Formel 1

Frauen in der Formel 1: Alle Rennfahrerinnen

Formel 1: Zoff um Rennfahrerin

Das ganze Interview mit Carmen Jordà

Carmen Jordà hat auf Twitter einen Shitstorm losgetreten. Sie findet: Für Frauen ist die Formel 1 zu schwer. Auslöser: ein Interview mit AUTO BILD MOTORSPORT.
Ausgerechnet am Weltfrauen-Tag bekommt Carmen Jordà, die hübsche blonde Spanierin, die 2015 und 2016 als Formel-1-Testfahrerin die Garage des Renault-Teams schmückte, verbale Prügel im Internet. Grund: In einem Interview hatte sie behauptet, Formel 1 sei für Frauen zu schwierig.
Schon gestern konterte Ex-Weltmeister Jenson Button: „Oh Carmen, du hilfst richtigen Rennfahrerinnen so gar nicht mit dieser Aussage. Frag mal Danica Patrick. Sie würde mir im Fitnessstudio in den Arsch treten und ist wahrscheinlich genauso fit wie jeder Formel-1-Fahrer. Physische Barrieren sind nicht dein Problem, Carmen.“

Frauen in der Formel 1: Alle Rennfahrerinnen

Auch Ex-DTM-Rennsiegerin Ellen Lohr kann nur den Kopf schütteln über ihre Kollegin aus Spanien. „Man braucht sich doch nur mal die ganzen jungen männlichen Formel-1-Fahrer von heute anschauen: Die sind 1,60 Meter groß und wiegen 55 Kilogramm – wieso sollte eine Frau da nicht mithalten können?“ Besonders prekär: Jordà sitzt eigentlich in der FIA-Frauenkommission, soll also Werbung für Frauen im Motorsport machen.

Carmen Jordà testete in Mexiko einen Formel-E-Renner

Inzwischen hat sie ein Statement herausgegeben, das eine komplette DinA4-Seite umfasst: „Während eines Interviews wurde ich danach gefragt, einen Formel-E-Rennwagen mit einem Formel-1-Auto vergleichen und dann spezifisch danach, ob es einfacher wäre für Frauen in der Formel E statt in der Formel 1 zu fahren. Durch meine Erfahrung mit beiden Autos, habe ich meine persönliche Meinung widergegeben, dass Formel-E-Fahren physisch weniger anspruchsvoll ist als Formel 1 – wegen des geringeren Abtriebs.“
Wir geben ja zu: Schuld ist AUTO BILD MOTORSPORT. Unser Redakteur Michael Zeitler hat den Formel-E-Test von Jordà in Mexiko beobachtet und hinterher die bösen Fragen gestellt. Jorda: „Es war nie meine Absicht andere Frauen davon abzuhalten, an der Königsklasse unseres Sports teilzunehmen oder zu sagen, dass sie physisch dazu nicht in der Lage sind. Meine Aussagen sind nur eine Antwort auf die direkte Frage „denkst du, Formel E wäre für Frauen einfacher?“Bisher haben wir davon abgesehen, die Quotes zu veröffentlichen. Weil das Interview aber von einem PR-Mann der Formel E mitgeschnitten und anderen Medien zugespielt wurde, wollen wir hier das vollständige Interview im Wortlaut abdrucken und veröffentlichen:
Frau Jordà, wie ist der erste Eindruck des neuen Formel-E-Flitzers?
Carmen Jordà (29): Ich muss sagen: Ich liebe das Auto. Viele Fahrer haben mir gesagt, das Auto sei schwierig zu fahren, weil es keinen Grip hat, weil das Bremsen kompliziert ist, weil das Energiemanagement schwierig ist. Aber: Natürlich bin ich nur einen Test gefahren, kein Rennen oder gar ein Rennwochenende, aber es ist ein großartiges Auto, sehr lustig zum Fahren. Ich hatte ein paar Mal blockierende Räder, weil ich verschiedene Dinge ausprobiert habe. Du gewöhnst dich auch dran, dass du den Motor nicht hörst. Runde für Runde konnte ich dann mehr pushen. Alles in allem ist es ein tolles Auto.
Können Sie einen Vergleich zu einem Formel-1-Auto ziehen?
Ich würde es mit einem Formel-3-Auto vergleichen. Denn das Auto hat nicht so viel Abtrieb wie zum Beispiel ein Formel-1- oder auch Formel-2-Renner.
Sie sind viel zitiert worden, dass Formel 1 für Frauen ein bisschen zu schwer ist. Denken Sie, die Formel E wäre einfacher für Frauen?
Ja, das denke ich. Es ist ein Auto, dass wegen des geringen Abtriebs physisch nicht so anstrengend ist wie ein Formel-1-Renner. Die Herausforderungen, die wir Frauen in der Formel 1 und Formel 2 mit den physischen Gegebenheiten haben, haben wir hier nicht. 
Sie sind auch in der FIA-Frauenkommission. Was genau machen Sie da?
Ich bin ein Mitglied der FIA-Frauenkommission. Da gibt es viele andere Frauen. Unser Ziel ist es, mehr Frauen in den Rennsport zu bringen, denn wir wollen den Motorsport genauso attraktiv für Frauen wie jeden anderen Sport machen. Es gibt immer mehr Frauen im Rennsport, auch in anderen Rollen wie bei den Ingenieuren. Wir wollen, dass es nicht so aussieht, als wäre der Motorsport eine Männer-Welt.

In der Formel 1 war sie zwei Jahre Testfahrerin

Noch mal zurück zu Ihren Aussagen darüber, dass die Formel 1 zu schwer ist für Frauen. Diese wurden ja stark kritisiert. Was ist Ihre Antwort darauf?

Es liegt nicht an mir, zu entscheiden, was gut ist für Frauen in diesem Sport und was nicht. Aber mit meiner Erfahrung, kann ich nur sagen: In Serien wie Kart, Formel 3 oder GT-Racing sind wir Frauen in der Lage dazu, gute Ergebnisse einzufahren, aber in der Formel 2 und in der Formel 1 gibt es eine Barriere – und das eine physische. Denn in der Formel 1 hast du viel Abtrieb und das ist ein Problem und der Grund, wieso wir hier nicht so viele Frauen sehen.
Welcher Frau würden Sie es derzeit am meisten zutrauen, ein Formel-E-Rennen zu gewinnen?
Wir müssen die Formel E als Serie auf einem hochprofessionellen Niveau betrachten. Was ich gerade getestet habe, ist kein superschwieriges Auto. Aber du musst viel beachten, was das alles so schwierig macht. Die Formel E hatte schon ein paar Frauen, die hier gefahren sind – warum also sollten wir davon nicht mehr haben?

Autor: Michael Zeitler

Fotos: Picture Alliance / Hersteller

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