Die Karriere von Lewis Hamilton

Formel 1: Weltmeister Lewis Hamilton

— 29.10.2017

So stark ist der neue Hamilton

Lewis Hamilton holt in Mexiko vorzeitig seinen vierten WM-Titel! Der Brite im großen Portrait: ABMS erklärt, was ihn dieses Jahr so stark gemacht hat.

Schon diese Szene nach dem GP der USA in Austin sprach Bände. Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff (45) gibt gerade seine Siegerpressekonferenz, als plötzlich die Tür zur Mercedes-Unterkunft aufgeht. Ferrari-Teamchef Maurizio Arrivabene will zum Gewinn des Konstrukteurstitels gratulieren. Wolff umarmt seinen unterlegenen Kollegen. „Ihr habt einen super Job gemacht und den Titel verdient“, lobt der Italiener dann, „gegen Lewis und Euch war in diesem Jahr einfach kein Kraut gewachsen.“

Der faire Verlierer aus Italien bringt die Sache auf den Punkt. Ferrari hat nicht gegen Mercedes verloren, sondern speziell gegen Lewis Hamilton.

Die Styles des Lewis Hamilton

Hamilton, der Star im Mercedes! Neun Siege hat er in dieser Saison schon geholt. Teamkollege Valtteri Bottas schaffte mit dem gleichen Auto nur zwei Erfolge. Der Finne liegt 21 Punkte hinter Ferrari-Star Sebastian Vettel nur an dritter Stelle der WM-Wertung. Hamilton sagt über sich selbst: „Ich habe mich mental und körperlich in diesem Jahr auf eine Ebene gebracht, die ich selbst nicht für möglich gehalten hätte. Ich habe irgendwie einen Weg gefunden, keine Fehler zu machen.“ AUTO BILD MOTORSPORT erklärt den Titel-Hamilton!

Hamilton, der ausgeglichenere Mensch

Hamilton mit Mercedes-Sportchef Toto Wolff

„Lewis hat noch mal einen Schritt gemacht, auch als Mensch“, verrät Teamchef Toto Wolff gegenüber SPORT BILD. „Er hatte nach der Saison 2016 mit dem verlorenen Titel eine harte Zeit. Im Winter sprachen wir uns in der Küche meines Hauses darüber aus. Danach wirkte er wie verwandelt. Von den ersten Tests an konnte man das spüren. Wie er sich einbrachte ins Team, wie happy er mit seinem neuen Teamkollegen Valtteri Bottas war. Das war ein ganz anderer Lewis als der von 2016. Da verschwendeten Lewis und Nico eine Menge Zeit mit ihren teaminternen Scharmützeln.“

Ex-Mercedes-Teamchef Ross Brawn, der Hamilton 2013 zu Mercedes holte, bestätigt das: „Lewis ist noch einmal gereift. Er lässt sich nicht mehr so schnell von äußerem Einflüssen von seinem Weg abbringen. Bewusst oder unbewusst, er hat aus der Saison 2016 gelernt. Mein Eindruck ist, dass der junge Mann, der auf der Suche nach sich selbst war, sich jetzt gefunden hat.” Hamilton definiert seine Stärke selbst so: „Ich weiß jetzt genau, was gut für mich. Ich weiß genau, was ich tun muss, um meine Batterien wieder aufzuladen. Es ist mir egal, was die Leute von mir erwarten.“ Ein Beispiel: Er musste viel Kritik einstecken, weil er als einziger Pilot nicht zum großen Formel-1-Straßenevent in London kam. Seine Antwort: der Sieg beim Heimrennen in England.

Die Frauen um Lewis Hamilton

Hamilton, der bessere Autoentwickler


Vierter Titel für Hamilton nach 2008, 2014 und 2015

„Lewis ist besser als je zuvor“, sagt auch Mercedes-Cheftechniker Geoff Willis. „Aber damit meine ich nicht den Fahrer an sich. Superschnell fahren konnte er schon immer. Was anders ist: In den Ingenieursmeetings wirkt er in diesem Jahr viel konzentrierter und zielorientierter. Er bringt das Fahrverhalten des Autos viel schneller auf den Punkt. Auch seine Körpersprache ist anders als in den vergangenen Jahren. Er gibt sich wie ein Leitwolf, als hätte er erst in diesem Jahr die Verantwortung übernommen, das Team auch technisch weiterzubringen.“ Die Konsequenz: Teamkollege Bottas hat nicht den Hauch einer Chance. Willis: „Denn das führt dazu, dass das Auto am Ende noch mehr auf seine Bedürfnisse eingestellt wird. Er ist jetzt die perfekte Mischung: Ein guter Entwickler und trotzdem noch das Vollgastier, das über Probleme eines Autos hinwegfahren kann, wenn es sein muss. Das hat er Valtteri voraus.“

Formel 1: Vettel versus Hamilton

Hamilton, der bessere Fahrer


Er bremst später als alle anderer, fährt aggressiver als die Konkurrenz und schont (mittlerweile) trotzdem die Reifen. Toto Wolff gibt zu: „In fünf Jahren Zusammenarbeit habe ich Lewis noch nie so stark erlebt.“ Mercedes-F1-Aufseher Niki Lauda ergänzt bei SPORT BILD: „Lewis hat den Reifen richtig verstanden und ist nicht nur auf einer Runde in der Lage, schnell zu fahren.“ Hamilton selbst definiert sich selbst so: „Viel von der Art, wie ich heute fahre, ist von der Weise inspiriert, wie ich Ayrton Senna habe fahren sehen. Die Menschen sagen, dass ich einen aggressiven Fahrstil habe und manchmal glaube ich nicht, dass das alles nur ich bin. Ich denke, das ist zum Teil so, weil ich Ayrton Senna gesehen habe, als ich jung war und dachte: 'So will ich fahren, wenn ich die Chance bekomme'.“

Hamilton, der Mentalkoloss

Hamilton hat Lehren aus dem Rosberg-Duell gezogen

Der Brite hat im harten Teamduell gegen Nico Rosberg gelernt: Man gewinnt Titel auch mit dem Kopf. Diese Erkenntnis hat er 2017 so gezielt eingesetzt, dass er sogar Sebastian Vettel zur Weißglut brachte. Weltmeister Rosberg erklärt seinen Ex-Rivalen: „Er hat immer gut seine Grauzonen ausgenutzt, sehr clever und sehr geschickt. Unfair ist das nicht. Es ist seine eigene Stärke.“ Auch in Austin trat Hamilton wieder den Beweis an, das „Mindgame“ am besten zu spielen. In der Pressekonferenz nach dem Rennen kritisierte er Vettel öffentlich: „Er ist zu schnell durch Kurven gefahren, in denen er es nicht hätte tun müssen. Da sind die Temperaturen der Reifen in die Höhe geschossen. Wäre er an den Stellen vom Gas gegangen, hätte er mich hinter sich gehalten.“ Hamilton weiß ganz genau, dass er mit solchen Aussagen den Deutschen auf die Palme bringt... Und damit an seiner eigenen Legende schreibt.

Autoren: Ralf Bach, Bianca Garloff

Fotos: Picture-Alliance

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