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Formel 1: Wolff erklärt Emotionsausbruch

"Schwierigste Entscheidung in fünf Jahren"

Keine leichte Aufgabe für Mercedes in Ungarn: Valtteri Bottas und Lewis Hamilton tauschen zweimal die Plätze, verhalten sich dabei aber sportlich fair.
Da kochten auch bei Mercedes-Sportchef Toto Wolff die Emotionen über: Hochspannung in der Schlussphase des Ungarn GP. Lässt Lewis Hamilton seinen Teamkollegen Valtteri Bottas wieder vor, wie es Mercedes am Funk abgesprochen hatte. Oder nimmt der Brite eigenmächtig die drei Extrapunkte für Platz drei mit? Die Antwort lieferte Hamilton erst in der letzten Kurve: Er wartete auf den Finnen und fuhr hinter diesem als Vierter über die Ziellinie.
Wolffs Reaktion im TV wirkte zunächst etwas befremdlich. Denn der TV-Sender Sky zeigte den Österreicher im Moment der Zieldurchfahrt: Der Mercedes-Sportchef klatscht in die Hände, dreht sich zu Niki Lauda um, schlägt einmal auf den Tisch und ein zweites Mal auf seinen Stuhl.
War Wolff etwa sauer über den Rücktausch seiner Fahrer? ABMS fragte bei Mercedes nach: „Nein, es war einfach nur der Abfall der Spannung, als sie die Ziellinie überfahren haben - und Freude darüber, dass die Jungs den Tausch wirklich durchgezogen haben“, erklärte ein Mercedes-Sprecher. Denn zunächst herrschte Unklarheit in der Box: „Wir konnten die Szene nicht live im TV sehen.“ Weil die Weltregie natürlich gerade den Jubel bei Ferrari einblendete. „Also mussten wir auf den Zeitenmonitor schauen. Als es durch war, hat Toto „Yes!“ gerufen. Es war eine sehr aufregende Situation, aber sicher kein Ärger über das Resultat. Ganz im Gegenteil.“

Schwere Entscheidung für Mercedes-Boss Toto Wolff

Wolff selbst erklärte später, er sei glücklich über über den Sportsgeist seiner Fahrer: „Lewis hat sich sportlich fair verhalten. Wir haben uns mit seiner Unterstützung für diesen Weg entschieden, es gab keine Diskussionen“, sagte er nach dem Rennen. Der Mercedes-Sportchef gab aber auch zu bedenken: „Wenn es mit Max Verstappen direkt hinter Valtteri schiefgegangen wäre, hätten wir wie Idioten ausgesehen.“ Obwohl die Rücktauschaktion mustergültig gelang, war Wolff am Ende trotzdem nicht ganz happy.
„Das war vielleicht die schwierigste Entscheidung, die wir in den vergangenen fünf Jahren treffen mussten, denn es wäre naiv zu sagen, dass wir sie sicher nicht bereuen müssen. Wenn wir jetzt wegen drei Punkten die WM verlieren, werden alle sagen: Budapest war der Grund. Und ich wäre der Erste, der sich ins Knie schießt“, sagte der Österreicher.
Doch warum zog Mercedes das Manöver trotzdem durch? Wolff: „Weil wir mit diesem Ansatz drei Weltmeistertitel gewonnen haben. Und weil auf diese Weise noch weitere hinzukommen werden. Heute hat es Lewis drei Punkte gekostet. Und möglicherweise kostet genau das am Ende auch den Titel, das ist uns völlig bewusst. Trotzdem wollen wir als Team so arbeiten. Wir halten uns an das, was wir ankündigen, und dann nehmen wir die Folgen auch in Kauf. Am Ende werden wir weit mehr Rennen und Titel mit diesem Ansatz gewinnen, als wenn wir uns für das Gegenteil entscheiden. Auch wenn es manchmal verdammt schwierig ist, sich an diese Prinzipien zu halten.“

Bottas ließ Hamilton zuerst vor, um Ferrari zu jagen

Hamilton selbst erklärte später: „Ich habe das gemacht, wovon ich glaube, dass es das Richtige war.“ Der Brite gab Einblick in seinen Denkprozess: „Der Kopf sagt natürlich eher, dass jeder Punkt zählt. Aber das Herz sagt, dass es korrekt ist, die Position zurückzugeben.“ Hamilton: „Ich will diese WM gewinnen. Aber auf die richtige Art und Weise. Keine Ahnung, ob mich das noch einmal einholt, aber ich habe heute bewiesen, dass ich mein Wort halte und ein Teamplayer bin. Wir haben hier Einheit demonstriert.“
Die Hoffnung des WM-Zweiten: „Gute Dinge kommen im Leben zurück.“ Deswegen entschied sich der dreifache Champion für die saubere Variante - obwohl das Vorbeilassen von Bottas gar nicht so einfach war. „Es war riskant, denn zwischen uns waren viele Überrundete und nur eine Sekunde hinter Valtteri schon ein Red Bull. Ich glaube allerdings, dass ich heute der Schnellere von uns beiden war. Deswegen wollte ich die Ferraris angreifen und durfte das auch. Wenn Valtteri anschließend zwei Sekunden hinter mir geblieben wäre, wäre es auch kein Problem gewesen. Aber zwischenzeitlich hatte er schon sieben Sekunden Rückstand. Das hat es am Ende schwierig gemacht.“

Hamilton hielt Wort: Bottas durfte mit aufs Podium

Dass er Abreißen lassen musste, erklärte der Finne später selbst: „Ich habe sehr viel Zeit mit Überrundungen verloren, gefühlt hat mich heute jeder aufgehalten. Deshalb hatte ich schon die Befürchtung, dass es mit dem Zurücktauschen ein Problem werden könnte.“ Aus diesem Grund fragte Bottas zwei Runden vor Schluss auch schon einmal via Funk an, wann er wieder vor darf. Bottas: „Ich danke dem Team und Lewis, dass er sein Versprechen gehalten hat. Dafür habe ich ihm davor die Möglichkeit gegeben, die Ferraris zu jagen.“
Wie hätte Bottas reagiert, hätte Hamilton die Podestplatzierung behalten? „Ich wäre schon sauer gewesen, denn so sind nun mal die Regeln, wenn man es vorher abspricht. Für uns als Team ist es aber sehr wertvoll, wenn man sich auf den Stallkollegen verlassen kann.“ Auch Hamilton erklärte: „Valtteri und ich haben größten Respekt voreinander. Wir arbeiten im Team besser zusammen als jemals zuvor. Und als Valtteri zuerst gefragt wurde, ob er mich durchlässt, hat er es ja auch sofort gemacht. Deshalb gilt das Gleiche auf für mich.“

Autor: Frederik Hackbarth

Fotos: Picture-Alliance

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