Sitzprobe im Formel-E-Auto

Formel E: Kolumne von Bianca Garloff

— 15.09.2014

Die Formel E hat Zukunft

Die AUTO BILD MOTORSPORT Reporterin berichtet vom Geschehen im Fahrerlager: In Peking war sie bei der Premiere der neuen Formel E dabei.

Ich gebe zu: Auch ich gehrte zu den Zweiflerinnen. Ich habe milde gelchelt ber die Serie mit den Elektromotoren, den Ex-Stars, dem Fanboost und dem fliegenden Autowechsel. Berichterstattung ber den Versuch Motorsport umweltfreundlich wirken zu lassen? Naja. Heute muss ich zugeben: Ich lag falsch. Meine eher unfreiwillige Reise zur Premiere nach Peking hat mich vom Gegenteil berzeugt. Die Formel E hat Zukunft, und zwar groe! Was Serienpromoter Alejandro Agag und seine Leute in weniger als zwei Jahren auf die Beine gestellt haben, verdient Anerkennung. Bis auf ein instabiles Internet und ausbleibendes TV-Signal im Pressezentrum ging das Formel-E-Debt ohne gravierende Mngel ber die Bhne. Im Gegenteil: Der Renntag elektrisierte!

Die Fahrer in der Formel E

Der spektakulre Crash zwischen Prost (li.) und Heidfeld (re.) sorgte fr eine Menge Gesprchsstoff

Klar war da der Rennausgang: Kein Hollywoodregisseur htte den besser schreiben knnen. Da fhrt der Sohn eines vierfachen Formel-1-Weltmeisters einem ehemaligen Formel-1-Star, der jetzt fr Leonardo di Caprio Gas gibt, in die Kiste und beschimpft dessen clevere Fahrweise hinterher auch noch als dummes Manver. Das ist Stoff, aus dem Journalistentrume gemacht sind. Aber auch das Rennen selbst hatte unerwartet viele berholmanver, Rad-an-Rad-Duelle und spannende Elemente zu bieten. Eine Stunde war lang und kurz genug, um keine Langeweile aufkommen zu lassen. Die Strecke in Peking und es sollen ja alle Lufe in Stdten ausgetragen werden erinnerte an einen Straenkurs aus der guten alten ChampCar-Zeit. Long Beach oder Surfers Paradise lassen gren. Damals schaltete ich regelmig ein. Enge Schikanen und nahestehende Mauern sorgten dafr, dass die nur mig schnellen Formel E gar nicht so langsam aussahen. Als Heidfeld und Co ber die provisorisch angebrachten Plastik-Randsteine ruberten, war das Action pur. Die Autos sind auf diesen Strecken zu fahren wir normale Rennwagen, sagte mir der Mnchengladbacher spter, am Limit gar nicht so leicht zu beherrschen. Bruno Senna, Lucas di Grassi und Jarno Trulli; sie alle wirken gar nicht mehr wie aussortierte Formel-1-Loser. Die Formel E macht sie wieder zu Stars!

Die Stdte und Strecken der Formel E 2014/2015

Video-Kostrprobe: Der Sound der Formel E

Reporterin Bianca Garloff berichtet von den Rennstrecken dieser Welt

Kommen wir zum Sound. Ich wurde schon von Lesern dafr gesteinigt, dass ich die neue Turbo-Formel-1 mag oder zumindest nicht kritisieren will. Ich bleibe dabei: Auch die Formel E ist bei hohem Tempo gar nicht so leise! Im Gegenteil: Die Renner pfeifen anstndig, wenn sie nah an der Boxenmauer entlang fegen. Und sogar wer weiter weg steht, wird beschallt. Von einem EJ, der eine speziell auf den Rennverlauf abgestimmte Techno-Mucke mixt. Ein Showelement, das besonders bei der jungen Generation Zustimmung finden drfte. Gut. Alles war nicht perfekt. Die Autowechsel beim Boxenstopp und die Positionsnderungen danach habe zumindest ich vor Ort nicht nachvollziehen knnen. Eigentlich kann es auch nicht sein, dass eine Serie, die sich grn schimpft, mit zwei Autos pro Fahrer anreisen muss. Zustzlicher Ballast kostet mehr Kerosin. Aber Kompromisse muss man zumindest jetzt noch eingehen. Die Batterien halten derzeit eben nur eine halbe Stunde.  Egal. Die Formel E hat bereits in Peking bewiesen: Sie ist nicht nur eine technologische Demonstration, dass Motorsport auch kologisch sein kann. Sie ist eine sinnvolle Alternative zur Formel 1 solange Elektromotoren und Batterien deren Level noch nicht erreichen knnen. Interessierten Automobilherstellern rate ich: Einsteigen, bevor man den Anschluss verpasst. Und ich? Ich werde mich freuen, wenn ich mal wieder zur Formel E geschickt werde. Los Angeles oder Miami? Ein Luxusproblem.

Autor: Bianca Garloff

Fotos: BG / Sky

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