Formel E 2015/2016

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Formel E: Bruno Senna exklusiv

— 23.10.2015

Mehr Profis als in der Formel 1

Bruno Senna spricht im Exklusivinterview mit AUTO BILD MOTORSPORT über seinen neuen Teamkollegen Nick Heidfeld und das Standing der Formel E.

Bruno, das letzte Mal als wir uns gesehen haben ist schon ein Weilchen her. Damals hast du gerade die Bandini-Trophäe als bester Nachwuchsfahrer in der Formel 1 gewonnen...

Bruno Senna (unterbricht): Das Ding steht heute noch bei mir zu Hause! Ich erinnere mich gut, denn es ist mit Abstand die schwerste Trophäe, die ich je bekommen habe. Zum Glück war ich damals mit dem Auto vor Ort und habe sie im Kofferraum wegbekommen. Sie wiegt locker 25 Kilo, es ist wirklich kein Spaß sie hochzuheben.

Ach, als Training kann das doch nicht schaden...

Oh ja, Siegerpokale stemmen - das wäre in der Tat eine schöne Form zu trainieren!

Na dann kann du dieses Jahr in der Formel E doch gleich damit anfangen?

(lächelt verschmitzt) Es ist ja nicht so, als ob ich das nicht schon probiert hätte. Das kannst du mir glauben...

Wie stehen denn nach den Testeindrücken die Chancen, dass wir dich diese Saison öfter jubeln sehen?

An die Arbeit: Bruno Senna klettert ins Cockpit seines Mahindra und will in Saison zwei die Spitze angreifen

Unser Auto ist eine gute Evolution von letzter Saison. Jeder im Team weiß jetzt mehr über den Wagen und das gesamte Paket. Wo wir alle genau stehen, ist natürlich immer schwer vorherzusagen - aber wenn man die Daten im Vergleich zum Vorjahr ansieht, haben wir gute Fortschritte erzielt. Das ist immerhin schon einmal eine positive Referenz, an der wir uns orientieren können.

Wo liegen eure Stärken, auch mit Blick auf die neue Weiterentwicklung des Antriebs?

Unsere Stärke ist ganz klar, dass wir sehr zuverlässig sind! Eben weil wir eine Evolution des letztjährigen Autos betrieben haben und viel weniger neue Teile im Auto sind als bei vielen anderen Teams. Das kann gerade zu Saisonbeginn sehr gewinnbringend für uns sein, wenn die Konkurrenz noch ihr Paket kennenlernt. Wir sind nicht das schnellste Auto, aber viel fehlt uns dazu auch nicht - und auf den Straßenkursen ist es sowieso nicht so problematisch, wenn ein oder zwei Zehntel fehlen, man dafür aber konstanter ist.

Andersherum kann ich dann aber auch fragen: Warum wart ihr nicht so innovativ wie eure Gegner?

Posieren in der Boxenstraße von Donington: Der Name Senna zieht auch in der Formel E viel Interesse auf sich

Sicher sind wir in Sachen Entwicklung konservativer unterwegs gewesen als viele der anderen Teams. Aber das Resultat am Ende zählt. Vereinfacht kann man sagen: Wenn es darum gegangen wäre, mehr Power aus der Batterie rauszukriegen, zum Beispiel 300 Kilowatt, dann hätte man einen komplett neuen Motor bauen müssen. Aber wegen des Powerlimits (200 Kilowatt; d. Red.) macht es wenig Sinn, darauf die Ressourcen zu verschwenden. Verbessern wird man sich durch die Effizienz – und zwar nur dadurch. Das ist der einzige Weg, wie man das Auto im Moment stärker machen kann. Einfach nur mehr Power zu generieren, bringt also wegen der Limitierung nichts. Wenn man gleich viel Power hat, aber ein paar Prozent effizienter ist, dann bedeutet das, dass man die Power besser nutzt - in Sachen Temperatur, Beschleunigung und so weiter.

Wie ist es eigentlich um das Interesse an der Formel E in deiner Heimat Brasilien bestellt? Ihr seid ja auch ein sehr rennverrücktes Land...

Der Fakt, dass mit Nelson (Piquet jr.) und Lucas (di Grassi; d. Red.) letzte Saison zwei brasilianische Jungs um die Meisterschaft gekämpft haben, war natürlich sehr gut. Nelson hat am Ende den Titel geholt, das war auch gut für die Publicity. Außerdem ist die Formel E eine Art des Rennfahrens, die die Brasilianer besser verstehen als beispielsweise Langstreckenrennen im Sportwagen. In Brasilien gibt es die Formel 1 und Stock Cars, dann lange nichts und erst dann kommt der Rest. Die Formel E kommt aber definitiv gut an.

Stichwort Formel 1: Mit Jacques Villeneuve fährt heuer ein ehemaliger Weltmeister in der Formel E mit. Was denkst du wie er sich schlagen wird?

Gute Laune bei den Testfahrten: Bruno Senna und ABMS-Reporter Frederik Hackbarth in der Box

Es kommt natürlich darauf an wie sein Auto ist. Er hat mit Stéphane Sarrazin einen guten und erfahrenen Teamkollegen. Auch er selbst verfügt natürlich über reichlich Erfahrung, aber es ist klar, dass alle anderen nun ein Jahr Vorsprung haben und auch die Strecken schon kennen. Zwar ändern sich einige Strecken vielleicht noch ein bisschen, einfacher ist es aber allemal, wenn man die Kurse größtenteils schon kennt.

Warst du überrascht, dass sich Jacques so eine Herausforderung mit 44 Jahren noch einmal antut?

Als wir zum ersten Mal nach der Verkündung seines Engagements gesprochen haben, habe ich ihn gefragt, was er hier macht. Jacques ist immer sehr klar in seinen Aussagen und sagt auch, wenn ihm etwas nicht gefällt. Ich hätte nicht gedacht, dass die Formel E ihm taugt, denn die Autos sind hier nicht besonders schnell. Aber seine Antwort war eigentlich ganz gut: Er hat gesagt, dass es so eine wettbewerbsstarke Serie ist und die Rennen sehr gut und unterhaltsam sind. Das hat ihn angelockt. Und so empfinde ich es auch.

Neben Jacques sind noch einige andere alte Hasen im Feld - mit Nick Heidfeld ist einer von ihnen nun dein neuer Teamkollege bei Mahindra. Wie kommt ihr zurecht?

Der Deutsche Nick Heidfeld ist Sennas Teamkollege: Ihn gilt es für den Brasilianer als Erstes zu schlagen

Nick hat natürlich eine gute Reputation und es ist bisher interessant, mit ihm zu arbeiten. Wir kommen gut miteinander klar und sein technisches Feedback ist sehr beeindruckend, genauso wie sein Wissen über das Auto. Er ist auch schnell, wir pushen uns also gegenseitig und lernen so als Team noch mehr dazu. Aber er ist eben auch mein Teamkollege und ich will ihn schlagen. Das kommt natürlich schon als Erstes in den Kopf, da bin ich ganz ehrlich.

Apropos als Erstes in den Kopf kommen: Wie immer hat die Formel E vor dem Saisonstart in Donington getestet. Beim Gedanken an diese Strecke kommt dem Rennsportfan natürlich die Sternstunde deines Onkles Ayrton in den Sinn, der hier 1993 beim einzigen Gastspiel der Formel 1 in der ersten Runde fünf Autos überholt und einen fulminanten Sieg im Regen gefeiert hat. Geht es dir auch so, wenn du dort aus der Garage fährst?

Als ich erstmals in Donington war, bin ich noch Formel BMW gefahren. Es war eines meiner ersten Rennen und dann noch an diesem speziellen Ort. Da war die Erinnerung natürlich schon sehr präsent. Ich kann mich sogar noch daran erinnern, wie ich das Rennen 1993 als kleiner Junge im TV gesehen habe. Danach dachte ich immer, dass Ayrton ab sofort jedes Regenrennen gewinnen muss! Als ich dann selbst hier war, dachte ich nur: Wow! Ich bin ins Museum gegangen, habe (Streckenbesitzer; d. Red.) Tom Wheatcroft getroffen und so weiter. Heutzutage komme ich nach Donington und es ist nur noch business as usual. Aber ich mag die Strecke trotzdem gerne, schon seit der Formel 3. Für die Formel-E-Autos ist ihre Charakteristik zwar nicht ideal, aber der Kurs an sich ist trotzdem toll.

Die letzte Frage dreht sich wie so oft im Leben um Geld. Wie viel verdienst du als Formel-E-Fahrer eigentlich?

Fachsimpeln unter Fahrerkollegen: Senna erklärt Stefano Coletti (l.) wie er das Auto um die Ecken wirft

(lacht) Eine genaue Zahl werde ich dir nicht verraten! Außerdem fahre ich ja neben der Formel E auch noch für McLaren in der Blancpain Endurance Series. Daher kann ich auch sagen: Das Grundgehalt in der Formel E ist wahrscheinlich ähnlich wie das, was man im GT-Sportwagenbereich verdient. Aber hier gibt es zusätzlich einen Punktebonus, was die ganze Sache natürlich noch attraktiver macht. Die Formel E ist meiner Meinung nach eine tolle Serie, mit der man gut verdienen kann. Aber klar, sie ist nicht die Formel 1.  Wobei man dazu sagen muss, dass nur ein paar Formel-1-Fahrer wirklich Geld verdienen, denn es gibt dort zu viele Paydriver. Und wahrscheinlich sind deswegen hier sogar mehr professionelle Fahrer im Feld als das in der Formel 1 der Fall ist!

Die Formel-E-Saison beginnt am Samstag (24.10.) in Peking. Lesen Sie als nächstes in unserem großen Special zum Saisonstart bei AUTO BILD MOTORSPORT, wie die Piloten von Renault e.dams ihre Chancen bewerten. Vizemeister Sebastien Buemi und Nicolas Prost starten als Titelfavoriten in das zweite Jahr.

Autor: Frederik Hackbarth

Fotos: Frederik Hackbarth

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