Formel 1

Formel 1: Weltmeister-Rücktritte

— 04.12.2016

Rosberg nicht der Erste

Nico Rosberg tritt am Höhepunkt seiner Karriere ab. Er ist nicht der erste Formel-1-Champion, der mit dem Titel geht. Ein Blick in die Geschichte.

So langsam dürfte Nico Rosberg realisiert haben, was er erreicht hat: Weltmeister in der Formel 1, der Königsklasse des Motorsports. Und so langsam dürfte auch der F1-Zirkus realisiert haben: Der Weltmeister tritt nicht zur Titelverteidigung an. 23 Jahre lang hat es das nicht gegeben, aber immerhin: Von den 33 Formel-1-Weltmeistern traten fünf mit dem Titel ab.

Der erste war 1958 der bis Michael Schumacher erfolgreichste Fahrer aller Zeiten: Juan-Manuel Fangio. 1957 holte er seinen fünften Titel. Eigentlich war er auch 1958 als Fahrer für Maserati vorgesehen. Doch der italienische Automobilhersteller schlitterte in finanzielle Schieflage und zog sich aus der Formel 1 zurück. Und plötzlich saß Fangio auf der Straße. Der Argentinier tat sich mit anderen Leidgeplagten zusammen und gründete eine Renngemeinschaft, die einen der Maserati-Rennwagen privat einsetzte. Aber Fangio war als 47-Jähriger rennmüde, trat nur noch bei zwei WM-Rennen an – und hing anschließend den Helm an den Nagel.

Klarer ist der Fall von Mike Hawthorn ein Jahr später. Als erster Brite holte er sich 1958 den WM-Titel und hörte dann auf. Auf der einen Seite war der 29-Jährige schwerkrank, schleppte seit seiner Kindheit ein Nierenleiden mit sich rum. Die Ärzte prognostizierten ihm: Älter als 30 Jahre würde er nicht werden. Auf der anderen Seite hatte Hawthorn auch die Nase voll von der Rennerei, nachdem er seine beiden Freunde Luigi Musso und Peter Collins nach schweren Rennunfällen sterben sah. Ein Rennen lieferte sich Hawthorn 1959 dann doch noch: Auf öffentlichen Straßen gegen den Rennstallbesitzer Rob Walker. Dabei verunglückte er tödlich.

Nigel Mansell trat nach der WM 1992 zurück, kehrte aber auch zurück

So brutal wie die 50er Jahre in der Formel 1 waren, so schlimm waren auch die 70er Jahre. Fast jeder Unfall hatte mindestens Prellungen zur Folge. Viele gingen tödlich aus. Als Jackie Stewart vor seinem dritten WM-Gewinn stand, Jim Clark in der Liste der meisten Formel-1-Siege überholte und sein 100. WM-Rennen anpeilte, versprach er seiner Frau, mit dem Rennsport aufzuhören. Als sein Tyrrell-Teamkollege François Cevert in Watkins Glen einen tödlichen Crash hatte, zog Stewart seinen Rücktritt vor und bestritt das letzte Rennen nicht mehr. Die WM konnte ihn 1973 ohnehin keiner mehr nehmen.

1992 wurde Nigel Mansell endlich Weltmeister. Er war schon 39 Jahre alt, stand 1986 und 87 schon einmal kurz vorm Titelgewinn. Jetzt, nach dem großen Triumph, wollte er noch mehr Geld von seinem Arbeitgeber Williams. Doch mit Frank Williams – das mussten auch andere Fahrer bitter erfahren – ist in diesem Punkt nicht zu spaßen. Motorenlieferant Renault drängte außerdem auf Alain Prost im Cockpit. Den Franzosen als Teamkollegen wollte sich Mansell nicht mehr antun. 1990 bei Ferrari bestand er zwar im Qualiduell mit 8:8, doch im Rennen spielte Professor Prost seine Überlegenheit aus. Mansell sah kein Land gegen den damals dreimaligen Champion. Auf eine Wiederholung konnte er verzichten, Verhandlungen über einen Wechsel zu Benetton verliefen im Sand.

Mansell also ging in die boomende IndyCar-Serie und wurde dort auf Anhieb Meister. Prost holte sich Titel Nummer vier in der Formel 1 ab. Aber auch er hatte danach nichts zu lachen: Zwar hatte er einen Zweijahresvertrag mit Williams abgeschlossen, aber dort dockte für 1994 Ayrton Senna an. Senna und Prost – das war eines der intensivsten Teamduelle um den Titel, das die Formel 1 je hervorgebracht hat. Das wollte sich Prost mit 39 Jahren nicht mehr antun. Außerdem liebäugelte er bereits, ein eigenes Formel-1-Team zu gründen. Prost ging also in Formel-1-Rente, dafür kehrte Mansell nach dem Senna-Tod für einige Grand Prix zurück zu Williams. Aber zum zweiten Mal in Folge verteidigte der Champion seinen Titel im Folgejahr nicht – das ist bis heute einmalig.
Rosberg-Rücktritt: Comeback ist ausgeschlossen

In der Bildergalerie zeigen wir noch einmal alle Weltmeister, die am Höhepunkt ihrer Karriere, also als Champion, abgetreten sind.

Autor: Michael Zeitler

Fotos: Picture-alliance

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