Formel E

Formel E in New York

— 14.07.2017

Traumrennen oder Mogelpackung?

Die Formel E schafft am Wochenende das, was die Formel 1 nicht geschafft hat: Ein Rennen in New York. Doch was steht wirklich hinter dem Traum vom Big Apple?

Es ist das Prestigeobjekt für jeden Rennkalender: Ein Rennen in New York. Wer allerdings an urbane Häuserschluchten, Wolkenkratzer und den unvergleichlichen Charme des Big Apple denkt, der wird am Wochenende ein bisschen enttäuscht. Die Formel E ist für ihre Premiere in New York (Sa./So. jeweils 22 Uhr auf DMAX) auf einem etwas heruntergekommenen Gelände in Red Hook gelandet, einem Industriehafenviertel in Brooklyn.

Der Formel-E-Kurs: 1,95 Kilometer lang, 10 Kurven

Wenn die Regie gute Arbeit leistet, wird man entfernt im Hintergrund zwar die Freiheitsstatue und das neue World Trade Center sehen können. Ansonsten ist vom Glamour der amerikanischen Vorzeigemetropole zwischen alten Backsteingebäuden, Lagerhallen und Schiffen aber eher wenig zu erblicken. Es wird der übliche Parkplatzkurs zwischen Betonblöcken, der bei den Fans nicht gerade Gänsehaut hervorruft. Und doch muss man der Formel E Respekt zollen. Denn wenigstens hat sie es nach New York geschafft...

Die Formel 1 hat das jahrelang vergeblich versucht. Anfang des Jahrzehnts war ein Rennen auf der anderen Seite des Hudson Rivers geplant, in New Jersey. Es gab Verträge mit Bernie Ecclestone und sogar schon einen Termin im Rennkalender. Die vom deutschen Architekten Hermann Tilke geplante Strecke am Hochufer hätte es mit 5,15 Kilometern Länge, 19 Kurven, viel Highspeed und großen Höhenunterschieden in sich gehabt - ein zweites Baku sozusagen.

Auch Vettel und Co. träumten damals von New York

Allein: Die Pläne wurden wegen Problemen mit der Finanzierung und den Behörden vor Ort immer wieder verschoben und schließlich ganz auf Eis gelegt. Leise Hoffnung für eine Wiederaufnahme besteht vor allem, weil die neuen F1-Besitzer von Liberty Media aus Amerika kommen. Und bereits angekündigt haben, die Königsklasse in Zukunft doch noch irgendwie hinbringen zu wollen, in die Stadt, die niemals schläft. "Ein Nachtrennen in New York wäre etwas Besonderes“, sagte kürzlich der neue F1-Boss Ross Brawn, warnte aber auch: „Wir dürfen nicht zu viel darüber sprechen und davon träumen.“

Fakt ist: Die Formel 1 hat in Amerika ganz prinzipiell das Problem, neben den nationalen Motorsport-Giganten NASCAR und IndyCar aktuell noch nicht wichtig genug zu sein. Und in New York hat sie das Problem, dass sowieso nichts wichtig genug für die Stadt ist. „Der Sport braucht New York sicher mehr als New York den Sport“, bringt es ein genervter Anwohner auf den Punkt, als wir uns vor Ort die Rennstrecke in spe anschauen. Selbst der renommierte New York City Marathon kratzt mittlerweile nur noch an Manhattan, weil das Ziel im Central Park liegt. Ansonsten führt er durch die Randbezirke, durch die Bronx, Queens und Brooklyn, wo nun die Formel E fährt.

Hafenromantik statt Großstadtflair: Formel E in NYC

Die Veranstalter der Elektroserie haben es frühzeitig erkannt: Nur da, wo man der pulsierenden Großstadt nicht im Weg steht, wird man geduldet - nur dort ist ein Rennen überhaupt umsetzbar. Früh ist man deswegen Kompromisse eingegangen, auch bei der Auswahl des Schauplatzes. Somit handelt es sich am Wochenende zwar eigentlich um einen „Brooklyn ePrix“. Dennoch ist es das erste Autorennen der modernen Geschichte, das in einem der fünf New Yorker Stadtteile stattfindet. Immerhin.

Autor: Frederik Hackbarth

Fotos: Andretti Autosport / Frederik Hackbarth

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