Formel E

Formel E: Nick Heidfeld im Interview

— 11.09.2014

Die Formel E kann etwas Großes werden

Am Samstag feiert die Elektrorennserie Formel E ihre Premiere in Peking: Pilot Nick Heidfeld spricht im Vorfeld exklusiv mit AUTO BILD MOTORSPORT.

Herr Heidfeld, mit ihrem Engagement in der Formel E kehren Sie in einen Monoposto zurück. Wie kam es dazu – in der jüngeren Vergangenheit fuhren sie ja ausschließlich Sport- und Tourenwagen?

Nick Heidfeld: Nach meinem Abschied in der Formel 1 habe ich viele verschiedene Dinge ausprobiert. Dabei habe ich Gefallen an den Sportwagen gefunden und mir dementsprechend auch lange überlegt, ob ich die Formel E machen soll oder nicht. Es ist ja ein gewisser Zeitaufwand damit verbunden, in mehrere Rennserien gleichzeitig zu fahren. Mit den Sportwagen wollte ich nicht aufhören und mache damit dieses Jahr auch weiter. Das Interesse an Monoposto hat aber nie nachgelassen und ist auch nach der Formel 1 immer dagewesen. Mit den ganzen Details über die Formel E, die dann zu Tage kamen, wurde mein Interesse dafür immer größer und größer. Die Organisation sieht sehr gut aus und es sind, was ziemlich wichtig ist, viele gute Fahrer dabei. Es wird dementsprechend eine große Herausforderung und hoffentlich gute Zweikämpfe geben.

Haben Sie also gleich Ja gesagt, als sie von den anderen Mitstreitern hörten?

Nick Heidfeld fuhr zwölf Jahre Formel 1, holte bei 183 Starts 13 Podestplätze. Nun gibt er in der Formel E Gas

Zunächst gab es anfänglich ja noch Bedenken, ob die Serie überhaupt zustande kommt und wie die Organisation ist. Als immer klarer wurde, dass das gut funktioniert und gute Teams dabei sind, habe ich dann schon mehr überlegt. Ich bin schließlich von mehreren Teams angesprochen worden. Und als dann bekannt wurde, wo die Rennen stattfinden, in was für coolen Städten weltweit, habe ich mich entschieden zu schauen, ob ich irgendwo einen guten Platz bekomme. So hat sich das über die letzten Monate entwickelt. Beobachtet habe ich es aber eigentlich schon über die letzten Jahre. Man hat ja immer gehört, dass vielleicht etwas zustande kommt und war daran interessiert, weil es ein neues und zukunftsträchtiges Projekt ist.

Inwiefern ist das Thema Elektromobilität denn für jemanden, der von Kindesbeinen an ein echter Racer ist, überhaupt interessant? Bei Rennsport denkt man in erster Linie ja eigentlich an Benzingeruch...

(lacht) Ja, der Zweitakter aus der Kartzeit ist auch nach wie vor mein Lieblingsgeruch! Damit verbinde ich unheimlich viele schöne Erinnerungen. Aber alles was irgendwie schnell fährt ist für mich interessant. Wo die Leistung letztendlich herkommt, ist da nicht primär das Entscheidende. Als ich im Kartsport angefangen habe, habe ich mir, wie die meisten Leute zur damaligen Zeit wahrscheinlich auch, noch nicht so viele Gedanken über Umweltschutz gemacht. Mit der Zeit ist das aber immer mehr ein Thema geworden. Das spricht dafür in diese Richtung zu gehen. Auch zukünftig ist das hoffentlich Interessant für Hersteller. Mit Renault als technischem Partner und BMW, die das Safety-Car liefern, haben wir schon ein paar Hersteller dabei, die sich das jetzt genau anschauen.

Wie sind denn ihrer Meinung nach die Zukunftschancen der Serie? Gerade am Anfang wurde ja viel über die finanziellen Hintergründe und die Stärke der Formel E spekuliert.

Futuristischer Flitzer: 20 Einheitsautos gehen in der Formel E an den Start - Heidfeld fährt fürs Team Venturi aus Monaco (Bild)

Es ist natürlich einiges an finanziellem Einsatz gefragt, um so eine Serie aus dem Boden zu stampfen, vor allem mit den ganzen Rennen in den Städten. Die Spekulationen sind immer noch da, wie erfolgreich das Ganze sein wird. Das kann keiner vorhersehen. Ich denke aber, dass es wirklich groß und interessant werden kann! Wenn ich mit Leuten spreche, haben sie entweder sowieso schon von dem Projekt gehört, oder finden es zumindest interessant und wollen es sich mal anschauen. Ob die Leute dann dabei bleiben, wird sich zeigen. Zum einen im Internet und Fernsehen. Zum anderen aber auch live vor Ort. Da ist der Vorteil gegenüber der Formel 1, dass es leichter und besser für Familien zugänglich ist. Zudem gibt es dort nicht so einen Krach. Es gibt auch einen Sound, aber der ist es nicht so laut wie in der Formel 1.

Das waren jetzt viele Pluspunkte der Serie. Gibt es denn auch etwas Negatives, das ihnen bei den Tests bisher schon aufgefallen ist?

Nichts Außergewöhnliches. Es ist natürlich klar, dass bei einer neuen Serie und neuen Autos am Anfang Probleme technischer Natur da sind. Aber weniger als ich erwartet hätte. Es ist alles im Rahmen, allerdings sind wir noch nicht einmal das erste Rennen gefahren. Es wird mit Sicherheit so sein, dass wir da Dinge finden, die nicht optimal sind. Aber so wie ich es bisher mit den Organisatoren erlebt habe, sind die Verantwortlichen anders als in der Formel 1...

Was heißt das konkret?

Publikumsmagnet: Auch Heidfeld weiß, wie wichtig Stars und große Namen für das neue Projekt sind

Dort arbeiten alle gegeneinander. Hier sind alle dabei an einem Strang zu ziehen. Es ist logisch: Die Formel 1 ist sehr groß, sehr erfolgreich. Da ist jeder auf seinen Vorteil bedacht. Die Formel E steht am Anfang. Da versuchen alle es irgendwie erfolgreich zu gestalten. Daher ist es auch für mich schön, jetzt am Anfang dabei zu sein und einen Input zu geben... und zusammen zu hoffen, dass man es gut hinbekommt.

Sie haben bereits erwähnt: Das Feld ist mit relativ vielen illustren Namen gespickt. Inwiefern ist es denn wichtig für die Serie, gerade auch am Anfang solche Stars zu haben, damit das Projekt zieht?

Das ist sehr wichtig. Man sieht auch, dass es aus vielen verschiedenen Ländern Teams gibt. Das war sicherlich auch ein Grundgedanke von Anfang an. Und dass relativ bekannte Fahrer mit von der Partie sind, was sicher hilft, um die Sache beim Publikum am Anfang bekannt zu machen.

Mehr zur Formel E, warum die Serie Stars wie Leonardo DiCaprio anlockt und was Nick Heidfeld über seinen prominenten Boss denkt, lesen Sie ab Freitag in der neuen AUTO BILD MOTORSPORT - als Heft im Heft in AUTO BILD überall am Kiosk erhältlich.

Autor: Frederik Hackbarth

Fotos: Picture-Alliance

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