Buemi

Formel E: Meisterportrait

— 14.07.2016

Buemis Opa baute Formel-1-Autos

Sébastien Buemi hat als zweiter Fahrer den Titel in der Formel-E-Meisterschaft gewonnen. Mit AUTO BILD MOTORSPORT sprach er über seinen ersten Titel.

Was war das bitte schön für ein Finale der Formel E in London? Die beiden Titelaspiranten Lucas di Grassi (Abt Schaeffler Audi Sport) und Sébastien Buemi (Renault e.dams) krachten in Kurve eins zusammen. Am Ende sicherte sich Buemi die Meisterschaft, weil er sich noch die zwei Bonuspunkte für die Schnellste Rennrunde abgriff.
 
„Ich will ehrlich gesagt nicht mehr an das Finale denken“, sagt der 27-Jährige zu Auto Bild Motorsport über Di Grassis Rammstoß. „Die Kollision macht mich traurig. Ich will jetzt lieber den Titel genießen.“ Nach dem Gewinn der Sportwagen-Weltmeisterschaft 2014 mit Toyota ist das der bislang größter Erfolg in seiner Karriere – und dieser wird auch nicht belächelt. Buemi weiß: „Das Interesse an der Formel E wird immer größer, genauso wie der Respekt von den Fans und den Insidern."

Lucas di Grassi räumte beim Finale in London Buemi von der Strecke

Dass die Elektro-Flitzer nur 231 PS auf die Waage bringen, das Auto während des Rennens getauscht werden muss und die Höchstgeschwindigkeit noch unter 300 km/h liegt, ist nebensächlich: Auf dem kniffligen Straßenkurs bietet die Formel E feinsten Rennsport – und das ist, was am Ende bei den Fans zählt. „Die Autos sind sehr schwer zu fahren. Wir haben keine Slickreifen, die Fahrzeuge sind sehr schwer und wir fahren nur auf sehr anspruchsvollen, engen Stadtkursen. Daher ist es nicht einfach schnell zu sein. Hinzu kommt, dass man im Rennen ständig auf die Energie achten muss und es daher wichtig ist, den besten Weg zwischen Energie sparen und schnell fahren zu finden“, erklärt der Schweizer, der seit Februar Vater eines Sohnes ist. Mit der Energie muss also gehaushaltet werden. Das hat durchaus Parallelen zur Sportwagen-WM, wo Buemi für Toyota an den Start geht – und den Sieg beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans in den letzten Minuten in einem wahren Rennsport-Krimi verlor. Buemi: „Das wiegt auch der Formel-E-Titel nicht auf, das sind zwei verschiedene Paar Schuhe. Ich will unbedingt diesen Sieg in Le Mans, das ist sehr wichtig für mich."

Doch vielleicht ergibt sich noch eine andere Option: Sein Name fällt immer wieder im Zusammenhang mit einem Formel-1-Cockpit bei Renault für die Saison 2017. Nicht nur, weil Buemi für Renault Formel E fährt, sondern auch, weil er bei Red Bull nach wie vor Entwicklungsfahrer ist und als solcher im August auch die 2017er breiten Pirelli-Walzen Probefahren wird.

Buemi fährt in der Formel E für das Renault e.dams-Team

Zum möglichen Formel-1-Comeback sagt er: „Momentan fahre ich Formel E und Sportwagen-WM, außerdem bin ich dritter Fahrer bei Red Bull. Allerdings: Wer weiß, was passiert? Die Formel 1 ist die größte Serie. Wenn sich eine Möglichkeit bietet, würde ich nicht nein sagen."

Von 2009 bis 2011 bestritt Buemi 55 Grand Prix für Toro Rosso, holte dabei 29 Punkte. Ein Aufstieg ins Red-Bull-Team scheiterte, weil mit Sebastian Vettel und Mark Webber beide Plätze fest vergeben waren.

Und auch sein Opa Georges Gachnang war schon in der Formel 1: 1963 legte er einen eigenen Cegga-Formel-1-Rennwagen auf Kiel mit einem Maserati-1,5-Liter-Vierzylinder. Zum Einsatz kam er aber nur bei nicht zur WM zählenden Rennen, eine Meldung für den Monaco-GP ging zwar ein, aber die Finanzierung scheiterte ebenso wie beim zweiten Versuch 1967 mit einem Ferrari-Zwölfzylinder im Heck. Der Cegga-Ferrari war dann aber bei Bergrennen in der Schweiz äußerst erfolgreich, unter anderem mit Philippe Panis am Steuer, dem Vater von Ex-Formel-1-Pilot Olivier Panis.

Buemis Cousine, Natacha Gachnang, schaffte es nicht in die Formel 1, obwohl sie 2008 immerhin Dritte in der spanischen Formel 3 wurde. Inzwischen fährt die 28-Jährige keine Rennen mehr – anders als Sébastien Buemi, der mit 27 Jahren noch viele Jahre vor sich hat.

Autor: Michael Zeitler

Fotos: picture-alliance, Hersteller

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