Formel-1-Weltmeister Alonso

Jüngster Formel-1-Champion: Fernando Alonso Jüngster Formel-1-Champion: Fernando Alonso

Formel-1-Weltmeister Alonso

— 26.09.2005

Kampfansage an den Champion

"Alonsomania" in Spanien: Der König gratuliert, die Fans feiern, Fußballspiele werden verlegt. Doch dem Helden bleibt kaum Zeit zum Überschwang.

König gratuliert, Landsleute feiern

Beim Feiern zeigte er sich noch nicht meisterlich. Während Michael Schumacher für gewöhnlich seine WM-Titel gerne in Karaoke-Bars kräftig begoß, gaben Fernando Alonso und seine Renault-Crew nach dem großen Triumph im Nobel-Club "Lotus" in São Paulo eher verhalten Gas. Kurz nach drei verließ der neue Formel-1-Weltmeister, mit 24 Jahren und 58 Tagen der jüngste aller Zeiten, die Feierlichkeiten mit Polonaise, Bier und Wodka-Red-Bull. So lag es denn auch nicht am Alkohol, daß der stolze Spanier sich seiner neuen Lage noch nicht gleich bewußt war: "Ich werde wohl erst in den nächsten zwei, drei Tagen realisieren, was ich da erreicht habe", philosophierte er.

Der Hype, der sich in der Heimat des stolzen Spaniers zu entwickeln scheint, erinnert an die motorsportliche Aufbruchstimmung im frühen Schumi-Deutschland. Daß König Juan Carlos I., Kronprinz Felipe und Ministerpräsident José Luis Rodriguez Zapatero zum Titel gratulierten, mag noch unter der Rubrik "normal" einzuordnen sein. Daß jedoch Fußballspiele der Primera Division wegen der Übertragung aus Brasilien verlegt werden und mehrere tausend Asturier ihren "Campeon" stundenlang hochleben lassen, übersteigt eben auch die Vorstellungskraft eines neuen Formel-1-Herrschers.

Zu den ersten Gratulanten auf der Strecke in Interlagos gehörte Michael Schumacher. Herzlich umarmte der alte den neuen Weltmeister und signalisierte ihm mit gestrecktem Daumen: "Du bist jetzt die Nummer 1." Später lobte der entthronte Rekordchampion aus Kerpen später seinen Nachfolger: "Fernando ist ein würdiger Weltmeister. Er hat einen Superjob gemacht."

Trotz aller Wertschätzung für seinen Erben machte Schumi aber klar, daß er das Ende seiner langen Regentschaft nicht als generelle Wachablösung verstanden wissen möchte: "Ich empfinde keine Wehmut, sondern eher Freude aufs nächste Jahr: Da wollen wir wieder um die WM mitkämpfen." Platz vier beim Brasilien-GP und teilweise gute Rundenzeiten faßte der Ferrari-Star dabei als Hoffnungsschimmer auf.

Kampfansage von Kimi & Co

Auch von der silbernen Konkurrenz folgte auf die Glückwünsche gleich die Kampfansage: "Gratulation an Fernando", sagte Kimi Räikkönen. "Aber er soll sich gut auf einen harten Kampf für die restliche Saison und nächstes Jahr vorbereiten. 2006 greifen wir voll an." McLaren-Teamchef Ron Dennis bezeichnete den Finnen angesichts der Saison mit Pleiten, Pech und Pannen als moralischen Sieger: "Diesmal ist nicht der beste Fahrer Weltmeister geworden", sagte der Brite. Nach dem ersten Doppelsieg 2005 und zwei Punkten Vorsprung in der Teamwertung soll wenigstens die Konstrukteurs-WM als Trostpreis eingefahren werden.

Alonso verlor auch im Überschwang der Gefühle nicht den Blick für die Realität: "Ich kenne das alte Sprichwort, daß es einfacher ist, den Titel zu erobern als zu verteidigen", warnte der 24jährige: "Wir dürfen nicht vergessen, daß wir in den letzten Rennen langsamer waren als die McLaren-Mercedes." Auch Flavio Briatore wollte (noch) nicht von einer neuen Ära sprechen. Der Renault-Teamchef, 1994 und 1995 mit Schumacher und Benetton zwei Mal Weltmeister, sprach seinem Schützling aber das Verdienst zu, die Formel 1 erneuert zu haben: "Fernando ist der Star der Zukunft."

In dessen Heimat Spanien, bislang im Rennsport eher auf zwei Rädern erfolgreich, wird es allerdings vorerst keine Fiesta mit dem neuen Motorsport-Matadoren geben. "Ich reise wahrscheinlich erst nach dem Saisonfinale in China nach Asturien", vertröstete Alonso seine Landsleute. Ihn stören die Versuche lokaler Politgrößen, ihn zu vereinnahmen: "Deshalb haben wir entschieden, nicht sofort nach Spanien zu kommen."

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