Pascal Wehrleins Weg an die Spitze

Formel 1: Wehrlein heiß auf Bahrain

— 12.04.2017

"Ich brenne auf meinen Einsatz"

In Bahrain ist Pascal Wehrlein endlich wieder am Start. AUTO BILD MOTORSPORT hat mit dem Sauber-Piloten vor dem Wochenende gesprochen.

Herr Wehrlein, wie erleichtet sind Sie, dass Sie endlich wieder fahren können?

Sehr erleichtert. Ich brenne auf den Einsatz. Nach einem Spezialtraining in Salzburg fühle ich mich jetzt bereit.

Bitte erklären Sie noch einmal: Warum konnten sie in Melbourne und China nicht fahren?

Ich war nicht fit genug, das musste ich dem Team und mir nach dem ersten Trainingstag leider eingestehen. Der Trainingsrückstand war damals einfach noch zu groß, um ein ganzes Rennen zu fahren. Ich hätte vielleicht das Rennen fahren können, aber ich wollte nicht fahren, wenn ich nach der Hälfte des Rennens nur noch schwer das Lenkrad hätte halten können.

Wie schwer Ihre Verletzung wirklich, die Sie sich beim Race of Champions zugezogen haben?

Durch den Überschlag wurde der Rücken extrem gestaucht und es gab drei kleine Haarisse im Bereich der Brustwirbel. Ein Normalbürger hätte nach ein paar Tagen seinen Job wieder aufnehmen können, aber bei einem Leistungssportler ist das nicht der Fall. Ich erhielt erstmal circa vier Wochen Trainingsverbot. Ende Februar gaben die Ärzte grünes Licht, aber in den drei Wochen bis Melbourne konnte ich den Trainingsrückstand einfach nicht aufholen. Das Problem ist, dass Formel 1 nicht so funktioniert wie Fußball. Wenn ein Fußballprofi nach einer Verletzung wieder zurück im Kader ist, kann man ihn im Spiel ein-oder auswechseln und so langsam aufbauen. Das aber ist in der Formel 1 nicht möglich.

Deutsche Piloten haben diese gewisse Historie bei Sauber: Michael Schumacher, Heinz-Harald Frentzen, Nick Heidfeld und Nico Hülkenberg fuhren schon für sie. Wie deutsch ist das Sauber-Team?

Der Wehrlein-Crash beim Race of Champions

Die meisten sprechen deutsch in der Fabrik. Ich wohne nur knapp zwei Stunden von der Fabrik in Hinwil weg. Das alleine verbindet schon mal. Sogar der Dialekt in der Züricher Gegend ist dem nicht unähnlich meiner Heimatregion. Wir würden uns auch noch verstehen, wenn andere Untertitel bräuchten. Aber ansonsten ist Sauber ein hochprofessionelles internationales Team.

Wann haben die Gespräche mit Sauber eigentlich begonnen?

Schon im Sommer gab es die ersten Kontakte, aber richtig konkret wurde es um den Brasilien-GP herum. Danach ging es dann wie man so schön sagt ums Eingemachte. Als es endlich grünes Licht gab, war ich erleichtert. Denn schon im Sommer hat sich Sauber zu meinem Wunschteam herauskristallisiert.

Obwohl sie die Chance hatten, nach Rosbergs Rücktritt ins Mercedes Werksteam zu wechseln?

Diese Chance bot sich ja erst im Dezember. Selbst beim letzten Rennen in Abu Dhabi wusste ja außer Nico noch niemand, dass er zurücktreten würde. Natürlich hofft man dann es könnte klappen, ins Weltmeisterteam zu wechseln. Aber als sie sich für Valtteri Bottas entschieden hatten, hielt sich meine Enttäuschung in Grenzen. Weil für mich ja der ursprüngliche Plan A in Erfüllung ging.

Wie hat man Ihnen bei Mercedes erklärt, warum man sie noch nicht reif  für das Duell mit Lewis Hamilton hielt?

Toto Wolff (Mercedes-Motorsportchef, die Red.) sagte, er wolle mich nicht verheizen. Sie würden aber in Zukunft weiterhin an mich glauben und mich lieber in Ruhe aufbauen.

Haben Sie das verstanden?

Von Mercedes-Seite aus schon. Ich denke, sie hatten drei Szenarien im Kopf. Man setzt mich in den Mercedes, weil man schon jetzt an meine Siegfähigkeit glaubt und riskiert damit eine Menge. Man glaubt an meine Zukunft und gibt mich zu Sauber. Oder man glaubt nicht an meine Zukunft und bringt mich zurück zur DTM.

Wie war Ihr erster Eindruck von der Sauber-Fabrik?

Unglaublich. Ich hatte ja vorher nur von ihrer Fabrik gehört und dem speziellen Windkanal. Als ich das erste Mal hingefahren bin, war ich baff. Du spürst sofort die Aufbruchstimmung. Und der Windkanal ist wahrscheinlich der beste in der Formel 1. Welches Team kann von sich schon behaupten, einen eigenen Windkanal zu haben und dann auch noch so einen. Ich denke, in dem Team steckt ein Riesenpotential. Aber man muss auch ein wenig Geduld haben.

Haben Sie Geduld?

Ab Bahrain ist Wehrlein endlich wieder im Sauber-Cockpit

Die habe ich im vergangenen Jahr bei Manor gelernt. Bis zu meinem Formel-1-Debüt war ich es nur gewohnt, um Podiumsplätze, Siege und Titel zu fahren. Dann ging ich zu Manor und musste umdenken. Das Team war gut aber im Vergleich zu den Top-Teams hatten wir keine Chance, auch nur annähernd mitzuhalten. Als ich auf dem Red-Bull-Ring den WM-Punkt gewinnen konnte, wurde das im Team gefeiert wie ein WM-Titel. Als ich dann in der zweiten Saisonhälfte meinen Mercedes-Junior-Kollegen Ocon als Teamkollegen zur Seite bekam, entstand eine extreme Konkurrenzsituation. Hätte ich ihn im Duell nicht geschlagen, wäre meine Zeit in der Formel- 1 womöglich vorbei gewesen...

... die Karriere von Ocon ging aber erstaunlicherweise trotz seiner Niederlage weiter.

Auch die Karriere von Ocon liegt im Ermessen von Mercedes. Dafür bin ich der falsche Ansprechpartner. Jedenfalls stellte ich bei Manor fest, dass es vielleicht sogar die größere Herausforderung ist, mit einem Team zu wachsen und sich dafür mit allem einzubringen, was man hat. Man bekommt einen riesigen Hunger. Bei Sauber sehe ich nun alle Möglichkeiten, sich stetig zu verbessern und den Anschluss ans vordere Mittelfeld zu finden. Das ist zunächst das Ziel. Es kommt am Ende immer auf die Ressourcen an, die man hat. Und die sehe ich bei Sauber absolut.

Aber kann man sich dann nicht auch vorstellen, längerfristig bei Sauber zu fahren. Nicht nur ein Jahr?

Solange ich bei Mercedes unter Vertrag stehe, wird dort über meine Zukunft entschieden. Ginge es nach mir, könnte ich mir schon jetzt in der Tat vorstellen, länger bei Sauber zu fahren. Und das hat nicht nur mit dem Potential zu tun, das dort schlummert. Sondern es geht auch um die menschliche Komponente. Ich habe ja noch nicht soviel Erfahrung gesammelt im Umgang mit Teams, aber wie ich bei Sauber aufgenommen wurde, ist schon speziell. Besonders im Umgang mit meiner Rückenverletzung merkte ich das. Es ist ja alles andere einfach für ein Team, einen Fahrer wie mich zu verpflichten, der dann erst mal verletzt ist und nicht trainieren und fahren darf. Bei Sauber wurde und wird aber zu aller erst auf meine Gesundheit geachtet. Mir wurde der Druck genommen, mit Gewalt gesund zu werden, sondern ganz in Ruhe auf die Ärzte zu hören und mich erst dann ins Auto zu setzen, wenn es medizinisch keine Bedenken mehr gibt. Irgendwie komme ich mir bei Sauber wie das Mitglied einer Familie vor und nicht nur eines Formel-1-Teams.

Gutes Stichwort: Sebastian Vettel ist ja auch wie ein großer Bruder für Sie!

Ja, kann man so sagen. Ich verstehe mich extrem gut mit ihm. Er ist völlig am Boden geblieben, obwohl er schon so viel erreicht hat. Wir reden viel miteinander und er gibt mir immer wieder gute Ratschläge. Als ich den Unfall beim Race of Champions hatte war er die ganze Zeit der Untersuchungen bei mir und brachte mir sogar Essen ans Bett. Mehr muss ich wohl nicht sagen...

Autor: Bianca Garloff

Fotos: Picture-Alliance

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