Formel 3000

Formel 3000 Formel 3000

Formel 3000

— 03.04.2002

Samba-Partie

Vier Brasilianer vorn beim Saisonauftakt der Internationalen Meisterschaft der Formel 3000. Die deutschen Neulinge tanzten bei der Superparty in São Paulo hinten.

Unbeachtet klettert Alexander Müller im Parc Fermé aus seinem Durango-Cockpit. Alle Blicke richten sich auf seinen Teamkollegen, auf Rodrigo Sperafico. Müller stiefelt frustriert aus dem im Sambarhythmus kochenden Getümmel. Nur einen kurzen Seitenblick wirft der 23-Jährige aus Rees auf den laut jubelnden Markengefährten. Denn der hat sein erstes Formel-3000-Rennen gewonnen. Ausgerechnet beim Saisonauftakt, dazu noch in seiner Heimat Brasilien, beim Rahmenrennen am Samstag vor dem dritten WM-Lauf der Formel 1. "Ich bin superglücklich und hatte natürlich auch viel Glück", grinst Ricardo Sperafico, während ihm dicke Sekttropfen am Hals runterlaufen.

Glück für Ricardo Sperafico

Lange Gesichter: Alex Müller fuhr das gleiche Auto wie der Sieger. Dennoch: Am Ende nur Platz 11.

Den Sieg hat der Brasilianer mehr oder weniger geerbt. Der starke Tomas Enge (Arden), Ex-Formel-1-Pilot von Prost und nun bereits in seinem vierten Formel-3000-Jahr, lag schon mit über elf Sekunden Vorsprung uneinholbar an der Spitze. Doch fünf Runden vor dem Ziel streikte die Benzinpumpe des Tschechen. In dieser 30. Runde kollidiert das Nordic-Duo Zsolt Baumgartner (Ungarn) und Ryan Briscoe (Australien). Baumgartner bleibt dabei so ungünstig auf der Strecke, dass das Safety-Car für drei Runden vors Feld kommen muss. Das hilft dem neuen Leader Sperafico enorm. Ganz und gar nicht begeistert von dem Vorfall ist Nicolas Kiesa.

Deutsches Team im Pech

Der Däne, fürs neue deutsche PSM-Team unterwegs, verliert durch die Safety-Car-Phase ein sicheres Polster und dann in den letzten beiden Runden mit freier Fahrt zwei Plätze. Sein Zytek-Einheitsmotor bockt. "Wir sind das ganze Rennen nicht auf die mögliche Leistung von 450 PS gekommen. Die Maschine war zu schwach", erklärt PSM-Teamchef Sigi Müller. Obwohl die beiden Fahrer des erfolgreichen Ex-Tourenwagenprofis als letzte die Ziellinie überqueren, strahlt Müller. Für das Neueinsteiger-Team aus Wetter zählt an seinem ersten Formel-3000-Rennwochenende ganz anderes. "Das größte Problem für uns ist, dass alles neu ist.

Vor allem war hier wichtig, dass ich 35 Runden am Stück mit diesem Auto durchfahren konnte", sagt der zweite PSM-Pilot, Tony Schmidt. Der Solinger hat in der zweiten Runde ein Techtelmechtel mit Björn Wirdheim (Arden). Ergebnis: Der Schwede hat auf dem rechten Seitenkasten einen großen schwarzen "Knutschfleck" und Schmidt eine krumme Spurstange. Beide schaffen die 150-Kilometer-Distanz. Feiner Unterschied: Wirdheim wird Fünfter, holt bei seinem Formel-3000-Debüt zwei Punkte; Schmidt wird mit seinem stark vibrierenden Lola-Einheitschassis 16. und Letzter. Dafür ist seine Truppe beim Zusammenpacken eine der Ersten. Ihre zweieinhalb Meter vor der Jordan-Box gelegene Arbeitsfläche ist schon 15 Minuten nach der Zielflagge wieder blank.

Hoffnung auf Besserung in Imola

Siegreiches Heimspiel für Brasilianer: Saisonauftakt der Internationalen Meisterschaft der Formel 3000 in Sao Paulo.

Der weiße Leih-Truck tuckert aus der Boxengasse ins außerhalb der Piste verbannte Formel-3000-Fahrerlager. Die 15-köpfige PSM-Truppe fiebert jetzt dem ersten Europa-Rennen übernächsten Samstag in Imola entgegen. "Dort kennen wir die Strecke und wissen schon eine ganze Menge mehr über Auto und Set-up", schöpft Tony Schmidt vage Hoffnung.

Derweil schmollt der andere deutsche Pilot hinter einer kleinen grauen Mauer am Zelt des Durango-Teams. Alexander Müller schildert erschöpft und zerknirscht den Eltern via Handy sein Rennen: "Wenn ich das gleiche Getriebe wie mein Teamkollege gehabt hätte, wäre mehr drin gewesen als Platz 11. Meine Gänge waren immer noch zu lang übersetzt, wie im Qualifying. Darum habe ich keinen Topspeed von 260 km/h geschafft, um aus dem Windschatten überholen zu können."

Keine zehn Meter entfernt knallen erneut die Schampuskorken. Rodrigo Sperafico feiert mit seinem Zwillingsbruder Ricardo (Petrobras Junior), der Siebter wurde, Cousin Alex Sperafico (Minardi, Ausfall) und den Kollegen den brasilianischen Vierfachtriumph. "Das tue ich mir heute nicht mehr an", stöhnt Alex Müller mit einer zuckenden Kopfbewegung rüber zu den feiernden Kollegen. Rasch wuselt er an seiner Tasche und macht sich startklar zur Abfahrt. Auch ihm bleibt nur die Hoffnung Ausfahrt in Imola.

Diesen Beitrag empfehlen

Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.