Wehrlein

Formel 1: Wehrlein und Herrmann

— 14.07.2016

Junioren unter sich

Was Pascal Wehrlein heute ist, war Hans Hermann 1954 bis 55: der Junior im Formel-1-Programm von Mercedes. Wir trafen beide zum Doppelinterview.

Herr Herrmann, Sie waren der erste Mercedes-Formel-1-Junior, Pascal Wehrlein ist der aktuelle. Was ist heute anders?

Hans Herrmann (88): Mercedes hat das Team nach dem Krieg neu aufgebaut. Natürlich auch, weil sie wieder Autos verkaufen wollten. Also verpflichteten sie die besten Fahrer der Welt, Juan Manuel Fangio und Karl Kling – und mich als Junior. Im Gegensatz zu Pascal hatte ich das Glück, gleich den Silberpfeil zu fahren.

Pascal Wehrlein (21): Ich werde vorschlagen, dass ich jetzt schon neben Lewis und Nico fahren darf (grinst).
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Das Regelwerk erlaubt das nicht. Aber der Silberpfeil ist auch Ihr großes Ziel?

Wehrlein: Natürlich. Ich möchte Rennen gewinnen und die WM. Mein Traum war es schon immer, für Mercedes zu fahren. Ich bin Schwabe und ein Riesen-Mercedes-Fan.

Was war damals anders?

Herrmann: Die Rennerei war saugefährlich. Ich hatte immer nur einen Jahresvertrag. Und man wusste: zwei oder drei sterben pro Jahr. Das Risiko war groß. Das Geld knapp. Heute ist es genau umgekehrt. Außerdem steuern die Jungs mit einem Computer statt einem Lenkrad. Früher war es ein normales, handwerkliches Auto. Heute wird alles durch die Elek­tronik bestimmt. Und was mich verwirrt, sind die fürchterlichen Reifenregeln.

Pascal Wehrlein durfte mit dem alten F1-Silberpfeil von Hermann fahren

Wehrlein: Für die Zuschauer müsste man so etwas vielleicht vereinfachen. Aber man muss auch mit der Technologie gehen. Heute ist das Fahren auf eine andere Art und Weise extrem schwierig. Man muss permanent seine Knöpfe im Kopf haben. Früher konnte man Vollgas geben, schalten und seine Brems- und Lenkpunkte richtig treffen. Aber bei uns sind die Zeitabstände so eng, dass man fast nur den Unterschied machen kann, wenn man sein Auto besser kennt. Trotzdem wird bei uns zu sehr in den Vordergrund gerückt, dass wir eine Computer-Generation sind. Wir fahren immer noch Rennen und das Risiko ist auch noch da.

Welche Rolle spielt Angst bei Ihnen?

Wehrlein: Keine. Weil ich das große Ziel vor meinen Augen habe. Selbst wenn etwas passiert, hab ich meinen Traum leben können.

Herrmann: Mir kamen am Start schon die Gedanken: Wer wird es heute sein? Der vor mir? Der neben mir? Ich nicht! Aber wenn dann die Startflagge kam, dann war das alles weg.

Ihr Chef Alfred Neubauer hat Sie sogar mal rausschmeißen wollen …
Hermann: Ja, weil ich nicht ganz so diszipliniert war. Ohne jetzt ins Detail zu gehen (schmunzelt).

Sind Sie immer diszipliniert, Herr Wehrlein?

Wehrlein: Rausschmeißen wollte Toto mich noch nie, aber es gab schon manchmal Anrufe von ihm, wenn ich was gemacht hab, was ihm nicht gepasst hat. Nicht wegen Frauen, sondern manchen Funksprüchen in der DTM.

Herr Herrmann, Ihre Teamkollegen waren  Karl Kling und Juan Manuel Fangio. Was konnten Sie von den Beiden lernen?

Herrmann: Juan Manuel Fangio hat mir viele Tricks verraten. Das ist heute nicht denkbar, wir waren ein Bomben-Team.

Wehrlein: Heute sind wir alle gläserne Fahrer. Der Ingenieur sieht alles am Laptop. Ein Fahrer würde niemals Tipps geben. Der Konkurrenzkampf ist zu groß.

Autoren: Bianca Garloff, Ralf Bach

Fotos: W. Wilhelm/Mercedes

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