Formel E:Alle Teams, Alle Fahrer

Formel E: Interview Jens Marquardt

— 26.07.2017

"Die Formel E ist unser technisches Labor"

BMW steigt 2018 als Werksteam in die Formel E ein. Wir trafen BMW-Motorsport-Chef Jens Marquardt beim Rennen in New York.

Herr Marquardt, die Formel 1 versucht seit 30 Jahren nach New York kommen. Die Formel E hat es schon in der dritten Saison geschafft. Warum?
Jens Marquardt (50): Weil das Elektro-konzept perfekt in die Innenstadt passt.  Und die Autos sind natürlich vom Sicherheitskonzept und vom Aufwand her, schöne und sichere Rennen zu leisten, viel besser geeignet.
BMW kommt in die Formel E: Die Hintergründe zum Einstieg

BMW hat sich gegen die Formel 1 und für die Formel E entschieden. Läuft die Formel E auf Dauer auch mit solchen Prestige-Events wie hier in New York der Formel 1 den Rang ab?
Die Formel E wird in zehn Jahren genau wie die Elektromobilität an sich normal sein. Heute ist es noch etwas Besonderes, aber in Zukunft werden klassische Rennserien und solche Meisterschaften wie die Formel E wunderbar nebeneinander existieren können. Den Ausschlag für die Formel E gibt die Relevanz für die Serie: Es sind die gleichen Ingenieure an der Entwicklung des Formel-E-Motors beteiligt wie an der BMW i-Reihe. So funktioniert die Formel E als technisches Labor. Deswegen sind wir ab dieser Saison als Partner des Andretti-Teams dabei, lernen die Formel E kennen und entwickeln dann ab Saison fünf den Antrieb selbst.

Die Formel E gastierte zuletzt in New York

Ist die Serienentwicklung technisch nicht schon weiter als die Formel-E-Technologie?

Im Sinne von Stabilität und Dauerlast schon. Aber: Das Gewicht des Formel-E-Antriebs beträgt nur 50 Prozent von dem in der Serie, die Leistungsdichte ist drei Mal so groß, wir verlieren 50 Prozent weniger Energie. Da liegt die Formel E aufgrund der spezifischen Anforderung des Sprintformats vor der Serie, wo es um Laufleistung und täglichen Gebrauch geht. Diese Erkenntnisse müssen in die Serie einfließen.

Wäre es da nicht wichtig, auch die Batterieentwicklung freizugeben? Derzeit gibt es Einheitsbatterien in der Formel E.
Und das ist auch richtig so. Denn das ist ein Thema, wo viel Geld ausgegeben werden kann und in der Serie auch ausgegeben wird. Aber wir wollen uns lieber auf den Antrieb konzentrieren als auf einen Batterie-Wettbewerb.

Derzeit ist die Formel E noch eine Nie-schenserie. Wie wichtig ist da ein prominenter Fahrer wie Timo Glock für BMW, um die Aufmerksamkeit zu steigern?
Wir sollten nicht auf Namen und Fahrer schauen, sondern auf das Thema. Wir müssen sehen, dass wir die junge Generation für den E-Motorsport begeistern. Das gelingt uns eher, wenn Leonardo di Caprio oder Justin Bieber die Rennen besuchen, als wenn bekannte Piloten dabei sind.

Die Formel E schreibt aber noch immer rote Zahlen. Ist die Zukunft wirklich gesichert?
Wir dürfen nicht auf den kurzfristigen Profit schauen. Wir müssen zeigen, dass das die Plattform für die Zukunft ist, und diese weiterentwickeln. Da brauchen wir einen etwas längeren Atem. Aber die Formel E wird sich stabilisieren und dann auch sehr gesund unterwegs sein. Auch der Tesla ist noch nicht rentabel, und doch steigt der Wert des Unternehmens immer weiter.

Autor: Michael Zeitler

Fotos: Picture-Alliance, picture-alliance ; Hersteller

Diesen Beitrag empfehlen

Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.


Kfz-Versicherung