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Formel 1: Vettels russischer Nachfolger

— 10.10.2014

Heimrennen für Aufsteiger Kvyat

Red Bull bleibt seiner Philosophie treu und befördert mit Daniil Kvyat ein
Eigengewächs zum Vettel-Nachfolger. Wir haben mit dem Russen gesprochen.

Der Schritt war forsch, der Gesichtsausdruck fragend: Um 9.15 Uhr am Samstagmorgen in Suzuka musste Daniil Kvyat (20) antreten bei Helmut Marko (71). Maximal fünf Minuten dauerte das Gespräch im Büro des Red-Bull-Beraters, dann erschien der Toro-Rosso-Pilot mit hochrotem Kopf in der Hospitality und klatschte sich mit seinem künftigen Teamkollegen Daniel Ricciardo (25) ab. Gerade hatte er erfahren, dass er Sebastian Vettel (27) in der kommenden Saison bei Red Bull ersetzen wird. Zwei Tage vorher wollte der Russe im Interview mit AUTO BILD MOTORSPORT von solchen Plänen noch nichts wissen. Vettel-Nachfolger bei Red Bull? Kvyat winkt ab: „Ich denke über solche Sachen nicht nach. Für mich zählt im Moment nur eins: Das letzte Rennen war ziemlich sch... Ich will schnellstmöglich wieder ein gutes Ergebnis einfahren. Mit wem ich verglichen werde, ist mir deshalb ziemlich egal.“

Vergne ins Abseits gestellt

Dabei sieht der junge Russe nicht nur aus wie ein Vettel light, er redet auch so wie der Heppenheimer. Zufrieden sein mit dem Status quo? Von wegen! „Man muss sich immer wieder beweisen, zunächst, dass man es verdient hat hier zu sein, anschließend um zu siegen. Im Moment tue ich alles, um mich in die Position zu bringen schnellstmöglich zu gewinnen.“ Dass die Möglichkeit so schnell kommen würde, wusste Kvyat zu dem Zeitpunkt selbst nicht. Drei neunte Plätze, Startplatz sieben ausgerechnet am Red Bull Ring; wie einst Vettel hat Kvyat bei Toro Rosso seinen erfahrenen Teamkollegen Jean-Eric Vergne (24) innerhalb eines halben Jahres ins Abseits gestellt. Teamchef Franz Tost (58) schwärmt von ihm als kommendem Weltmeister, lobt Speed, Disziplin und Technikwissen.

Fußball vor dem Motorsport

In Russland schon ein Star: Kvyat im Interview bei einem Benefiz-Fußballspiel vor seinem Heimrennen

Für Marko stand nie außer Frage, dass der junge Russe Vettel eines Tages beerben würde. Dass die Beförderung ausgerechnet vor seinem Heimspiel in Sotschi an diesem Wochenende kam, ist Fügung. „Ich werde an das Rennen in Russland aber nicht anders herangehen als an jedes andere“, sagt er. „Natürlich freue ich mich auf die Unterstützung meiner Fans, aber auf der Strecke zählt die nicht.“ Kvyat bezeichnet sich nicht als typischen Russen. Er spricht fließend Italienisch, Spanisch und Englisch. Mit 13 Jahren ging er mit seiner Familie nach Italien, um Karriere im Motorsport zu machen. „Russland ist nicht berühmt für Motorsport“, erzählt er. „Ich habe mit Fußball und Tennis angefangen und bin in meiner Freizeit irgendwann mal Kart gefahren. Ich würde also nicht sagen, dass ich den Sport gewählt habe, sondern er hat mich ausgesucht.“

Nichts von Putin gehört

Dabei sei es Liebe auf den ersten Blick gewesen, verrät er und lächelt. Seit er Formel 1 fährt, verbringt Kvyat wieder mehr Zeit in Moskau: „Innerlich fühle ich mich als Russe. Da gehören mein Herz und meine Seele hin.“ In die Politik will er sich nicht einmischen. Präsident Wladimir Putin habe auch noch nicht gratuliert. „In Russland schätzen sie nur Sieger“, erklärt der Red-Bull-Aufsteiger. Das kann er auch bald sein. Die Voraussetzungen dafür stimmen jetzt jedenfalls.

Autoren: Bianca Garloff, Ralf Bach

Fotos: Getty Images

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