Formel E

Formel E: Kommentar zum Audi-Titel

Di Grassi ein verdienter Champion

Freude bei Lucas di Grassi, bei Abt Sportsline, bei Schaeffler und bei Audi: Erstmals holte diese Kombination den Titel in der Formel E. Kritik ist unbegründet.
Am Ende zeigte sich der entthronte Formel-E-Meister Sébastien Buemi doch noch als fairer Verlierer: „Ich muss Lucas und Abt Schaeffler Audi Sport zum Titel gratulieren. Sie haben einen guten Job gemacht.“ Doch der Renault e.dams-Pilot schiebt gleich hinterher: „Wir hatten das Auto, um diesen Titel zu gewinnen. Aber mit zwei Rennen, die ich auslassen musste und zwei Disqualifikationen war das einfach nicht möglich.“
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Buemi fehlte bei den beiden Rennen in New York, weil er parallel am Nürburgring für Toyota in der Sportwagen-WM gefahren ist. In Berlin wurde er disqualifiziert, weil der minimale Luftdruck unterschritten wurde. In Montreal, weil das Auto nach dem Crash im Training vier Kilogramm zu leicht war.
Was ist dieser Titel für Lucas di Grassi also wert? Der Brasilianer fuhr zwei Rennen mehr als Buemi. Er gewann zwei Läufe, Buemi aber drei Mal so viel. Ist Di Grassi also ein unwürdiger Meister? Nein! Und das hat mehrere Gründe.

Lucas di Grassi darf zurecht feiern!

Erstens: Buemi ging als Tabellenführer in die beiden Finalläufe in Montreal. Er hatte alle Trümpfe in der Hand, hat aber mit einer extremen Fehlerquote selbst versagt. Der Crash im Training für Rennen eins, die schwache Quali-Performance für Rennen zwei. Buemi hat den Titel verloren, weil er fahrerisch in Montreal nicht die Klasse eines Champions zeigte. Anders Di Grassi: Er ging als Außenseiter ins Titelrennen, behielt die Nerven, machte keine Fehler – und setzte sich durch.
Zweitens: Fahrerisch ist Di Grassi in der Formel E eine Klasse für sich. Selbst die ärgsten Konkurrenten zollten ihm Respekt, als er in Mexiko so gut mit der Energie haushalten konnte, dass er ein fast verloren geglaubtes Rennen noch gewinnen konnte. Dabei war er zwischenzeitlich Letzter. Di Grassi war vor fünf Jahren der erste Testfahrer der Rennserie. Keiner hat seinen Fahrstil so sehr auf die Elektro-Flitzer angepasst wie der ehemalige Formel-1-Pilot. In den ersten drei Saisons der Formel E hat er unterm Strich mehr Punkte gesammelt als Buemi (467:455) – obwohl er das schlechtere Auto hatte.

Autor: Michael Zeitler

Fotos: Picture-alliance

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