Formel E: Andere Hersteller im Formel E-Look

Formel E: Gespräch mit den drei Meistern

— 11.01.2018

Darum ist die Formel E so anspruchsvoll

Drei Saisons, drei Champions – das zeigt, wie umkämpft die Formel E ist. Wir haben mit den drei Titelträgern gesprochen.

Am Wochenende startet der zweite ePrix der Formel-E-Saison 2017/2018 in Marokko. Als Führender reist Sam Bird zum zweiten Meisterschaftslauf an. Nach seinem Sieg und dem fünften Platz vom Saisonauftakt in Hongkong liegt er mit 35 Punkten vor Jean-Eric Vergne (33) und Felix Rosenqvist (29) in der Tabelle. Sie alle wollen das erreichen, was bisher nur drei Piloten vor ihnen gelang, nämlich Formel E Meister zu werden. Nelson Piquet jr. (2015), Sebastien Buemi (2016) und Lucas Di Grassi (2017) haben das geschafft. Die drei Elektromeister verraten AUTO BILD MOTORSPORT, warum die Formel E so anspruchsvoll ist.

Formel E: Andere Hersteller im Formel E-Look



Lucas di Grassi ist der amtierende Titelträger. Der Audi-Sport-Abt-Schaeffler-Pilot erklärt in unserem Gespräch mit den drei Champions: „In der Formel E brauchst du die gleichen Fähigkeiten wie in jeder anderen Rennserie. Das heißt: Du musst die Maschine ans Limit peitschen. Aber das ist nur der eine Teil. Was hier noch so besonders ist: Im Rennen musst du am Limit fahren und trotzdem Energie sparen. Du brauchst also nicht nur Renntalent, sondern auch viel Wissen und Verständnis über das Auto, die Technik und die Strategie. Das ist wirklich etwas ganz Eigenes.“ Sein Fazit: „Als Formel-E-Fahrer musst du also sehr komplett sein, wenn du vorn mitfahren willst.“

Di Grassi blieb in Hongkong punktlos

Starke Worte. Ist die Formel E also schwieriger als die Formel 1? Nelson Piquet will das so nicht formulieren, sagt aber: „Die Formel E ist kein konventioneller Motorsport. Es ist etwas ganz Neues. Ich bin stolz, dass ich dabei bin, denn es ist eine große, weil neue Herausforderung.“

Der Brasilianer, dessen Vater dreimal Formel-1-Weltmeister geworden ist, fährt diese Saison für die Traditionsmarke Jaguar und nicht mehr für das Startup-Unternehmen Nio. „Bald sind elf verschiedene Hersteller in der Formel E dabei. Die Konkurrenz wird immer größer, der Kampf immer härter. Nio ist ein gutes Team, aber ich bin überzeugt davon: Wenn du langfristig Erfolg haben willst, musst du in ein großes Werksteam gehen.“
Formel E ist wieder Vorreiter: Elektroserie mit Titelsponsor

Schon jetzt mischen neben Jaguar bereits Marken wie Audi, Renault, DS und Mahindra mit, aber in den nächsten Jahren steigen auch BMW, Porsche und Mercedes ein. Weitere Marken wie Aston Martin und Maserati prüfen ein künftiges Projekt. Mit jedem Hersteller steigt das Interesse der Fans an der Formel E. Waren die Titel bis jetzt also unwichtig, werden sie erst jetzt historisch bedeutsam?

Buemi konnte beim Auftakt nur einen Punkt holen

Sébastien Buemi, Meister der Saison zwei: „Als Fahrer ist das egal. Du versuchst immer die Meisterschaft zu gewinnen. Du hast immer Hunger nach Erfolg. Da ist es egal, ob das in der ersten, dritten oder in der fünften Saison passiert.“ Piquet sieht das ähnlich: „Ich bin der erste Formel-E-Meister der Geschichte. Aber auch das ist irrelevant. Überhaupt ein Formel-E-Meister zu sein, das ist das Entscheidende. Irgendwann werden die Leute verstehen, was man dafür leisten muss.“

Eine große Herausforderung sind auch die Stadtkurse. „Beim kleinsten Fehler, klebst du in der Mauer“, erklärt der Brasilianer. Vater Nelson Piquet senior hasste Stadtkurse, übergab sich in den ersten Formel-1-Jahren in Monaco sogar in den Helm. Piquet junior: „Auch ich war ehrlich gesagt nie gut auf Stadtkursen. Aber inzwischen bin ich damit warm geworden und komme sehr gut zurecht. Es ist ein echter Adrenalinkick, speziell im Qualifying, auf Strecken ohne Auslaufzonen zu fahren. Denn um im Rennen vorn dabei zu sein, brauchst du einen guten Startplatz. Du musst mit irrsinnig viel Einsatz fahren, da ist der Grad zwischen fantastisch und Mauerkuss extrem schmal.“

Schon jetzt wird der Respekt für die Serie und die beteiligten Fahrer deutlich größer. Es kommen plötzlich Piloten, die vor drei Jahren noch Formel-E-Kritiker waren. Di Grassi: „Ich würde am liebsten auch Fernando Alonso hier sehen. Er jammert, er habe immer ein schlechtes Formel-1-Auto. Hier hätte er auf Anhieb bestes Material.“ Noch ist das aber nur Wunschdenken ... 

Autor: Michael Zeitler

Fotos: Hersteller

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