Lucas di Grassi oder Sebastien Buemi: Wer jubelt in London über den Titel?

Formel E Finale England 2016: Vorbericht

— 01.07.2016

London entscheidet heißes Titelduell

Acht Rennen sind in der Formel-E-Saison 2015/2016 gefahren, und der Meisterschaftskampf könnte kaum spannender sein. Nur durch einen Punkt getrennt reisen Lucas di Grassi und Sebastien Buemi zum Saisonfinale in London, wo sich entscheiden wird, wer Nachfolger von Nelson Piquet jun. werden wird.

Schon im Vorjahr war der Event in der britischen Hauptstadt eine knappe Angelegenheit, denn auch da entschied ein einziger Zähler über Wohl und Weh in der Meisterschaft.

Diesmal möchte Buemi allerdings nicht derjenige sein, der im Titelkampf das Nachsehen hat. Der Schweizer reist zwar nur als Zweitplatzierter an, kann aber auf seinen Renault Z.E.15 vertrauen, der als schnellster Bolide im Formel-E-Feld gilt. Lucas di Grassi glänzte im Saisonverlauf bislang vor allem durch Zuverlässigkeit und stand in allen Saisonrennen bislang auf dem Podest - auch wenn ihm sein Sieg in Mexiko-Stadt wegen Untergewicht aberkannt wurde.

In London sind die Vorzeichen nun klar. "Aus Fahrersicht gibt es eigentlich nur ein Ziel: vor dem anderen ins Ziel zu kommen", erklärt Buemi. Doch er weiß auch, dass sein Team Renault e.dams noch eigene Interessen verfolgt und die Teammeisterschaft verteidigen möchte. Aktuell halten die Franzosen elf Zähler Vorsprung vor dem Abt-Team und haben diesbezüglich einen kleinen Vorteil. Doch das mag nichts heißen: "In London kann viel passieren", sagt Buemi.

Viele Ungewissheiten in London

Der Kurs im Battersea Park unterscheidet sich deutlich von den anderen Strecken im Kalender. Überholen ist praktisch fast unmöglich, weil es sehr eng ist, es viele Kurven gibt und auch das starke Quergefälle eine Rolle spielt - und dann wäre da noch das britische Wetter, das total unvorhersehbar ist. Wie stark Sonne und Regen das Geschehen beeinflussen können, zeigt bereits ein Blick auf das Vorjahr.

2015 regnete es am Sonntag im Qualifying, aber erst in den Gruppen drei und vier. Die andere Hälfte hatte trockene Bedingungen und somit beim zufällig ausgelosten Qualifying die deutlich besseren Karten. "Das könnte die Meisterschaft und das Rennen beeinflussen", erklärt Lucas di Grassi, der die vielen Unwägbarkeiten gar nicht in seinen Kopf kommen lassen möchte: "Es kann durch so viele Dinge entschieden werden, sodass man am besten gar nicht darüber nachdenkt."

Überhaupt hat der Brasilianer das Formel-E-Finale in den vergangenen Wochen gedanklich so weit weg geschoben wie möglich. Nach dem Rennen in Berlin stand für ihn der Höhepunkt bei den 24 Stunden von Le Mans an, und selbst am vergangenen Sonntag war er im Audi-TT-Cup am Norisring unterwegs. "Je weniger wir darüber nachdenken, desto besser ist es", betont der Abt-Pilot gegenüber 'Motorsport-Total.com'. "Wir versuchen einfach, jedes Rennen zu gewinnen, und sehen dann, wie die Meisterschaft läuft."

Di Grassi auch bei Niederlage stolz

Für ihn bringe es überhaupt keinen Vorteil, wenn er sich im Vorfeld verrückt machen lässt und genau darüber nachdenkt, was alles passieren könnte. Stattdessen verfolgt er einen anderen Ansatz, wie er sagt: "Wir wollen alles richtig machen, und wenn es genug für den Titel ist, dann ist man glücklich, und wenn es aus irgendeinem Grund nicht reicht, dann ist man trotzdem glücklich, weil man sein Bestes gegeben hat."

Bereitet sich di Grassi etwa schon auf eine drohende Niederlage vor, indem er sagt, dass er bei einem verlorenen Titel nicht traurig ist? "Das kann man natürlich nicht sagen", wiegelt er ab und erklärt seine Aussage: "Natürlich möchte man ihn gewinnen, aber wenn man ihn nicht gewinnt, weil das Beste nicht gereicht hat, dann sollte man nicht traurig sondern stolz sein."

Womöglich könnte sich di Grassi aber noch über verpasste Punkte ärgern, die ihm am Ende zum Titel fehlen könnten. Dabei geht es nicht um die 25 Zähler von Mexiko-Stadt, sondern um drei Punkte aus Berlin, weil Teamkollege Daniel Abt zur Überraschung vieler vor di Grassi Zweiter blieb anstatt ihn vorbeizulassen. Zwar hatte der Brasilianer nach dem Rennen erklärt, dass es unfair gewesen wäre, wenn die Abt-Piloten die Plätze getauscht hätten, aus Teamsicht könnte dies aber noch wichtig werden.

Womöglich spielen die Teamkollegen am kommenden Wochenende eine große Rolle und könnten aktiv in den Titelkampf eingreifen. Daniel Abt weiß um seine Rolle und würde Lucas di Grassi helfen, und auch Nicolas Prost wird für Teamkollege Buemi eher kein Stolperstein sein, wie er sagt: "Es gibt keine strikte Anweisung, aber für mich ist die Meisterschaft gelaufen, weil ich zu Saisonbeginn zu viele Probleme hatte. Wenn ich nicht gewinne, warum soll dann nicht mein Teamkollege gewinnen?", erklärt er 'Motorsport-Total.com'. Voraussichtlich werden es aber di Grassi und Buemi selber richten müssen, wenn sie mit dem Titel nach Hause fahren wollen – zumal sie im teaminternen Duell ohnehin meist die Überhand haben.

Kein Team fühlt sich sicher

Bei den Teams selbst baut man vor dem entscheidenden Wochenende auf die eigene Stärke und geht mit Optimismus in den Titelkampf - sicher, den Titel zu gewinnen, ist man aber weder bei Abt noch bei Renault! Auch Alain Prost bleibt auf Nachfrage von 'Motorsport-Total.com' vorsichtig: "Wenn du mir die Frage nach dem ersten Training in Peking gestellt hättest, dann hätte ich gesagt, dass wir eine gute Chance haben", so der Teamchef der Franzosen. Damals hatte Buemi einen deutlichen Vorsprung auf die Konkurrenz, doch dieser ist mittlerweile weg.

"Wir hatten viele Probleme, aber das ist der Wettbewerb. Aber wir streben natürlich nach der Meisterschaft und haben eine gute Chance", will der viermalige Formel-1-Weltmeister dennoch vom Titel träumen. Sein Pendant Hans-Jürgen Abt ist schon froh, dass sein Team die Meisterschaft überhaupt bis zum Schluss offenhalten kann. "Das ist schon ein gutes Zeichen", unterstreicht der Kemptener.

"Im Inneren hofft man das natürlich, aber Belohnung gibt es nur durch harte Arbeit. Es gehört auch ein wenig Glück dazu", sagt er vor dem letzten Wochenende und weiß, dass es in London auf Kleinigkeiten ankommen wird. "Das ist auf jeden Fall spannend, für uns aber auch nervenaufreibend. Ich würde mich freuen, wenn wir im zweiten Jahr bereits die Meisterschaft holen könnten. Aber es ist schon eine gute Sache, dass wir es bis zum Schluss geschafft haben."

Fotoquelle: FIA Formula E

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