Formel 1 vor dem Ausverkauf

Formel 1 vor dem Ausverkauf

Formel 1 vor dem Ausverkauf

— 08.10.2004

Russisches Roulette

Milliardären aus Moskau bietet der Rückzug von Ford die Gelegenheit für einen Einstieg in die Formel 1.

300 Millionen Euro "aus Spaß am Sport"

Der blasse junge Mann mit dem schlabbrigen Polohemd und der ausgewaschenen Jeans wäre den Fotografen im Fahrerlager von Monte Carlo nicht weiter aufgefallen, hätte nicht Formel-1-Boß Bernie Ecclestone persönlich immer wieder seine Nähe gesucht.

Der schüchterne Fremde, der da im Mai mit seiner 115-Meter-Yacht "Pelorus" zum Grand Prix schipperte, heißt Roman Abramowitsch, ist Russe und mit einem Vermögen von rund 12,5 Milliarden Dollar in der Forbes-Rangliste der reichsten Männer der Welt derzeit auf Platz 25. Er machte sein Geld unter anderem mit Erdöl und investiert es in Projekte wie den Fußballclub Chelsea London, den er 2003 für 300 Millionen Euro "aus Spaß am Sport" kaufte und seitdem mit Millionen-Investitionen zu einem europäischen Spitzenklub aufbaut.

Noch mehr kann sich der einstige Waisenjunge aus Sibirien an der Formel 1 erfreuen. Bereits im Oktober 2003 verhandelte Abramowitsch (37) mit F1-Schlußlicht Minardi, wenige Wochen später mit Jordan. Für angeblich 210 Millionen Millionen Euro wollte er den klammen Rennstall übernehmen – und niemand anderen als Michael Schumacher als Fahrer von Ferrari abkaufen. Damals scheiterten die Gespräche.

Spricht die Formel 1 bald russisch?

Nachdem Ford sich zum Jahresende aus seiner Geldvernichtungsmaschine Formel 1 zurückzieht, gelten nun gleich drei Teams als Schnäppchen. Neben Jordan und Minardi, von Ford-Cosworth-Motoren angetrieben, auch der Rennstall von Ford-Tochter Jaguar. Eine halbe Milliarde Euro investierte Jaguar-Racing seit 2000. Karges Ergebnis: zwei Podiumsplätze. Die Bank HSBC soll einen Käufer für das 400-Mann-Team finden. Keine 30 Millionen Dollar, so Experten, müßte ein Investor auf den Tisch legen. Ein Klacks, der es allerdings in sich hat. "Es ist wie mit einer Polaroid-Kamera", erklärt Ecclestone. "Der Kaufpreis ist günstig, aber dann wird's teuer." Jede Saison kostet 100 Millionen Euro.

Die Suche nach Geldgebern, die verhindern können, daß bald nur noch sieben Teams mit je drei Autos am Start stehen, könnte sich zum russischen Roulette entwickeln. Drei weitere Industriemagnate gelten als mögliche Käufer: • Oleg Deripaska (36) ist Chef des Aluminium-Riesen "Rusal" und Besitzer des Autoherstellers "GAZ". Sein Vermögen schätzt Forbes auf 4,5 Milliarden Dollar. • Alexei Mordashow (38) leitet Rußlands größten Stahlkonzern "Severstal". Ihm gehört zudem der Automobilhersteller "UAZ". Vermögen: ebenfalls rund 4,5 Milliarden Dollar. • Der 23 Jahre alte Bankierssohn Nikolai Smolenski ist 230 Millionen Dollar schwer, ein Freund Abramowitschs und seit kurzem Besitzer des britischen Sportwagenbauers TVR.

Sie könnten dafür sorgen, daß in der Formel 1 endlich russisch gesprochen wird, nachdem es mit dem Bau einer Grand-Prix-Strecke bei Moskau noch immer nicht vorangeht. Fraglich nur, ob erfolgsverwöhnte Russen das Risiko eingehen, für viel Geld hinterherzufahren. Bis zum 15. November müssen sich Abramowitsch & Co entschieden haben. Die Konkurrenz resigniert bereits. Jaguar-Teamchef Tony Purnell hat die Ambitionen, sein Team selbst zu übernehmen, schnell aufgegeben: "Schließlich bin ich kein russischer Ölmilliardär."

Autor: Hauke Schrieber

Diesen Beitrag empfehlen

Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.