Formel-1-Weltmeisterschaft

Akkordarbeit bei Ferrari

Formel-1-Weltmeisterschaft

— 05.04.2005

Akkordarbeit bei Ferrari

Der Druck vor dem Heimrennen in Imola wächst, ein Test jagt den nächsten. Die Konkurrenz fühlt sich verprellt.

Abgesang auf die Roten

Teamchef Jean Todt sah sich genötigt, einen eindringlichen Appell an seine Anhänger zu richten. "Ich rufe die Tifosi auf, uns weiterhin zu unterstützen. Wir werden sie nicht mehr enttäuschen und schon in Imola angreifen." Michael Schumacher sprang ihm bei. "Wir kämpfen uns zurück."

Es könnte kaum schlimmer um die Scuderia bestellt sein, die in Bahrain ein weiteres Fiasko erlebte: Schumachers Ferrari mit Hydraulik-Defekt liegengeblieben, zum ersten Mal seit 59 Rennen, Teamkollege Rubens Barrichello als Neunter überrundet – und ausgerechnet in dieser Form macht das gar nicht mehr weltmeisterliche Team auf seiner Reise um die Welt am 24. April nur 80 Kilometer von Zuhause, in Imola, Station.

Der Druck nimmt zu. Die Kommentatoren der Szene proben den schwülstigen Abgesang auf die Roten. "Die Nase von Schumachers Ferrari war schwarz angestrichen in Gedenken an Papst Johannes Paul II, aber es war vielleicht eine Ummantelung als Signal für den plötzlichen und spektakulären Formverlust der Scuderia", dichtete die "Times". Und der "Guardian" beobachtete: "Meter für Meter, Runde für Runde kam die Erkenntnis, daß sich die Formel 1 an der Schwelle einer epischen Ära befinden könnte."

Bridgestone verspricht Wunderwaffe

Noch ist es nicht so weit. Ferrari wird als Reaktion auf die mickrige Ausbeute von zehn WM-Punkten in der aktuellen Saison und Platz sechs in der Konstrukteurswertung eine der aufwendigsten Testläufe der Geschichte in Gang setzen, ähnlich wie in der Saison 2003, nachdem Fernando Alonso dem Weltmeister in Ungarn eine herbe Niederlage beigebracht hatte. Ferrari wird im Akkord arbeiten und mit allen vier Piloten ausgiebig testen.

Damit gehen die Serienweltmeister weiter auf Konfrontation mit der Konkurrenz. Alle übrigen Teams haben sich auf eine Selbstkontrolle beim Testen verständigt und – bis auf Sauber, das noch in Nibelungentreue zu seinem italienischen Premium-Partner steht – einen Protestbrief an Ferrari-Chef Luca di Montezemolo unterzeichnet. Darin wird er aufgefordert, dem Limit von 30 Testtagen zuzustimmen, um einen Beitrag zur Kostensenkung zu leisten. Ferrari favorisiert ein Kilometerkontingent für jedes Team und jeden Reifenhersteller. Das lehnt die Konkurrenz ab. Die Spitzenteams sind ausnahmslos Michelinkunden, Ferrari bekäme das Bridgestone-Kontingent exklusiv zugesprochen.

Bereits am Freitag schwärmen die Ferraristi beim offiziellen Testtag in Barcelona aus, danach soll auf den Hausstrecken in Mugello und Fiorano geprobt und die Schwachstellen bei Motor und Getriebe ausgemerzt werden. "Trotz der Enttäuschungen von Bahrain wissen wir, daß wir mit dem neuen Auto konkurrenzfähig sind", sagte Todt und machte ein säuerliches Gesicht. Kein Wort verlor er über den sonst gelobten Reifenpartner, dessen Gummi der neue F2005 von Barrichello offenbar so strapaziert hat, daß im Finish sogar die Ferrari-Filiale Sauber mit Felipe Massa am Steuer mühelos vorbeizog.

Technikchef Ross Brawn gab zu: "Weil Barrichello am Ende nicht mehr dagegenhalten konnte und Schumacher früh ausschied, wissen wir auch nicht, ob unsere Rennstrategie Erfolg gebracht hätte." Unisono betonten er und Todt, daß jetzt "viel Arbeit auf uns und unsere Partner zukommt". Bridgestone-Technikchef Hisao Suganuma verspricht, in Imola am 24. April eine neue Wunderwaffe bereitzustellen: "Wir bringen einen ganz neuen Reifen." Die Chancen stehen vor dem Heimspiel bei wohlwollender Betrachtung günstig: Viel schlimmer als in Bahrain mit Defekt und Überrundung kann es fast nicht mehr kommen.

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