Formel E 2015/2016

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Formel E: Daniel Abt exklusiv

— 21.10.2015

Ich will die Fehler ausmerzen

Daniel Abt spricht im Exklusivinterview mit AUTO BILD MOTORSPORT über den bevorstehenden Saisonstart der Formel E und seinen Kollegen Nick Heidfeld.

Herr Abt, welchen Eindruck haben Sie vor dem Saisonstart der Formel E von ihrem Auto für das zweite Jahr?

Daniel Abt: Einen positiven! Der Antrieb ist neu, aber nicht nur das – wir haben auch ein anderes Getriebe und eine andere Hinterradaufhängung. Die Beschleunigung ist schon einmal besser als letztes Jahr. Sobald man den Punkt erreicht, an dem man die volle Leistung hat, ändert sich aber nichts mehr (weil die Power auf maximal 200 kW (272 PS) beschränkt ist; d. Red.).

Sie klingen zufrieden. Wie sieht mit dem augenscheinlich guten Auto im Rücken ihre Zielsetzung für diese Saison aus?

Grundsätzlich habe ich einen hohen Anspruch. Wenn wir ein siegfähiges Paket haben, möchte ich auch um den Sieg fahren. Persönlich will ich mich im Vergleich zum Vorjahr noch weiter steigern und die Fehler ausmerzen. Wichtig ist es, dass die ersten Rennen gut laufen und man gleich den Anschluss hat. Letztes Jahr ging das in die Hose, was wiederrum die Art und Weise verändert wie man ein Wochenende angeht, einfach weil man dann mehr Risiko eingehen muss.

Inwiefern waren Sie als Fahrer an der Entwicklung der Neuerungen am Auto beteiligt?

Regen bei den Testfahrten: Doch geht es nach Daniel Abt, macht er diese Saison die Konkurrenz nass

Wir Fahrer versuchen natürlich schon, so gut es geht, involviert zu sein. Aber das geht auch nur so weit, wie es unser Wissen ermöglicht, denn wir sind ja keine gelernten Techniker. Ein bisschen kennt man sich aber schon aus, kann Feedback geben – zum Beispiel wenn es darum geht, mit wie vielen Gängen wir fahren. Da kann ich als Fahrer sagen, dass ein Zweigang-Getriebe angenehmer ist, weil man weniger schalten muss. Am Ende zählt aber natürlich das, was die Ingenieure ausrechnen und was bei den Simulationen rauskommt. Das sieht man auch daran: Wir fahren jetzt mit drei Gängen (lacht).

Damit unterscheiden Sie sich zumindest von vielen ihrer Konkurrenten...

Ja, zwei Teams, Virgin und China, haben zum Beispiel nur einen Gang. Das ist dann wie eine Automatik. Es gibt eben verschiedene Konzepte und je nach Konzept ist es ein anderer Ansatz.

Wenn man sich im Fahrerlager umhört, gibt es noch etwas, wo sich das Team ABT vom Rest unterscheidet. Ihr Auto ist deutlich lauter. Weshalb?


Ja, das stimmt, unser Motor ist auf jeden Fall lauter. Aber wir haben ein Konzept mit einem neuen Motor und alle anderen, die auch nur einen Motor haben, haben eigentlich nur die McLaren-Weiterentwicklung, da hat sich der Sound also nicht wirklich verändert. Und der Rest hat Zwei-Motor-Konzepte, das klingt dann wieder anders.

Die Frage, warum ihr Motor nun lauter ist, beantwortet das aber noch nicht ganz.

Es hängt mit vielen Themen zusammen, natürlich auch mit dem Getriebe. Gerade der erste Gang ist bei uns sehr laut. Aber ich finde das gut. Jedes Team hat seine eigene Klangfarbe. Man kann sich damit identifizieren und die Leute an der Strecke können vielleicht auch Unterschiede raushören.

Stichwort Unterschiede: Haben sich die Reifen im Vergleich zum Vorjahr verändert?

Großer Andrang und interessierte Blicke bei der Vorstellung des ABT-Autos für die zweite Saison

Diesbezüglich habe ich nichts bemerkt, die Reifen sind unverändert. Wir fahren in der Formel E ja keine reinen Rennreifen. Und das trägt wesentlich dazu bei, dass wir so spannende Rennen haben. Mit Slicks würden die Autos auf der Straßen kleben, es würden kaum Fehler passieren. Für uns Fahrer wäre das Leben dann zwar sicher einfacher, die Zeitabstände würden vielleicht sogar noch geringer werden, aber letztendlich bringt das niemandem was – weder den Fahrern, noch der Show, weil das Überholen viel schwieriger wird. Auf gleichem Level und mit vielen Einheitsteilen ist es eben schwer zu überholen. Der aktuelle Reifen ist gut zu fahren, konstant und baut nicht ab. Man muss also keine konkrete Reifenstrategie haben, aber der Grip ist jetzt auch nicht so hoch, dass man total easy damit fährt.

Mit den Allwetterreifen soll in der Formel E Seriennähe suggeriert werden. Hand auf's Herz: Wie viel für die Serie verwertbare Technologie steckt wirklich in ihrem Rennauto?

Man kann es auch so sehen: Im Serienauto hat man andere Möglichkeiten, denn hier versucht man alles auf kleinsten Raum zu packen und gewichtsoptimiert zu machen. Man kann hier ans Limit gehen und die Entwicklungen dann übertragen, aber eben in einem anderen Maßstab. Die Technik eins zu eins zu übernehmen würde keinen Sinn machen.

Neben ihnen fährt mit Nick Heidfeld noch ein zweiter Deutscher in der Formel E. Wie kommen sie beide miteinander aus?

Ich kannte Nick nur aus dem Fernsehen. Wir haben uns dann kenngelernt, miteinander gesprochen und es war gleich Sympathie da. Bei Rebellion (Abts und Heidfelds Team in der Sportwagen-WM; d. Red.) haben wir dann nochmal auf ganz anderer Ebene zusammengearbeitet. Nick ist ein super netter Kerl, wir reden immer ganz offen miteinander und ich kann nur Positives über ihn sagen.

Wie bei ihnen, lief auch bei Heidfeld die erste Saison nicht ganz nach Wunsch. Anders als Sie hat er für Jahr Nummer zwei nun das Team gewechselt. Wie bewerten Sie das?

Bei den Buchmachern hat Abts Familienteam die Nase nach den Testeindrücken in Donington vorne

Man muss dabei sicherlich auch die Situation sehen, in der er war. Ich hatte so eine Situation in der GP2 auch schon einmal: Man ist bei einem Team, bei dem man gute Ergebnisse erwartet. Wenn man dann so ein Seuchenjahr hat und viele Dinge schiefgehen, auch weil das Team viele Fehler macht, ändert das einfach etwas an der Beziehung, die man zueinander hat – selbst wenn man die Hoffnung hat, dass es besser wird. Nach einem Jahr hat man kein gutes Verhältnis mehr, wenn zu viele Dinge schiefgehen. Das Vertrauen dann wieder herzustellen ist schwierig. Deswegen kann ich es vollkommen nachvollziehen, wenn Nick sagt, dass er es fortan woanders probiert. Bei einem neuen Team kann er von vorne anfangen, dort sind andere Leute, mit denen er die Beziehungen neu aufbauen kann. Ich glaube, ich hätte es an seiner Stelle ganz genauso gemacht!

Sie sagen, Sie haben in der GP2 etwas Vergleichbares erlebt. Wie sieht denn abseits der Formel E ihre persönliche Zukunft aus. Sieht man Sie vielleicht doch noch einmal in der GP2, um von dort den Sprung in die Formel 1 zu schaffen?

Nein, die GP2 mache ich auf keinen Fall noch einmal!

Ist das Trauma von damals so groß?

Es gibt einfach keinen rationalen oder logischen Sinn, um in der GP2 zu fahren. Es bringt nichts! Die letzten Meister sind alle nicht in die Formel 1 gekommen. Wenn man in die Formel 1 will, muss man sich irgendwie zeigen und Geld haben... oder von Anfang an eine Förderung im Juniorteam. Für mich persönlich gilt: Mir macht es viel Spaß hier, so wie es sich entwickelt hat. Es herrscht in der Formel E schon nach nur einem Jahr ein qualitativ hochwertiges Level und solange es so weitergeht, sehe ich auch keinen Grund woanders hinzugehen. Die Formel E hat oberste Priorität.

Das gute Level der Fahrer ist in der Tat ein Argument. Mit Jacques Villeneuve hat die Serie nun Zuwachs in Form eines Formel-1-Weltmeisters erhalten. Was denken Sie, wie er sich schlagen wird?

Mit Vollgas in die Zukunft: Das Thema Formel 1 hat Abt abgehakt, konzentriert sich ganz auf die Formel E

Klar ist nur, dass es für Jacques nicht einfach wird. Man darf das nicht unterschätzen. Die Autos sind nicht leicht zu fahren und wir anderen kennen alle schon die Strecken. Es gibt also schon gewisse Nachteile, die er nun hat. Auch weiß ich nicht, wie seine Fähigkeiten noch sind. Er ist ja auch schon in einem gewissen Alter (schmunzelt). Man kennt es von anderen Fahrern, die werden natürlicherweise mit dem Alter etwas langsamer. Aber wer weiß... vielleicht überrascht er uns am Ende auch alle?!

Die Formel-E-Saison beginnt am Samstag (24.10.) in Peking. Lesen Sie morgen in unserem großen Special zum Saisonstart bei AUTO BILD MOTORSPORT, warum Jacques Villeneuve in der Strom-Serie ein Comeback gibt und mit welchen Zielen er in sein Premieren-Jahr startet.

Autor: Frederik Hackbarth

Fotos: Frederik Hackbarth

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