter „auf Augenhöhe“.

„Man kann ihr und unser Rennen überhaupt nicht vergleichen und deshalb auch keine echten Rückschlüsse ziehen“, meinte Vettel mit Blick auf den Grand Prix vor zwei Wochen in Montreal, der vor allem in der Startphase „alles andere als ideal“ für Ferrari verlaufen war. „Wir sind vom letzten Platz noch auf den vierten gefahren, weil der Start und die erste Runde sehr bescheiden waren. Ansonsten hätte es aber keinen Grund gegeben, warum wir nicht hätten mitziehen können. Mit unserer Pace mussten wir uns im Rennen sicher nicht verstecken“, erklärte Vettel.

Sebastian Vettel am Donnerstag im Baku-Fahrerlager

Das gelte aber nicht nur für Kanada, sondern sei das ganze Jahr über schon so. Vettel: „Bis jetzt ist es sehr ausgeglichen und geht gerade sonntags eng zu.“ Deshalb findet es der Deutsche auch schwierig, die Stärken und Schwächen von Ferrari und Mercedes gegeneinander abzuwägen. „Es wird ja viel geredet von der Fahrbarkeit des Autos. Das wird aber gerne und schnell aufgeblasen, deswegen glaube ich da nicht so dran. Außerdem höre ich mir nicht jedes Interview an, mit welchen Schwierigkeiten Mercedes zu kämpfen hat. Ich konzentriere mich auf uns und versuche das bestmögliche rauszuholen“, so Vettel.

Bisher klappt das bestens: Vettel kommt als WM-Führender nach Baku - und ist entsprechend stolz auf die Leistung seines Teams. „Man will natürlich immer noch mehr. Aber für uns ist es jetzt schon ein Riesenerfolg, das Tempo der Spitzengruppe mitgehen zu können. Seit Saisonbeginn haben sich die Autos stark verändert und man muss ehrlich sein: Das war in der Vergangenheit nicht unbedingt unsere Stärke.“ Vettel: „Dieses Jahr liegen wir da gleichauf. Das hätten wir uns am Anfang der Saison so vielleicht nicht zugetraut.“

Kein Wunder also, dass der Heppenheimer begeistert ist vom Fortschritt bei Ferrari. „Ich fühle mich wohl und sehr zu Hause in diesem Team. Wir arbeiten gut und die Dinge kommen zusammen“, so Vettel, der erneut bekräftigte: „Dieses Jahr ist sehr wichtig für uns. Da ist es schön, dass wir jetzt anfangen, die Resultate dessen zu sehen, was wir schon vor langem auf den Weg gebracht haben. Ich hoffe, das ist erst der Anfang und es kommt noch mehr.“

In Kanada kam Ferrari Mercedes nur am Start nahe

Vor allem der Quervergleich zu den Silberpfeilen stimmt Vettel aber positiv. „Mercedes hat die letzten drei Jahre alle weggeblasen. Sie haben sich Jahr für Jahr verbessert und sind gewachsen. Entsprechend gebührt uns aber eigentlich noch mehr Anerkennung als ihnen!“ Der Deutsche erklärt: „Sie hatten ihren Entwicklungsspeed auch die letzten Jahre schon, vom besten Motor 2014 über das beste Chassis bis hin zum besten Gesamtpaket 2016. Dieses Jahr sind wir aber gleichauf mit ihnen.“ Demnach habe Ferrari einen noch größeren Schritt gemacht. Vettel voll des Lobes: „Es ist eine große Leistung, dass wir diese Pace gehen können.“

Endsprechend rechnet sich der Ferrari-Star auch am Wochenende Chancen auf einen Erfolg in Baku aus. „Die Strecke ist sehr speziell mit ihren langen Geraden und langsamen Kurven. Es ist nicht einfach, hier alles richtig zu machen, aber letztes Jahr lief es okay für uns, da waren wir Zweiter.“ Geht es nach Vettel, würde er seine Ferrari-Crew am Sonntag gerne belohnen, indem er es auf dem Podium noch eine Stufe höher schafft - als Lohn für die gute Arbeit.

Autor: Frederik Hackbarth

Fotos: Picture-Alliance

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