Formel 1: Die Hinterbänkler

Formel 1: Zwei-Klassengesellschaft

So spannend wäre es ohne Topteams

Die Aufholjagden der Topstars in den letzten Rennen sind beeindruckend und besorgniserregend. Die Zweiklassengesellschaft in der Formel 1 ist erdrückend.
Formel-1-Boss Ross Brawn ist besorgt: „Die Aufholjagd von Lewis Hamilton in Silverstone war ein Beweis für sein fahrerisches Können, aber gleichzeitig auch für die Zweiklassengesellschaft in der Formel 1. Dass der Abstand zwischen den Topteams und dem Mittelfeld so groß ist, ist eine Schande.“
Lewis Hamilton war nach dem Startcrash mit Kimi Räikkönen nach der ersten Runde auf Rang 17 zurückgefallen. Im zweiten Umlauf war er schon 15., nach sechs Runden Zehnter, nach zehn schon Sechster – und damit wieder vor dem kompletten Mittelfeld! Hamilton hat in jeder Runde mindestens einen Fahrer überholt. Und das war kein Einzelfall. Auch Sebastian Vettel und Valtteri Bottas pflügten nach ihrem Startcrash in Frankreich durchs Feld. Vettel brauchte 15 Runden, Bottas immerhin 29, bis das Mittelfeld wieder abgeschlagen war. Heißt auch: Selbst wenn die großen Teams im Rennen patzen, können die kleinen Rennställe nicht mehr davon profitieren.
Vergleich kleine Teams früher und heute: So chancenlos sind sie
Renault-Einsatzleiter Alan Permane geht sogar soweit, dass er schon die Saison 2019 abschreibt! Permane: „Die Topteams haben überall Vorteile. Das kannst du nicht in einem Winter ausgleichen. Das ist ein Prozess über Jahre.“

Nico Hülkenberg ist der stärkste Mann der Mittelfeldteams

Auch im Qualifying zeigt sich die Misere: Im Schnitt fehlt dem besten Fahrer des Mittelfelds 1,4 Sekunden auf die Poleposition und 0,6 Sekunden auf den schlechtesten Fahrer der Toprennställe Mercedes, Ferrari und Red Bull. Nur beim Österreich-GP konnte Romain Grosjean einen der Top 6 hinter sich lassen – Daniel Ricciardo.
Der Klassenunterschied zwischen den Topteams und den Mittelfeld-Mannschaften ist deswegen so bitter, weil es ohne die Dominanz der großen Mannschaft nochmal deutlich spannender wäre. Würden die Mercedes, Ferrari und Red Bull nicht dabei sein, hätten wir mit Fernando Alonso (McLaren-Renault), Pierre Gasly (Toro-Rosso-Honda), Nico Hülkenberg (Renault), Sergio Pérez (Force-India-Mercedes), Kevin Magnussen (Haas-Ferrari) und Esteban Ocon (Force-India-Mercedes) sechs verschiedene Sieger in den ersten sechs Rennen gesehen. In der WM würde Hülkenberg mit 138 Punkten vor Magnussen (123), Carlos Sainz (117), Alonso (108) und Ocon (107) anführen. Der Kampf um den Sieg in der Formel 1B ist also mindestens so spannend und intensiv wie der um den WM-Titel.
Besserung ist frühestens mit dem neuen Formel-1-Reglement 2021 in Sicht. Aber dafür bräuchte maneine Budgetobergrenze. Zwischen den Topteams und den Mittelfeldteams liegen nämlich Budgetunterschiede von rund 300 Millionen Euro.

Formel 1: Die Hinterbänkler

 

Autor: Michael Zeitler

Fotos: Picture-alliance

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