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Formel 1: WM-Analyse nach Malaysia

— 02.10.2017

Vettel trotz Rückstand WM-Favorit

Die beiden letzten Rennen liefen gegen Sebastian Vettel - doch vom Speed her steht Ferrari derzeit vor Mercedes. ABMS analysiert die Chancen in der WM.

In der Formel 1 herrscht öfter mal verkehrte Welt. Deshalb gibt es manchmal auch zwei Wahrheiten. So wie nach den Rennen in Singapur und Malaysia. Die eine ist: Statt möglichen zwei Siegen und 50 Punkten hat Sebastian Vettel nur zwölf Zähler und einen vierten Platz geholt. Mercedes Titelrivale Lewis Hamilton gleichzeitig einen Sieg, einen zweiten Platz und 43 Zähler. Deshalb führt der Brite fünf Rennen vor Schluss mit 34 Punkten Vorsprung auf Vettel die WM an.

Vettel legte in Sepang eine starke Pace an den Tag

Es gibt aber auch die andere Wahrheit. Und die macht die WM noch mal richtig spannend. Denn: Der Ferrari war zweimal klar schneller als der Mercedes. In Malaysia, auf dem Papier eigentlich eine Mercedes-Strecke, war der Silberpfeil vom reinen Speed her sogar nur dritte Kraft hinter Ferrari und Red Bull. Deshalb hält sich die Euphorie bei Mercedes auch in Grenzen. Hamilton stellt sachlich fest: "Der Ferrari war in Malaysia in einer Runde um acht Zehntel schneller als wir, der Red Bull sechs Zehntel."

Mercedes-Sportchef Toto Wolff ergänzt: "Wir haben im Rennen 30 Sekunden auf Ferrari verloren. Es stehen noch fünf Rennen bevor, und wir haben gesehen, wie rasch es sich drehen kann. Das macht den Motorsport so spannend." Die Alarmlichter in der Fabrik in Brackley sind auf rot geschaltet. Eine "Task-Force" soll den Problemen jetzt auf den Grund gehen. Besonders muss die Frage beantwortet werden, warum Ferraris neues Aerodynamik-Paket funktionierte, das von Mercedes aber nicht.
Mercedes in Sorge: Wolff beruft Krisensitzung ein

Ein Problem: "Das Auto ist extrem schwierig am Limit zu fahren", kreist Hamiltons Teamkollege Valtteri Bottas die Probleme mit dem Auto ein. Das heißt: Der britische Ausnahmepilot kann die "Silberpfeil"-Bestie in einer Runde im Qualifying noch bändigen, aber im Rennen nicht. Sein finnischer Teamkollege weder noch. Bottas ist im Moment überfordert.

Hamilton wurde Zweiter, baute seinen Vorsprung aus

Die Experten müssen jetzt neu kalkulieren. Denn das Rennen in Malaysia stellte alle Prognosen auf den Kopf. Wenn sich der Trend von Singapur und Malaysia bestätigt, ist der Ferrari auch auf den kommenden fünf Strecken das schnellste Auto. Und Red Bull das zweitschnellste. "Es kann gut sein, dass wir auch in den nächsten Rennen vor Mercedes liegen und damit Sebastian helfen", bestätigt Red-Bull-Chefberater Helmut Marko gegenüber AUTO BILD MOTORSPORT, "die WM ist deshalb noch völlig offen."

Das sieht auch Vettel so: "Wir waren jetzt zweimal deutlich schneller als Mercedes. Unser Tempo ist extrem vielversprechend." Auch die Zuverlässigkeit seines roten Renners macht ihm keine Sorgen. Hintergrund: In Malaysia musste Vettel vom letzten Startplatz ins Rennen gehen, weil sein Motor im Qualifying ein Problem mit dem Turbolader hatte. Aus dem gleichen Grund musste Ferrari Vettels Teamkollege Kimi Räikkönen noch vor dem Start des Rennens zurück in die Garage schieben. "Wir müssen nur verstehen, warum es die Probleme gab", sagt Vettel, "aber da vertraue ich ganz auf meine Jungs."

Holt Vettel dieses Jahr seinen WM-Titel Nummer fünf?

Vom Speed her könnte Vettel selbst eine mögliche Strafe von fünf Startplätzen in Suzuka verkraften. ABMS erfuhr: Erst am Freitag in Japan kann Ferrari mit Sicherheit sagen, ob das Getriebe von Vettel nach dem Crash in Sepang in der Auslaufrunde mit Williams-Youngster Lance Stroll so geschädigt wurde, dass es gewechselt werden muss.

Fest steht: Entscheidet der Speed die WM, wird Vettel noch Weltmeister. Der Schlüssel liegt in der Zuverlässigkeit. Vettel hat da keine Bedenken: "Wir waren sehr zuverlässig diese Saison, deshalb mache ich mir keine zu großen Sorgen. Defekte wie in Malaysia können mal passieren. Ich kann immer noch aus eigener Kraft Weltmeister werden. Deshalb war es sehr wichtig zu sehen, dass wir in den letzten beiden Rennen das schnellste Auto hatten."

Der Crash mit Stroll könnte noch Auswirkungen haben

Technikchef Mattia Binotto sollte ab jetzt kein Rennen mehr auslassen. Er ist der kühle Kopf, der seine Truppe in hektischen Momenten beruhigen kann. Deshalb hat er besonders in Malaysia in der Zeit zwischen drittem Training und Qualifying gefehlt. In diesen drei Stunden musste die Mechaniker Vettels Motor wechseln. Das Problem: Sie waren gewohnt, ganze Pakete nach Baukastenprinzip ins Auto zu setzen. Vettel bekam nach seinen Schaden im dritten Training mit dem alten Motor die nächste Ausbaustufe, die aber erst in Suzuka geplant war.

In der kurzen Zeit war es nicht möglich, das ganze neue System auszutauschen. Deshalb mussten die Mechaniker in einer Art Notoperation alte und neue Teile vermischen. Frankenstein-Motor, nennen Insider das. Gut möglich, dass deshalb der Turbolader nicht richtig funktioniert hat.

Autoren: Ralf Bach, Bianca Garloff

Fotos: Picture-Alliance / J. Andre

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